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Martin McDonaghs Film „Wild Horse Nine“Dinos im Himmel

Bei den Filmfestspielen in Venedig feiert der Regisseur Martin McDonagh einen Triumph. In seinem neuen Film schickt er zwei Stars auf die Osterinseln.

Tim Caspar Boehme

Aus Venedig

Tim Caspar Boehme

Venedig hat einen ersten Höhepunkt, der die Erwartungen sogar übertroffen hat. Zum dritten Mal ist der irische Regisseur Martin McDonagh in den Wettbewerb der Filmfestspiele von Venedig eingeladen, nach „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ (2017) und „The Banshees of Inisherin“ von 2022, und zum dritten Mal begeistert er mit seinem bösen Witz, der es ihm gestattet, frei von Kitschgefahr von durch und durch menschlichen Nöten zu erzählen. „Wild Horse Nine“ heißt sein jüngster Film. Was es mit der Zahl im Titel auf sich hat, ist etwas unklar, einige wilde Pferde spielen darin jedenfalls eine Rolle.

McDonagh lässt im Sommer 1973 zwei in Chile stationierte CIA-Agenten eine Reise auf die Osterinsel unternehmen. Der Militärcoup gegen den chilenischen Präsidenten Salvador Allende steht kurz bevor, warum Chris (John Malkovich) und Lee (Sam Rockwell) ausgerechnet auf die entlegene Osterinsel reisen, bleibt zunächst offen. Dass Chris seiner Arbeit überdrüssig ist, erfährt das Publikum ziemlich zu Anfang. Was Chris und Lee sonst noch im Gepäck haben, zeigt sich dann nach und nach.

McDonagh, der auch Dramatiker ist, erfreut seit seinem Spielfilmdebüt „Brügge sehen … und sterben?“ von 2008 immer wieder mit präzise angespitzten Dialogen und seinem Gespür für das unaufhaltsame Eskalieren von Konflikten. Davon gibt es einiges in „Wild Horse Nine“. Vor allem aber bekommen Malkovich und Rockwell die Chance, sich zwischen dem grünen Gras und den „großen Köpfen“ der Osterinsel in brutaler Zärtlichkeit die abgebrühtesten Einsichten über das Leben und ihre Arbeit im Geheimdienst an den Kopf zu werfen.

Lee dokumentiert die Reise mit einer Super-8-Kamera, was den Film durch die eingeschobenen grobkörnigen Bilder optisch auflockert. Eine wehmütige Abschiedsstimmung hängt über allem, grundiert von der getragenen Filmmusik von Carter Burwell. Doch die Schwere verwandelt sich bei jeder neuen dartpfeilgenau geworfenen Pointe in befreiendes Lachen. Manchmal bleibt es einem im Hals stecken. Nicht jedoch, wenn Chris darüber nachdenkt, ob es im Himmel auch Platz für gute Dinosaurier gibt.

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