Neue Führungsposten: Nächster Schritt zur europäischen Nato
Die USA fordern seit Langem mehr Verantwortung der Europäer in Sicherheitsfragen. Innerhalb der Nato wird nun umstrukturiert.
Die Ankündigung verlief nahezu geräuschlos, soll aber kurz vor einem der wichtigsten sicherheitsstrategischen Treffen des Jahres einen Pfeiler der Glaubwürdigkeit setzen. Wenige Tage vor Beginn der Münchner Sicherheitskonferenz leiten die USA ihre Forderungen nach mehr Eigenverantwortung der Europäer in Sachen Sicherheit in die Wege. Mehr als einmal hatte US-Präsident Donald Trump lautstark verkündet, das von den USA dominierte Militärbündnis müsse zu einer Art „europäisch geführter Nato“ werden. Auch Vorgängerregierungen, wie etwa unter Barack Obama, hatten ähnliches, aber in deutlich sanfterem Ton geäußert. Nun wurden konkrete Schritte öffentlich.
Bereits Ende vergangener Woche haben sich die Mitglieder des Bündnisses auf eine Neusortierung der Kommandostruktur und Änderungen bei der Postenbesetzung geeinigt. Konkret heißt das, dass Großbritannien von den USA das Kommando über das sogenannte Joint Force Command in Norfolk im US-Bundesstaat Virginia übernimmt, Italien bekommt von den USA das Kommando über das Joint Force Command in Neapel. Hinzu kommt: Deutschland und Polen werden sich beim Kommando über das Joint Force Command Brunssum in den Niederlanden abwechseln.
Mit dieser Rochade erhalten die Europäer deutlich mehr Gewicht und Verantwortung. Die USA bleiben aber weiterhin ein relevanter Akteur bei militärischen Einsätzen und sollen wichtige Kommandos der Luftwaffe (Ramstein in Rheinland-Pfalz) und der Landstreitkräfte in der Türkei weiterhin leiten. Neu dazu kommt das Seestreitkräftekommando in Northwood in Großbritannien. Schrittweise werden diese Änderungen in den kommenden Jahren umgesetzt.
Mehr Führungsjobs für Europa
Die Vereinbarung sei ein Schritt hin zu einer faireren Lastenverteilung innerhalb der Nato, hieß es in einer Mitteilung des Militärbündnisses. Das bedeutet auch mehr Führungsjobs für die europäischen Länder innerhalb des Militärbündnisses. Zugleich stellen die USA aber auch künftig den Posten des Oberbefehlshabers der Streitkräfte in Europa.
In rund zwei Wochen jährt sich der russische Angriffskrieg in der Ukraine zum vierten Mal. Angesichts der neuen Bedrohungslage hatten etliche europäischen Staaten ihre Verteidigungshaushalte deutlich erhöht. Ein Marker ist das Fünf-Prozent-Ziel der Nato für Militärausgaben.
Laut Medienberichten dürfte Deutschland von den neuen Strukturen wohl mit am meisten profitieren. Zum Zuge kommen neben Drei- und Vier-Sterne-Generälen in den jeweiligen Kommandos auch andere Generalposten.
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