Obdachlose müssen auf die Straße: Hannover macht dicht

Die Stadt schließt ihre zentrale Unterbringung für Wohnungslose, die zu Beginn der Corona-Pandemie geschaffen wurde.

Vor einem Bus der Johanniter übergibt eine Frau eine Schale mit Essen. Im erleuchteten Inneren des Busses füllt ein Mann Schalen, Im vordergrund zwei dunkle Gestalten

Mal was zum Aufwärmen: Eine Johanniterin verteilt Essen an Wohnungslose Foto: Ole Spata/dpa

HANNOVER taz | Hannover hat ernst gemacht: Trotz Protesten, Warnungen von Organisationen aus der Obdachlosenhilfe und Hinweisen von Betroffenen ist die Notunterbringung für Wohnungs- und Obdachlose, die zu Beginn der Coronapandemie in Hannover geschaffen wurde, nun beendet. Seit Donnerstag ist das dafür genutzte „Naturfreundehaus“ geschlossen. Bis 9.30 Uhr morgens mussten die Bewohner*innen die Jugendherberge verlassen.

Der Schock stand allen vor Ort ins Gesicht geschrieben. Für 17 Menschen bedeutet die Entscheidung: Zurück auf die Straße – und in der vergangenen Woche fielen die Temperaturen in der Stadt nachts bereits wieder bis auf 7 Grad, es regnete und stürmte. Und auch in Hannover stieg, ganz dem bundesweiten Trend folgend, die Zahl der Corona-Neuinfektionen wieder. Aber noch bliebe Zeit, Risikogruppen zu schützen.

„Menschen, die ganz ohne Unterkunft auf der Straße leben, die in Sammel- oder Gemeinschaftsunterkünften untergebracht sind, in prekären Mitwohnverhältnissen oder in sonstigen Dauerprovisorien leben, sind eine gesundheitlich hoch belastete Bevölkerungsgruppe.“ Darauf hatte im März bereits die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe in Berlin hingewiesen.

Sie litten häufiger als die Mehrheitsbevölkerung unter Mehrfacherkrankungen, „haben aber keine Chance, soziale Kontakte zu reduzieren und Schutz durch den Rückzug in die eigene Wohnung zu finden“. Und laut einer Studie der Uniklinik Düsseldorf haben Menschen aus prekären Verhältnissen ein vielfach höheres Risiko, wegen einer Infektion mit Covid-19 stationär behandelt werden zu müssen.

Stadt zog positives Fazit

Immer wieder haben Betroffene in Hannover auf ihre Situation und den Zustand der Massenunterkünfte aufmerksam gemacht. Es gab im vergangenen halben Jahr drei Demonstrationen, die letzte erst am 7. Oktober.

Die Stadt zog einige Tage vor dem Aus für die Notunterbringung dennoch ein positives Fazit. Und Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) erklärte noch vor einer Woche: „Wir werden alles tun, um Obdachlose zu unterstützen.“

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de