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Krise der IndustrieSchwerdtner sieht Rekord-Export als Problem

Die Ausfuhren kletterten im Juni auf einen Rekordwert. Doch Linken-Co-Chefin Ines Schwerdtner warnt vor einer Fixierung auf den Außenhandel.

Angesichts der jüngsten Außenhandelszahlen warnt Linke-Chefin Ines Schwerdnter vor zu viel Optimismus. „Gute Exportzahlen allein retten keinen Arbeitsplatz“, sagte die Politikerin der taz. Sie überdeckten die strukturellen Probleme der deutschen Wirtschaft nicht.

Zuletzt verkauften deutsche Firmen so viele Waren ins Ausland wie noch nie in einem Monat. Der Wert der Exporte stieg im Juni auf 139,3 Milliarden Euro. Das ist ein Plus von 6,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Insgesamt exportierten deutsche Firmen im ersten Halbjahr Waren im Wert von 816,6 Milliarden Euro. Da der Wert der Importe nur 711,6 Milliarden Euro betrug, lag das deutsche Plus im Außenhandel bei 105 Milliarden Euro und war damit im Vergleich zum 1. Halbjahr 2025 nahezu unverändert.

Der Grund für den Export-Aufschwung: Deutschland verkaufte besonders viel an die Nachbarn innerhalb der EU. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum stiegen die Ausfuhren nach Frankreich, Österreich und anderen um 7,5 Prozent. Dies konnte die schlechte Entwicklung im Handel mit den Vereinigten Staaten und China kompensieren. Im ersten Halbjahr brachen die Exporte in die USA um 5,8 und nach China um 12,3 Prozent ein. Hier leidet die exportorientierte deutsche Industrie unter den Zöllen von US-Präsident Donald Trump sowie einer als „China-Schock 2.0“ bezeichneten verschärften Konkurrenz aus Fernost.

So sieht Schwerdtner die jüngsten Erfolgsmeldungen aus dem Außenhandel auch kritisch: „Die starke Exportorientierung ist selbst Teil des Problems, wenn gleichzeitig die Binnennachfrage schwach bleibt und Deutschland in wichtigen Branchen technologisch an Boden verliert“, erklärt die Politikerin. Entscheidend sei außerdem, was von der wirtschaftlichen Erholung bei den Beschäftigten ankommt. „Seit Monaten gehen Tausende Industriearbeitsplätze verloren“, so Schwerdnter.

In diesem Zusammenhang warf die Politikerin der Bundesregierung auch ein Versagen in der Wirtschaftspolitik vor: „Die Bundesregierung hat weder einen Plan, um Industriearbeitsplätze zu sichern, noch eine Strategie für die Wirtschaft von morgen“, so Schwerdtner. Am Ende badeten die Beschäftigten diese Planlosigkeit aus.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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16 Kommentare

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  • Chaos-NRW

    Aus der Partei, aus der ehemals der Ausspruch "Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten" stammt, kann man wohl nicht erwarten, dass Exporte in andere Länder positiv sein sollen. Lieber wieder abschotten wie früher in der DDR.

    • Janix

      @Chaos-NRW:

      Tja, leider nur einfach falsch behauptet.



      Es gab den RGW, dessen Star die DDR war. Und in den Westen ging's auch mit den Waren. Irgendwie mussten die recht hohen Konsumausgaben bzw. die Kredite ja bedient werden bei der niedrigen, ineffizienten Marktsimulation der DDR.

  • Lahmarsch

    Für Rechte ist es augenscheinlich kaum auszuhalten, dass eine linke Politikerin mehr wirtschafltichen Sachverstand besitzt, als deren neolibertäre Vorturner.

    Witzig.

    • Desdur Nahe

      @Lahmarsch:

      "Für Rechte ist es augenscheinlich kaum auszuhalten"



      Aus welchem Teil des Textes leiten Sie das denn ab?



      "mehr wirtschafltichen Sachverstand besitzt"



      Gleiche Frage wie oben. In diesem Text stehen nur ein paar wirtschafliche Plattitüden von Frau Schwerdtner.



      Die sind nicht falsch, aber eben auch kein Beleg für wirtschaflichen Sachverstand.



      Das bedeutet nicht, dass Fr. Schwerdtner keinen wirtschaflichen Sachverstand haben kann, aber dieser Text gibt es halt nicht her.

      • Janix

        @Desdur Nahe:

        Scherdtners einer Überschuss-Satz ist leider deutlich weiter als viele, die immer noch auf ungesunde Exportüberschüsse, veraltete Fossil-Industrien und neoliberale Umverteilung nach oben setzen. Die neoliberale Ideologie ist arg widerlegt, Exportüberschüsse auf Dauer sind mehrfach ungesund und verhindern die Ressourcen für u.a. wieder bessere Infrastruktur.

        (Bei dem Satz über Industriearbeitsplätze bin ich nicht ganz so sicher, wie er gemeint ist)

        • Desdur Nahe

          @Janix:

          Als Argument reicht es nicht, Exportüberschüsse mit "ungesund" zu labeln und dann noch schnell eine Verbindung zu fossil, neoliberal und Umverteilung anzudeuten.



          Zumal die Politik nur begrenzt Einfluss hat: Wenn ein Franzose einen BMW kaufen möchte, dann kann man schlecht sagen "Nein, an Ausländer verkaufen wir nicht, schlecht für die Handelsbilanz".



