Menschenrechte in Iran: Mehr als 6.000 Festnahmen seit Kriegsbeginn
Amnesty International beklagt harte Repressionen im Schatten des Irankriegs. Drei Monate war das Land fast vollständig vom Internet abgeschnitten.
dpa/afp | In Iran sind seit Kriegsbeginn vor drei Monaten Menschenrechtlern zufolge mehr als 6.000 Menschen festgenommen worden. Unter den Inhaftierten seien auch Demonstranten, Medienschaffende, Anwälte, Dissidenten und Angehörige ethnischer Minderheiten, hieß es in einem Bericht von Amnesty International. Im selben Zeitraum seien außerdem 39 „politische“ Todesurteile vollstreckt worden.
Um ihre Macht zu sichern, haben die Behörden einen umfassenden Angriff auf die Menschen in Iran gestartet und gehen gegen jeden vor, der es wagt, die Islamische Republik zu kritisieren, sagte Amnesty-Expertin Erika Guevara Rosas laut der Mitteilung. Ohnehin leide die Bevölkerung unter den „verheerenden Folgen der rechtswidrigen Luftangriffe durch US-amerikanische und israelische Streitkräfte“.
Amnesty kritisierte auch die nahezu totale Internetsperre, die Irans Bevölkerung fast drei Monate vom weltweiten Netz abgeschnitten hatte. Am Mittwoch wurde sie erstmals teilweise wieder aufgehoben. „Die Internetsperre war ein zentraler Pfeiler der Repressionsstrategie der Behörden und schuf die Voraussetzungen dafür, dass weitreichende Verstöße gegen das Völkerrecht ungestraft begangen werden konnten“, hieß es in dem Bericht.
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Mehr Hinrichtungen nach dem Zwölftagekrieg
Erst vor einem Monat hatte Amnesty International in einem Bericht eine drastische Zunahme von Hinrichtungen beklagt. Demnach wurden in der Islamischen Republik Iran bereits im Jahr 2025 mindestens 2159 Menschen hingerichtet – mehr als doppelt so viele wie 2024. Die iranischen Behörden setzten die Todesstrafe gezielt ein, um die Bevölkerung massiv einzuschüchtern und zu kontrollieren, so die Generalsekretärin von Amnesty International Deutschland, Julia Duchrow.
Einen „deutlichen Anstieg von Hinrichtungen“ gab es laut Duchrow nach dem Zwölftagekrieg zwischen Israel und Iran im Juni 2025. Zudem verwies sie gegenüber AFP auf ein neues Gesetz „unter dem Deckmantel der nationalen Sicherheit“. Das Gesetz trat demnach im Oktober 2025 in Kraft und sieht für Vorwürfe wie „Zusammenarbeit mit feindlichen Regierungen“ und „Spionage“ laut Duchrow „zwingend die Todesstrafe vor“.
Laut Amnesty und weiteren Menschenrechtsgruppen hat Teheran die Zahl der Hinrichtungen nach den jüngsten regierungskritischen Protesten im Januar und den US-israelischen Angriffen Ende Februar noch einmal vorangetrieben. Viele dieser Hinrichtungen stehen demnach im Zusammenhang mit Anklagen im Zuge der Proteste und der angeblichen Mitgliedschaft in verbotenen Gruppen. Die Menschen in Iran sieht daher Duchrow „doppelt unter Druck – einerseits durch Androhung neuer Bombardierungen durch die USA und Israel. Andererseits durch die massiven, teils tödlichen Repressionen der eigenen Regierung“.
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