Nachrichten zur Coronakrise: „Massive fünfte Welle“

Gesundheitsminister Karl Lauterbach rechnet wegen Omikron mit einer fünften Welle. Die Zahl der Coronatoten steigt nicht weiter an. Biden warnt Ungeimpfte.

Blick durch ein Fenster in eine Intensivstation

Weiter stark ausgelastet: Blick in eine Intensivstation Foto: dap

Lauterbach rechnet mit „massiver fünften Welle“

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach äußert sich besorgt über den weiteren Verlauf der Pandemie in Deutschland. Mit Blick auf die neue Coronavirus-Variante Omikron sagte der SPD-Politiker am Freitag in Hannover, er gehe von einer „massiven fünften Welle aus“. Er sei mit Kollegen in Großbritannien in Kontakt, und deren Berichte seien besorgniserregend. „Das heißt, wir müssen uns hier tatsächlich auf eine Herausforderung einstellen, die wir in dieser Form noch nicht gehabt haben“, sagte der SPD-Politiker bei einem Besuch der niedersächsischen Landesregierung. Diese Welle könne auch nicht mehr verhindert werden. Einzig die Booster-Impfung verspreche Linderung.

Kritisch äußerte sich der Minister über ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Niedersachsen, das die 2G-Regelung im Einzelhandel am Donnerstag gekippt hatte. Die Entscheidung habe ihn überrascht. Er betreibe keine Kritik an Gerichten, „das verbietet sich natürlich“, sagte Lauterbach. „Aber trotzdem möchte ich darauf hinweisen, dass es weder epidemiologisch noch gesundheitspolitisch Sinn macht, eine solche Regel jetzt zu kippen, insbesondere in Anbetracht der vor uns stehenden Omikron-Welle.“ (reuters)

Totenzahl stagniert auf hohem Niveau

Die Corona-Zahlen vom Freitag enthalten eine gute Nachricht. Das zeigt ein Zahlenanalyse der taz. Der vom Robert-Koch-Institut registrierte Tageswert von 437 Coronatoten ist natürlich viel zu hoch, aber der 7-Tage-Mittelwert sinkt dadurch leicht von 384,3 auf 377,6.

Wichtiger noch: was sich am Donnerstag schon leicht abzeichnete, hat sich bestätigt. Nachdem die Neuinfektionen vor zwei Wochen auf einem Hochplateau stagnierten, bevor sie sanken, hat jetzt auch die Kurve der Todesfälle offenbar ein Hochplateau erreicht. Der 7-Tage-Mittelwert pendelt schon am fünften Tag in Folge rund um die Marke von 380 Toten pro Tag. Zuvor war die Kurve seit Anfang November kontinuierlich gestiegen, phasenweise um 30 bsi 40 Prozent pro Woche.

Besonders gut erkennt man den jetzt erreichten Stillstand, wenn man die um 12 Tage verschobene Kurve der Corona-Toten mit der der Neuinfektion vergleicht. Hier sieht man nicht nur, dass das Hochplateau mit etwas Verspätung nun bei den Todesfällen angekommen ist. Es wird zudem Dank des Boostereffekts weiter weniger gestorben als noch Mitte November erwartet wurde.

Da die Kurve der Todesfälle der der Neuinfektionen mit ungefähr zwei Wochen Abstand folgt, ist sogar anzunehmen, dass die Zahl der Coronatoten in der Woche vor Weihnachten leicht sinken wird.

Trotz dieser positiven Entwicklungen darf man nicht vergessen: alle Zahlen sind weiterhin auf einem viel zu hohen Level. Und die drohende Omikron-Welle dürfte bald zu einer neuen Zunahme und damit Be- und Überlastung des Gesundheitssystems führen.