          Und zu "verhindern die Ressourcen für ... bessere Infrastruktur": Exportüberschuss bedeutet nicht, dass wir z. B. mehr Material exportieren als importieren und dieses dann im Inland fehlen würde. Es geht um Werte. Wenn wir also eine Tonne Stahl importieren, daraus etwas bauen, und für mehr Geld wieder exportieren, haben wir einen Exportüberschuss (und Geld für unsere Infrastruktur!).



          Das "Problem" hat sich übrigens bald von selbst erledigt:



          Exportschlager in D sind vor allem die Automobilindustrie, der Maschinenbau und chemische Erzeugnisse. Alles Bereiche, die immer mehr ins Ausland verlagert werden.



          Vielleicht auch interessant: Länder mit hohen Exportüberschüssen sind China, Deutschland, Japan, Südkorea, Irland, Schweiz, Saudi-Arabien, Katar, Norwegen.



          Importüberschüsse: USA, UK, Frankreich, Griechenland, Indien, Türkei

          • Janix

            @Desdur Nahe:

            Mal kurz Exportüberschüsse oder -defizite. Okay, oder kleine. Aber dass permanent im Über- oder Unterschuss ungesund ist, ist allgemein bekannt.



            Weil dann Güter irgendwo hingehen und nur kleine grüne Scheine reinkommen, die der Gegenüberstaat rasch nachdrucken kann. Siehe der Fall USA bei den genannten Ländern.



            Wert ist ein guter Punkt zum Nachsinnen. Verbrennerautos haben womöglich kaum noch einen Wert außer Nostalgie: volkswirtschaftlich kosten sie richtig viel, und nicht nur ökologisch. Aber gefördert wurde der Export von denen, u.a. durch ein Steuersystem, das den Inlandskonsum stark belastet, die Industrie aber kaum.



            Und bitte nicht falsch verstehen: Produktivität und marktgängige Güter sind etwas Tolles. Wer aber vor lauter Exportieren das Investieren, die Infrastruktur, die Umwelt, den sozialen Frieden vergisst, hat etwas falsch gemacht.

  • Janix

    Ein Blick aufs Grundgesetz und dessen Forderung nach einem Gleichgewicht dort hilft bereits.

    Auch ökonomisch ist ein größerer Exportüberschuss ungesund für alle Beteiligten. Da wurde die exportorientierte Industrie teuer gestützt und wurde großkotzig, steckte das Geld in Lobby, Boni und Dividende. Ungesund.



    Ohne Schwendner immer zuzustimmen, hat sie hier einen Punkt. Unabhängig davon, ob dann im nächsten Schritt das Überschuss-Geld von den Blackrocks ins Globale abgezogen wird oder wir auf nachdruckbaren grünen Scheinchen sitzen bleiben.

  • Eric Manneschmidt

    Es geht ja auch bei der "Wirtschaft" nicht darum, Arbeitsplätze zu sichern, sondern um die Befriedigung von Bedürfnissen.



    Wie immer gekonnt am Thema vorbei.

  • Christoph Strebel

    Handelsbilanz allein sagt noch zu wenig, Zahlungsbilanz ist interessanter. Vielleicht lassen ausländische Investoren hier produzieren und bekommen Gewinne ausbezahlt. Vielleicht sind wir gar kein reiches Land, sondern ein Land, wo ausländisches Kapital zufällig anwesend ist. Das erklärt auch den geringen Anteil am Gewinn der Arbeiterklasse. Oder deutsche Touristen geben den Gewinn im Ausland im Urlaub aus.

    • Janix

      @Christoph Strebel:

      Vielleicht. Da deutsche Unternehmen häufig im Ausland produzieren lassen, nicht so ganz plausibel, oder? Auch wenn auffällig treffsicher inzwischen auch deutsche Unternehmen aufgekauft bzw. aus dem Ausland dominiert werden.



      Die steuerliche und sonstige Bevorteilung der Exportindustrie zusammen mit dem Abziehen der Millionärsknete könnte es evtl. auch einfach sein? Und auch sonst ein krummes System, das Erben belohnt, Arbeiten aber kaum.

      • Christoph Strebel

        @Janix:

        Die 4 EU- Grundfreiheiten ermöglichen es Reichen und internationalen Handelsherren, die Mitgliedersstaaten gegen einander auszuspielen. Im Zeitalter des regen Austausches von Gütern, Arbeitskräften, Kapital und Dienstleistungen müssen Gesetze über Steuern eigentlich EU- zentral geschrieben werden.

        • Janix

          @Christoph Strebel:

          Da völlig bei Ihnen. Die EU hat das Kapital stärker entfesselt und gedopt, als es gleiche Rechte schuf.

  • rakader

    Es gehört zum Gewese dieser Partei, selbst kleinste Erfolgsmeldungen schlechtzureden. Negative Aufmerksamkeit ist ihre DNA - Freude mit Kapitalisten schon gar nicht.

    Einzig beruhigend ist, dass dieses Granteln zur linken Folklore gehört und damit darmlos ist - gan im Gegenteil zu den Demokratieverächtern der anderen Seite.

  • Tom Farmer

    "Die Bundesregierung hat weder einen Plan, um Industriearbeitsplätze zu sichern, noch eine Strategie für die Wirtschaft von morgen“, so Schwerdtner. "



    Naja, die Produkte werden ja von der Industrie angeboten und nicht von der Politik. Wieder mal nicht zu verstehen was Links will. Motzen halt, und das soll möglichst intelligent klingen.

    • Janix

      @Tom Farmer:

      Wäre der letzte Satz vielleicht etwas zum Auf-der-Zunge-Zergehen-Lassen?