Nachruf auf Alfons Pawelczyk: Der harte Hund der Hamburger SPD ist tot
Als Hamburgs Innensenator fuhr Alfons Pawelczyk einen harten Law-and-Order-Kurs und wollte die Hafenstraße räumen. Es kam anders. Nun ist er gestorben.
Foto: Herrmann/dpa
„Die SPD-Kreisdelegiertenversammlung“, so witzelte einst ein intimer Kenner der Hamburger SPD, „könnte der Kreisvorsitzende Alfons Pawelczyk gleich in seiner Innenbehörde am Johanniswall 4 abhalten“. Wahrer Kern: Der Anführer des mächtigen rechten SPD-Kreises Wandsbek hatte ein Gutteil seiner Freunde in der Innenbehörde untergebracht. Jetzt ist Pawelczyk im Alter von 93 Jahren gestorben.
Wer die Politik der 1980er-Jahre in Hamburg verstehen will, kommt am SPD-Kreis Wandsbek nicht vorbei. Er stellte damals nicht nur die größte Delegiertenzahl bei SPD-Landesparteitagen. In engem Schulterschluss mit den Kreisen Mitte und Harburg bestimmte er auch den Kurs der Hamburger SPD und den des Ersten Bürgermeisters.
Den Wandsbekern reichte die Rolle als Strippenzieher: Kontrolliert durch den Fraktionsvorsitzenden Henning Voscherau (Wandsbek) und den Haushaltsausschussvorsitzenden Gerd Gustav Weiland (Wandsbek) durfte der Erste Bürgermeister – bis 1996 noch ohne Richtlinienkompetenz – lediglich als Politgigolo auftreten.
Das jedoch barg Risiken: Der Harburger Nachwuchstechnokrat Hans-Ulrich Klose, 1978 mit Wandsbeks Segen zum Bürgermeister avanciert, entpuppte sich im Amt als eigenständiger Denker mit Kritik an Atomkraftwerken und Flächensanierung. Klose wurde aus dem Amt gedrängt und Klaus von Dohnanyi geholt, den Voscherau anschließend an die ganz kurze politische Leine legte.
Karrierist mit Law-and-Order-Überzeugungen
Alfons Pawelczyk, 1933 in Pommern geboren, machte ab 1961 in der Hamburger SPD schnell Karriere. Zunächst als Bundestagsabgeordneter, dann ab 1980 als Innensenator. Seine Law-and-Order-Überzeugungen, die ihm auch als CSU-Minister gut gestanden hätten, zeigten mit Abschieberekorden, der Räumung besetzter Häuser – von ihm stammt der Satz „Ich dulde keine Besetzung über 24 Stunden hinaus“ – sowie der systematischen Verfolgung jugendlicher Intensivtäter praktische Wirkung.
Foto: Heribert Bode/Bilddatenbank Deutscher Bundestag
Doch dann kam im November 1986 plötzlich unerwarteter Widerstand: Während Fraktionschef Voscherau das Ende aller Gespräche mit den Besetzern der Hamburger Hafenstraße verkündete und Pawelczyk rund 6.000 Bereitschaftspolizisten sowie die Anti-Terror-Einheit GSG 9 in Hamburg zusammenzog, holte ein Hubschrauber der Patriotischen Gesellschaft und der GAL Dohnanyi vom Strandurlaub nach Hamburg.
In einer dramatischen Senatssitzung lässt sich Dohnanyi am 14. November 1986 vom damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker (CDU) anrufen, der der Runde dringend empfiehlt, von einer Räumung der besetzten Hafenstraße abzusehen.
Es kommt zum Deal: Dohnanyi, die SPD-Linke und der Koalitionspartner FDP stoppen die Räumung. Noch in der Nacht ruft Dohnanyis Sprecher in der taz an, bittet darum, der Hafenstraße zu übermitteln, dass es dem Senat Ernst sei mit einer friedlichen Lösung.
Die Hafensträßler bauen ihre Barrikaden ab, das „Wunder von Hamburg“ nimmt Gestalt an. Zwei Jahre später bezahlt Dohnanyi den mit ihm vereinbarten Preis: Er tritt 1988 zurück und teilt dies Voscherau per Anruf mit: „Henning, nun spring du!“ Auch Alfons Pawelczyk tritt zurück.
Mentor von Olaf Scholz
Als Strippenzieher bleibt er jedoch weiter im Amt: von 1991 bis 1999 in Bonn als Lobbyist von Daimler Chrysler, aber auch in der Hamburger Politik. Er fördert seinen einstigen politischen Gegner Olaf Scholz als Mentor. „Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu Alfons Pawelczyk“, sagte Scholz über ihn.
Und auch ein zwielichtiger Hamburger Bankier ist guter Dinge. Christian Olearius, Chef der Warburg-Bank, notiert 2016/2017 in sein Tagebuch einen „Dank an Alfons Pawelczyk“. Der hatte drei Treffen zwischen Warburg-Vorständen und Olaf Scholz arrangiert, aller Wahrscheinlichkeit nach in Sachen Cum-Ex-Deals.
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