Das RKI ist alles andere als optimistisch. In seinem jüngsten Wochenbericht fordert es dringend weniger Kontakte und mehr Impfungen. (taz)

Niedersachsen: Mehr als 3.000 Coronaverstöße in Bus und Bahn an einem einzigen Tag

Bei Kontrollen in Bussen und Bahnen sind in Niedersachsen mehr als 3.000 Verstöße gegen Corona-Regeln festgestellt worden. Das teilte das Innenministerium am Freitag in Hannover mit. Bei den großangelegten Kontrollen am Donnerstag wurden demnach rund rund 21.000 Menschen überprüft. Etwa 1.000 Polizisten waren im Bundesland im Einsatz und arbeiteten gemeinsam mit den Ordnungsbehörden und Verkehrsunternehmen vor allem im Nahverkehr. Die Kontrollen dauerten laut Ministerium sieben Stunden – drei Stunden am Morgen und vier am Nachmittag bis in den Abend hinein.

Tanja Wulff-Bruhn, Referatsleiterin im Landespolizeipräsidium im Innenministerium, sagte, dass es rund 150 Verstöße gegen die 3G-Regel gegeben habe. Rund 3.000 Verstöße gab es zudem gegen die Maskenpflicht, zum großen Teil, weil eine OP-, statt einer FFP2-Maske getragen wurde. Ein Großteil der Menschen müsse nun mit Strafen wegen Ordnungswidrigkeiten rechnen. Zwei Strafverfahren wurden wegen des Verdachts der Urkundenfälschung im Zusammenhang mit Impfnachweisen eingeleitet.

Im Vergleich zu den Zügen wurden in Bussen deutlich mehr Verstöße festgestellt, hieß es in der Mitteilung des Innenministeriums. In mehreren Bereichen sei beobachtet worden, dass insbesondere Schülerinnen und Schüler der Tragepflicht in vorbildlicher Weise nachgekommen seien. (dpa)

Biden: Ungeimpften droht im Winter schwere Krankheit und Tod

Angesichts der beginnenden Ausbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus in den USA hat Präsident Joe Biden Ungeimpfte vor einem „Winter schwerer Krankheitsverläufe und Todesfälle“ gewarnt. Ungeimpfte brächten sich selbst und ihre Familien in Gefahr und drohten die Krankenhäuser an Kapazitätsgrenzen zu bringen, sagte Biden am Donnerstag im Weißen Haus. Omikron breite sich in den USA bereits aus. Der beste Schutz gegen die neue Variante sei die vollständige Impfung und ein Booster, sagte Biden.

Der Präsident warnte, Omikron werde sich schon ab Januar „viel schneller“ in den USA verbreiten. „Aber es gibt gute Nachrichten: Wenn Sie geimpft sind und Ihren Booster bekommen haben, sind Sie gegen schwere Krankheitsverläufe und Tod geschützt“, sagte Biden.

Die Zahl der Neuinfektionen ist in den USA zuletzt wieder deutlich angestiegen. Die US-Gesundheitsbehörde CDC meldet derzeit im Schnitt pro Tag rund 120 000 Neuinfektionen. Bislang ist die Delta-Variante noch für mehr als 90 Prozent der Infektionen verantwortlich. In einigen Landesteilen, vor allem im Nordosten der USA, ist aber bereits ein rascher Anstieg der Omikron-Fälle zu verzeichnen.

Dem CDC zufolge sterben in dem Land mit rund 330 Millionen Einwohnern derzeit jeden Tag rund 1100 Menschen im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion. (dpa)

Südafrika spendet afrikanischen Ländern zwei Millionen J&J-Impfdosen

Südafrika will anderen afrikanischen Ländern rund zwei Millionen Impfdosen des US-Herstellers Johnson & Johnson spenden. Die Maßnahme sei ein Zeichen der Solidarität im gemeinsamen Kampf gegen die beispiellose Bedrohung der Gesundheit und der wirtschaftlichen Entwicklung auf dem Kontinent, erklärt die Regierung. Die Impfdosen sollen nun so schnell wie möglich an die ärmsten Länder verteilt werden, kündigt die Afrikanische Union an.

US-Präsindet Biden mit Weihnachtsdeko

Frohe Botschaft: Us-Präsident Joe Biden im Weißen Haus Foto: dpa

In Südafrika sind rund 38 Prozent aller Erwachsenen geimpft. Das ist deutlich mehr als in vielen anderen afrikanischen Ländern, aber weit von Südafrikas Ziel bis Jahresende entfernt. Zuletzt verlangsamte sich die Immunisierungskampagne, es kam zu einem Überangebot an Impfdosen. (reuters)

RKI: Fallzahlen sinken nicht schnell genug

Der positive Trend bei den Fallzahlen hält an – aber ein Grund zur Entspannung ist das nicht. Fachleute befürchten, dass die Entlastung in den Kliniken nicht ankommen wird, bevor die Omikron-Welle kommt.

