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Österreich gegen Spanien bei der WMDie gebremste Euphorie vor dem „Habsburger Derby“

Es ist nur ein Spiel, das eine Spiel: Wie sich Österreich nach dem Rausch der letzten Rettung auf das K.-o.-Spiel gegen Spanien vorbereitet.

René Hamann

Aus Wien

René Hamann

Es ist nur das eine Spiel, und in einem Spiel ist alles möglich. An diese Fußballbinse hält sich eine ganze Nation. Und zwar die, die mit Saša Kalajdžićs Ausgleich gegen Algerien das bisher vielleicht größte Drama dieser WM geliefert hat: vom Aus in der Nachspielzeit bis zur Rettung ins Sechzehntelfinale in knapp vier Minuten. Österreich kann WM, und das wird als große Genugtuung gesehen. Vor allem, seit der große Nachbar, Rivale und Erzfreund Deutschland so schmählich ausgeschieden ist.

Das erlösende Tor des Ex-Stuttgarters zum 3:3 ist neben der Roten Karte für den Paraguayer Miguel Almirón gegen die Türken auch deswegen bereits unvergesslich, weil es für den medialen Moment des Turniers gesorgt hat: Wie die DJ-eske Mitteilung des Schiedsrichters Ivan Barton bei der Roten Karte („decision is red card“) ist das befreite Gebrüll des ORF-Reporters Daniel Warmuth viral gegangen wie sonst was, als Meme, als Soundschnipsel für allerlei musikalische Bearbeitung. Warmuth, der völlig eskaliert, wie man so einen Ausraster heutzutage nennt, genießt nach der Erlösung seine 15 Minuten Fame.

Eine Erlösung, auf die die Deutschen vergeblich gehofft haben, hat Österreich erfasst. Eine Erlösung und in der Folge eine Philosophie: „Der Fußball wird immer enger. Jeder kann jeden schlagen“, wie etwa Aleks Dragović, der Experte des Boulevardblatts Heute, in Hinsicht auf das Sechzehntelfinalspiel an diesem Donnerstagabend meint.

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Womit wir also wieder bei dem einen Spiel sind, in dem alles möglich ist. Warum nicht auch ein Sieg über Spanien? So richtig beängstigend war bislang eh nicht, was die Weltmeister von 2010 im Turnier gezeigt haben. Und Österreich unter dem deutschen Trainer Ralf Rangnick kann modernen Fußball, auch wenn man vergleichsweise star-, also auch unterschiedsspielerlos aufläuft: Es wird für die Rotweiß-Roten im „Habsburger Derby“ viel auf die Geschlossenheit ankommen, aufs kompakte Verteidigen, auf die viel besagten Umschaltmomente.

Schlitzohr und Fleiß

Und vorne gibt es Schlitzohr Marko Arnautović, der allein wegen altersbedingt fehlender Spritzigkeit immer nur eine Halbzeit auflaufen kann: Er wird entweder von Fleißspieler Michael Gregoritsch vom FC Augsburg oder dem Leih-Linzer Kalajdžić abgelöst. David Alaba hält hinten den Laden zusammen, Konrad Laimer läuft für zwei, Marcel Sabitzer hat die berühmte Klebe (wie bei seinem 2:1 gegen Algerien) und Schlager, Wanner, Grillitsch, Schmid, Schöpf oder Wimmer sorgen für Momente: Der Kader ist ausgewogen genug, um den Stars um Lamine Yamal und Nico Williams etwas entgegensetzen zu können.

Österreich hat Spanien schließlich schon einmal geschlagen, bei der für Austria fußballhistorisch so entscheidenden WM 1978: in der Vorrunde mit 2:1, Tore von Walter Schachner und Hans Krankl. „Erst Spanien, dann ganz Großes möglich“, lässt sich ÖFB-Sportchef Peter Schöttel zitieren. Und warum auch nicht: Die nachtschlafenden Uhrzeiten sind für die „kleine Fernsehnation“ vorbei, und zwar endgültig. Nach dem einen Spiel gegen Jordanien um 6 Uhr in der Früh und dem anderen gegen Algerien um 4 Uhr warten jetzt jedenfalls in der Theorie nur noch Abendspiele: Gegen Spanien ist der Anpfiff um 21 Uhr MESZ.

Den einen Moment, den hatte Österreich im Grunde schon

Auch das Achtelfinale gegen CR7 oder Luka Modrić wird um 21 Uhr gestartet, ebenso das Viertelfinale gegen USA, Bosnien, Belgien oder Senegal. Es ist die leichte Turnierbaumhälfte! Durchaus was drin! Halbfinale dann gegen Frankreich – noch einmal das eine Spiel!! – und Finale gegen Argentinien: auch wieder um 21 Uhr. Österreich könnte ein Sommermärchen erleben, quasi am helllichten Tag.

Wer mag da noch Salz in die Suppe spucken? Der Standard vielleicht: „Österreichs Defensive war bei der bisherigen WM nicht besonders sattelfest“, wird da geunkt. Wer spielt gegen Yamal? Ob Marco Friedl oder ein anderer, fest steht: „Es wird ohnehin die ganze Mannschaft brauchen, dass aus der Festung keine Sandburg wird.“

Gewarnt und auf die Euphoriebremse gedrückt, wird allenthalben also genug: Und den einen Moment, den hatte Österreich im Grunde schon. Von dem kann man, wie damals nach Córdoba bei besagter WM 1978, im Grunde noch fünf Jahrzehnte lang zehren.

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