Nach Vergiftung: Nawalny fordert Kreml-Sanktionen
Gegen Profiteure des russischen Regimes brauche es harte Maßnahmen. Alexei Nawalny kritisiert auch Gerhard Schröder und will den Stopp von Nord Stream 2.
Foto: Andrew Lubimov/ap/dpa
rtr | Der vergiftete Kremlkritiker Alexei Nawalny hat die Bundesregierung und die Europäische Union aufgefordert, hart gegen kremlnahe Oligarchen, Politiker und Unternehmen vorzugehen. „Sanktionen gegen das ganze Land funktionieren nicht. Das Wichtigste ist, Einreisesperren gegen Profiteure des Regimes zu erlassen und ihr Vermögen einzufrieren“, sagte Nawalny der Zeitung Bild (Mittwochsausgabe). „Sie veruntreuen Geld, stehlen Milliarden und am Wochenende fliegen sie nach Berlin oder London, kaufen teure Wohnungen und sitzen in Cafés.“
Der russische Oppositionspolitiker forderte einen Baustopp der Gaspipeline Nord Stream 2 sowie das Einfrieren von Vermögenswerten und Reiseverbote gegen Einzelpersonen wie den Chefdirigenten der Münchner Philharmoniker Waleri Gergijew. Gergijew ist ein Unterstützer des autoritären russischen Präsidenten Wladimir Putin und warb für dessen Wiederwahl.
„Wenn er das Regime so liebt und will, dass Russland nicht den europäischen Weg geht, dann muss man ihm sagen: Sie sind ein sehr talentierter Musiker, aber wir lassen sie nicht länger in die EU einreisen. Sie können Putins Regime in Russland genießen“, erklärte Nawalny. Alternativ könne Gergijew seine öffentliche Unterstützung für Putin aufgeben.
Er kritisierte auch den ehemaligen deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder für dessen Äußerungen, dass es noch keine „gesicherten Fakten“ zum Giftanschlag gebe. Weiter sagte Nawalny: „Er ist immerhin der ehemalige Kanzler des mächtigsten Landes in Europa. Jetzt ist Schröder ein Laufbursche Putins, der Mörder beschützt.“ Gerhard Schröder ist Chef des Verwaltungsrats von Nord Stream 2 sowie Vorsitzender des Aktionärsauschusses von Nord Stream. Zusätzlich ist Schröder Aufsichtsratschef des staatlichen russischen Öl-Riesen Rosneft.
Nawalny glaubt nicht an russische Aufklärung
Nawalny selbst glaubt nicht an eine Aufklärung seines Falls durch Russland: Es gebe nicht mal den Versuch, es so aussehen zu lassen, als würde man ermitteln. „Bislang gibt es überhaupt keine Untersuchung in Russland“, sagte der russische Politiker dem Blatt.
Der Kremlkritiker war am 20. August auf einem russischen Inlandsflug zusammengebrochen und nach einer Notlandung zunächst im sibirischen Omsk behandelt worden. Am 22. August wurde er zur Behandlung in der Berliner Charité nach Deutschland ausgeflogen. Die Bundesregierung erklärte nach Tests in einem Speziallabor der Bundeswehr, Nawalny sei mit einem Nervengift aus der Nowitschok-Gruppe vergiftet worden. Zahlreiche Politiker in Deutschland hatten Russland aufgefordert, den Giftanschlag auf Nawalny aufzuklären. Bislang zeigte sich der Kreml abweisend.
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