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen sinkt im Hinblick auf die hohe Belastung der Intensivstationen und die bevorstehende Omikron-Welle nicht stark und nicht schnell genug. Das schreibt das Robert Koch-Institut (RKI) in seinem Wochenbericht am Donnerstag. Alle Maßnahmen – etwa die Reduktion von Kontakten, das Tragen von Masken oder das Einhalten der Hygieneregeln – müssten aus diesem Grund aufrechterhalten oder sogar intensiviert werden.

Die Sieben-Tage-Inzidenz sei im Vergleich zur Vorwoche in allen Altersgruppen gesunken. Nur bei den 0- bis 4-Jährigen stagniere sie. Die höchsten Sieben-Tage-Inzidenzen werden weiterhin in den jüngeren Altersgruppen verzeichnet: Bei den 10- bis 14-Jährigen lag sie bei 905, bei den 5- bis 9-Jährigen bei 888. Schüler werden jedoch auch besonders häufig getestet.

Auch die Belastung der Krankenhäuser und Intensivstationen bleibe hoch. Die meisten Klinikeinweisungen gebe es in den Altersgruppen über 60 Jahren. Berechnungen deuten laut RKI darauf hin, dass sich die Hospitalisierungsrate auf hohem Niveau stabilisiere. 4.805 Covid-19-Patienten würden momentan (Stand: 15. Dezember) auf einer Intensivstation behandelt. Mindestens 102 sind laut RKI nach dem sogenannten Kleeblatt-Konzept über Bundeslandgrenzen hinaus verlegt worden.

Bezogen auf die Gesamtzahl der Infektion spielt die Omikron-Variante in Deutschland noch kaum eine Rolle: Praktisch alle Infektionen würden zum jetzigen Zeitpunkt noch von der Delta-Variante verursacht, schreibt das RKI.

Für 237 Omikron-Infektionen gebe es Informationen zu den Symptomen. Die Infektionen verliefen demnach überwiegend ohne oder mit milden Symptomen wie Schnupfen, Husten und Halsschmerzen. Todesfälle wurden bisher nicht registriert.

Um die Ausbreitung der Variante zu verlangsamen, hatte der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, am Donnerstag dazu aufgerufen, Weihnachten nur im kleinsten Kreis zu feiern. „Wir alle möchten ja die Feiertage mit Familie und Freunden verbringen, aber wir alle müssen auch gemeinsam dafür sorgen, dass Weihnachten nicht zu einem Kickstart für Omikron wird“, sagte er in Berlin. Er bat die Bürger „eindringlich“, die Feiertage so zu verbringen, dass sie „nicht für das Virus ein Fest“ würden.

Um auch die Kliniken vor der erwarteten Omikron-Welle zu entlasten, sei außer der Intensivierung der kontaktbeschränkenden Maßnahmen eine rasche Erhöhung der Impfquote dringend erforderlich, heißt es im RKI-Bericht weiter. 24 Prozent der 18- bis 59-Jährigen und 12 Prozent der über 60-Jährigen seien nach wie vor ungeimpft.

Das Tempo der Impfungen hatte zuletzt deutlich angezogen. In der vergangenen Woche hat es laut RKI mit über 6,6 Millionen Impfungen einen Höchstwert bei den Impfungen gegeben. In dieser Woche gab es am Mittwoch mit fast 1,5 Millionen Impfungen eine Tagesrekord seit Beginn der Impfkampagne. Der Großteil davon waren Auffrischungsimpfungen (fast 1,3 Millionen). (dpa)

Früher Moderna, besser mit Booster

Einen drohenden Impfstoff-Mangel will Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) mit beschleunigten Lieferungen vermeiden. So sollen 35 Millionen Dosen des Moderna-Impfstoffes früher geliefert werden als ursprünglich geplant, davon 10 Millionen noch im Dezember, sagte er am Donnerstag in Berlin. Zudem gebe es Verhandlungen mit Rumänien, Bulgarien, Portugal und Polen über eine kurzfristige Übernahmen dort nicht benötigter Dosen. Die Bundesregierung hatte bereits angekündigt, zusätzliche 80 Millionen Dosen von Biontech über EU-Verträge zu kaufen.

