Neue ESC-Regeln : Unfair und doch verständlich
Für Israel ist es bitter. Solange das Land in Kriege verwickelt ist, wird es keinen ESC ausrichten dürfen. Zumindest die Teilnahme ist gesichert.
I sraelische Freunde und Freundinnen wird es nicht freuen, dass die European Broadcasting Union (EBU), das Netzwerk öffentlich-rechtlicher Medienanstalten, eine Regel für den Eurovision Song Contest, verändert hat. Und zwar eine, die wesentlich aktuell mit Israel zu tun hat. Schon im kommenden Jahr im bulgarischen Burgas mit dem Grand Final am 15. Mai, gilt nicht mehr, dass ein Sender des Siegerlandes automatisch das Recht auf die in jeder auch ökonomisch kostspieligen Hinsicht prestigeträchtige Austragung des nächstjährigen ESC hat.
Israels KünstlerInnen sind in den vergangenen Jahren stets nur knapp an einem Sieg vorbeigeschlittert. Dieses Jahr in Wien landete der Sänger Noam Bettan auf dem zweiten Platz, genau wie im Vorjahr Yuval Raphael. Für die EBU wäre ein israelischer Sieg ein Alptraum: Schon in diesem Jahr hatten sechs ESC-Länder auf die Teilnahme in Wien verzichtet. Zu stark war der antizionistische Druck in ihren Ländern, Israels Teilnahme am ESC überhaupt für akzeptabel zu halten.
Im kommenden Jahr wäre gerade die lobbyierende Arbeit gegen das nahöstliche Land erwartbar noch größer geworden – zumal Israels wenig regierungsnaher Sender Kan kaum auf eine exzellente künstlerische Darbietung verzichtet hätte, um einen Sieg beim ESC gar nicht erst zu riskieren.
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Der Beschluss der EBU ist kein echtes Novum: 2022, nachdem die ukrainische Band Kalush Orchestra in Turin den ESC-Sieg gewiss auch eurovisionärer Solidarität nach dem Beginn der russischen Vollinvasion in die Ukraine zu verdanken hatte, vergab die EBU die Ausrichtung des Song Contests an das Land, das den zweiten Platz belegte, Großbritannien. Ein ESC in Kyjiw wurde wegen der rund um die Uhr akuten Bombardierungsbedrohung durch Russlands Militär zu Recht als zu gefährlich eingeschätzt.
Die Regeländerung kommt einer Kränkung der israelischen Pop-Szene gleich, zumal nach dem 7. Oktober 2023. Aber er ist ein Kompromiss, denn vom Tisch ist damit auch ein Ausschluss Israels vom ESC selbst. Die deutsche ARD hat, gewiss dazu motiviert vom Kanzleramt und seinen Kulturverantwortlichen, gut so, schon vor einem halben Jahr erklärt: Ein ESC, der Israel ausschließt, ist einer ohne Deutschland. Das wiederum musste die EBU verhindern. Unschön, ungerecht, aber verstehbar im Sinne des ESC und seiner Erfolgsgeschichte selbst.
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