Mutmaßlicher Spion festgenommen: Iran plante wohl Anschläge auf jüdische Ziele in Deutschland
In Dänemark wurde ein Mann festgenommen, der im Auftrag Irans jüdische Ziele in Deutschland ausgekundschaftet haben soll. Die Ermittler vermuten Anschlagspläne.
Die iranische Revolutionsgarde hat offenbar gezielt jüdische Einrichtungen und Personen in Deutschland ausgespäht, mutmaßlich als Vorbereitung für Anschläge. In diesem Zusammenhang wurde letzten Donnerstag der dänische Staatsbürger Ali S. in Aarhus festgenommen. Das teilte der deutsche Generalbundesanwalt am Dienstag mit. Im Auftrag des Irans soll der 53-Jährige in den letzten Wochen mehrere jüdische Orte in Berlin ausgekundschaftet haben.
Laut Generalbundesanwalt diente dies „mutmaßlich der Vorbereitung weiterer geheimdienstlicher Operationen in Deutschland, möglicherweise bis hin zu Anschlägen gegen jüdische Ziele“. Der juristische Vorwurf im Haftbefehl lautet „nachrichtendienstliche Agententätigkeit“.
Nach taz-Informationen geht es um über zehn verschiedene Objekte in Deutschland, die S. ausgespäht haben soll, darunter etwa die Deutsch-Israelische Gesellschaft, aber auch einzelne Geschäfte, etwa ein koscherer Supermarkt. Die jeweiligen Inhaber*innen seien von den Behörden informiert und die Sicherheitsvorkehrungen erhöht worden.
Auftraggeber sollen die Quds-Brigaden sein, ein Teil der Revolutionsgarde im Iran. Die Organisation ist mit Einsätzen außerhalb des Irans beauftragt und soll die islamistische und antisemitische Ideologie des iranischen Regimes verbreiten. Ihre Kämpfer waren etwa in Syrien und im Libanon im Einsatz. Von den USA werden die Brigaden als Terrororganisation eingestuft, auf der EU-Terrorliste stehen sie nicht.
Lange Geschichte iranischer Anschläge
Offenbar stammen die Erkenntnisse über den Festgenommenen vom Bundesamt für Verfassungsschutz. Der Mann befindet sich derzeit noch in Dänemark und soll nach der Auslieferung nach Deutschland einem Ermittlungsrichter vorgeführt werden.
Zahlreiche deutsche Politiker*innen äußerten am Dienstag Entsetzen über die aufgeflogenen Pläne. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig sagte: „Wenn sich dieser Verdacht bestätigt, dann haben wir es mit einem ungeheuerlichen Vorgang zu tun.“ Der Schutz jüdischen Lebens habe für die Bundesregierung „höchste Priorität“. Die Bundesregierung habe „die Verantwortung, unseren jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern zur Seite zu stehen – gegen Bedrohungen von innen und von außen“.
Die Berichterstatterin der Grünen für den Kampf gegen Antisemitismus, Marlene Schönberger, nannte die Enthüllung „erschütternd – aber leider nicht überraschend“. Der „antisemitische Vernichtungswille des iranischen Staates“ mache „an keiner Grenze halt“. Es brauche nun „mehr Sicherheitspersonal für jüdische Einrichtungen, eine stärkere finanzielle Beteiligung des Bundes und klare koordinierte Schutzkonzepte“.
Die Anschlagspläne stehen vermutlich im Zusammenhang mit dem jüngsten Krieg zwischen Iran und Israel. Nach dem Angriff der israelischen Luftwaffe auf die iranischen Atomanlagen und Regierungseinrichtungen hatten die deutschen Behörden die Sicherheitsvorkehrungen für jüdische Einrichtungen hochgefahren.
Schon in der Vergangenheit hatte die iranische Führung die Feindschaft mit Israel zum Anlass genommen, unbeteiligte Juden*Jüdinnen in anderen Ländern zu attackieren. So veranlasste die Teheraner Führung höchstwahrscheinlich den Bombenanschlag auf ein jüdisches Gemeindezentrum im argentinischen Buenos Aires 1994. Damals starben 85 Menschen, Hunderte weitere wurden verletzt.
Aktualisiert und ergänzt am 01.07.2025 um 15:25 Uhr. d. R.
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