Wie gut die Impfungen gegen die Omikron-Variante schützen, ist nach wie vor ungewiss. Am Donnerstag hatten Forscher berichtet, dass zwei Impfungen mit dem Produkt des US-Hersteller Moderna weniger gut gegen Omikron schützen als gegen bestimmte frühere Varianten. Demnach hatten Geimpfte vier Wochen nach der zweiten Dosis wesentlich weniger Antikörper gegen diese Variante im Blut als gegen andere getestete. Auch die Pharma-Unternehmen Biontech und Pfizer hatten bereits von einem nachlassenden Schutz gegenüber Omikron berichtet. Eine Booster-Impfung ließ die Zahl der schützenden Antikörper in beiden Fällen ansteigen. (dpa)

Grünen-Experte bringt Impfpflicht für Beamtengruppen ins Gespräch

Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen hat eine Corona-Impfpflicht für Beamtengruppen wie Lehrerschaft, Polizei und Feuerwehr ins Gespräch gebracht. „Was für das Gesundheitspersonal schon beschlossen wurde, kann grundsätzlich auch für Beamte mit Verantwortung für andere Menschen richtig sein“, sagte der Bundestagsabgeordnete der Rheinischen Post (Freitag). „Polizisten, Lehrerinnen oder Feuerwehrleute können berufsbedingt oftmals keinen Schutzabstand halten und haben deshalb eine Verantwortung zum Schutz anderer Menschen.“ Zu dieser besonderen Schutzverantwortung gehöre „dort wo möglich auch der Eigen- und Fremdschutz durch eine Impfung“.

Bereits beschlossen ist, dass Beschäftigte in Einrichtungen mit besonders schutzbedürftigen Menschen wie Pflegeheimen und Kliniken bis Mitte März 2022 nachweisen müssen, dass sie geimpft oder genesen sind. Über eine allgemeine Impfpflicht soll der Bundestag erst noch in freier Abstimmung ohne Fraktionsdisziplin entscheiden.

Der CDU-Politiker Friedrich Merz äußerte sich ablehnend zu einer allgemeinen Impfpflicht. „Wir sollten erst klären, ob es einfachere, bessere, verhältnismäßigere Mittel gibt, um eine wesentlich höhere Impfquote zu bekommen“, sagte Merz den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Ich empfehle der Union, diese Frage nicht voreilig zu beantworten.“ Merz lehnte es auch ab, sich einem fraktionsübergreifenden Gruppenantrag zur Impfpflicht im Bundestag anzuschließen. Dies sei ein Trick der Ampel-Regierung, um zu verschleiern, dass sie selbst keine eigene Mehrheit habe. (dpa)

Gericht kippt 2G-Regel im niedersächsischen Einzelhandel

Das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht hat die erst seit kurzem geltende 2G-Regel im Einzelhandel in Niedersachsen gekippt. Die Maßnahme sei zur weiteren Eindämmung des Coronavirus nicht notwendig und auch nicht mit dem allgemeinen Gleichheitsgrundsatz vereinbar, entschied das Gericht am Donnerstag laut Mitteilung.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) begrüßte die Entscheidung. „Das Urteil in Niedersachsen macht deutlich, dass die 2G-Regelung für weite Teile des Einzelhandels kein juristischer Selbstläufer ist“, sagte der HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth der Deutschen Presse-Agentur. Zwar bleibe abzuwarten, wie die Gerichte in anderen Bundesländern urteilten. Doch sei die Rechtmäßigkeit der 2G-Beschränkungen im Einzelhandel nun zumindest fraglich. „Dies sollten nun auch die anderen Landesregierungen berücksichtigen, ungerechtfertigte Belastungen des Einzelhandels vermeiden und nicht abwarten, bis ihre Verordnungen von den Gerichten wieder kassiert werden“. (dpa)

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