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Neue Musik aus BerlinRaunen im Nebel

Mit Gesang, Klarinette und allerlei umgewidmeten Dingen bereichern Yan Jun und Kai Fagaschinski die improvisierte Musik Berlins. Live am 1. Oktober.

E in Plädoyer für den Regenschirm als Musikinstrument! Tatsächlich findet er sich im Besteckkasten des Klarinettisten Kai Fagaschinski und des Sängers Yan Jun gleich in der Mehrzahl und neben Hausschuhen, Außenaufnahmen und unbenannten weiteren zur Klangerzeugung umgewidmeten Dingen. Der Albumtitel „Graveyard Processions“ lässt an Gotisches oder Schwermetallisches denken, zumal Fagaschinski ein T-Shirt der Doom-Dampfwalzer Saint Vitus trägt.

Die eigenständige Musik aus Improvisation und Komposition, die das Duo stattdessen auf zwei epischen Stücken und zwei zwischengeschalteten Vignetten spielt, hat etwas nicht minder Dunkles, Rituelles an sich: Murmelnder, raunender Gesang, eine Klarinette als Nebelhorn, dabei genau gesetzte windschiefe Geräusche, geschlagenes Metall, knarrendes Holz.

Der Autodidakt Kai Fagaschinski hat mit Bands wie den zwischen Song und Experiment operierenden The Magic I.D., dem Splitter Orchester und an Orten wie dem Raumschiff Zitrone in Prenzlauer Berg einiges für die improvisierte Musik in Berlin geleistet. Yan Jun aus Peking hat ohne Plazet einer Institution oder Urkunde als Musikkritiker begonnen, dann ein Plattenlabel gegründet und erst danach selber zu musizieren angefangen.

Das Album

Kai Fagaschinski & Yan Jun: „Graveyard Processions“ (Ni Vu Ni Connu); Live: Mittwoch, 1. Oktober, 20 Uhr im KM 28, mit Tan Shuoxin, Solo-Elek­tronik

Zwei Städtebewohner also, deren Klangbilder zutiefst ländlich wirken, und diese Landschaft darf man sich trotz des Vogelgezwitschers als karg, aber von stiller Schönheit denken: Gedämpfte Schritte verlaufen sich, das letzte Lied gehört den Insekten.

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Robert Mießner

Robert Mießner

Robert Mießner, geboren 1973 in Ost-Berlin. Studium der Neueren und Neuesten Geschichte, Philosophie und Bibliothekswissenschaft. Flaniert und notiert, hört zu und schreibt auf. Herausgeber (mit Alexander Pehlemann und Ronald Galenza) von „Magnetizdat DDR. Magnetbanduntergrund Ost 1979–1990“, Buch und LP, Berlin, Leipzig und Barreiro 2023.
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