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Nach der Messerattacke in ReutlingenImmer auf die Kleinen

Im Namen des AfD-Kreisverbandes Reutlingen wurde ein rassistischer Tweet versendet – zur Verantwortung gezogen wurde ein Praktikant. Klar.

Nachdem am vergangenen Sonntag in Reutlingen ein Mann vernommen wurde, der in Verdacht steht, mit einem Dönermesser eine Arbeitskollegin getötet zu haben, reagierte der örtliche AfD-Kreisverband mit einem äußerst fragwürdigen Tweet: „Wären wir an der Macht, wäre dies nicht passiert #Reutlingen#Terroranschlag#machete“. Der Kommentar sorgte augenblicklich für einen Shitstorm. Der Tweet wurde jedoch vonseiten der Menschen hinter dem Twitter-Account verteidigt und noch zusätzlich mit menschenfeindlichen, rassistischen Äußerungen untermauert: „Wir wollen, dass Deutschland wieder funktioniert“, hieß es dort, oder „Es ist ein Moslem gewesen, von daher ist der Hintergrund klar“.

Aufseiten des AfD-Kreisverbandes wurde zunächst ein PRAKTIKANT für die Posts verantwortlich gemacht. Der ­Account wurde geschlossen, für die Äußerungen entschuldigte man sich. Ganz so einfach scheint die Geschichte jedoch nicht zu sein, denn kurz darauf wurde auf der Facebook-Seite des Kreisverbandes vermeldet, dass Letzterer überhaupt keinen Twitter-Account besäße, hier also ein Faker am Werk gewesen sei.

Egal, wie sich die Geschichte klären wird, bestehen bleibt die Tatsache, dass zuallererst ein (angeblicher) Praktikant für das Geschehene zur Verantwortung gezogen wurde. PraktikantInnen müssen nicht nur in Partei-Kreisverbänden als Sündenböcke herhalten. Auch als Praktikantin einer Zeitung wie der taz hat man es oft nicht leicht: Hochmotiviert und gewillt, in einer kurzen Zeit eine möglichst große Menge journalistischer Erfahrungen zu sammeln, nimmt man oft bereitwillig diverse Termine wahr. So kann es passieren, dass man sich als Teil merkwürdiger künstlerischer Experimente wiederfindet, sich schwimmend durch die Spree quält oder sich mit komplizierten Menschen auseinandersetzen muss.

Doch das entgegengebrachte Vertrauen ermöglicht auch Freiheiten. So wie der (vermeintliche) Praktikant des AfD-Kreisverbandes die ganze Partei in eine öffentliche Debatte ziehen konnte, könnten auch wir PraktikantInnen die taz ganz schön in Verruf bringen. Wir könnten Rufmordkampagnen oder Verschwörungstheorien anzetteln. Wir könnten im Namen der taz illegale Aktionen starten oder auf sämtlichen Kanälen die politische Kehrtwende der Zeitung verkünden.

Aber wir tun es nicht.

Weil uns die Arbeit vor allem Spaß macht. Weil wir uns unsere Karriere nicht versauen wollen. Vor allem aber deshalb, weil die taz uns nicht als Trottel für alles vorschiebt, wenn mal etwas schiefläuft.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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7 Kommentare

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  • Andreas Hergefeld

    Als Taz Praktikant muss man auf Anweisung ins Wasser springen, mit Verrückten reden und das Versuchskaninchen für Künstler spielen?

     

    Klingt wie die Aufnahme Rituale Amerikanischer Studentenverbindungen.

     

    Wenn ihr diese Anwärterzeit hinter euch habt, wird dann wenigstens genauso gefeiert wie man das aus Amerikanischen Filmen kennt?

  • Spitzbube

    PraktikantInnen können ganz schön Schaden anrichten. Siehe Clinton. Bill, nicht Hillary.

    • Madita

      @Spitzbube:

      Wieso überhaupt Hillary?

  • Mitch Miller

    Yo!

    Es ist klar, dass man mit der müden Masche jeden Mist verzapfen kann...leider kommt es anscheinend auch nicht zur Anzeige, so dass Nachforschungen ergeben könnten, dass gar kein Praktikant zugegen war.

    Wär das von links gekommen, stünden jetzt vermutlich 500 Polizisten in der Redaktion.

    • Berliner Berlin

      @Mitch Miller:

      Na dann erstatten Sie doch Anzeige. WerWieWas hintert Sie denn?

  • Soungoula

    Bei der AfD übt eben auch der Parteinachwuchs schon früh, wie man ganz gezielt auf der Maus ausrutscht...

    • Christian

      @Soungoula:

      Schön :)