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Krieg zwischen Hisbollah und Israel„Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht“

Wieder kam es vermehrt zu Luftangriffen in Israel und Libanon. Das libanesische Rote Kreuz warnt vor dem Beschuss von Rettungshelfern.

Raketenangriff: Flammen in einem südlichen Vorort von Beirut in der Nacht zu Donnerstag Foto: Bilal Hussein/ap
Julia Neumann

Aus Beirut

Julia Neumann

In Libanons Hauptstadt Beirut krachten israelische Kampfflugzeuge besonders laut über dem Himmel. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag trafen heftige Bombardierungen Südbeirut. Israel setzt auch Luftangriffe im Südlibanon und in der östlich gelegenen Bekaa-Ebene sowie den Einmarsch mit Soldaten im Südlibanon fort.

Am Mittwochabend hatte die schiitische Miliz der Hisbollah Raketen auf Tel Aviv abgefeuert, in Koordination mit dem Iran. Die UN-Mission Unifil registrierten am Donnerstag über 120 Geschosse, die von libanesischem Gebiet aus auf Israel abgefeuert wurden, sowie 7 israelische Luftangriffe und über 120 Artilleriebeschüsse als Reaktion darauf.

Israels Verteidigungsminister Israel Katz hatte am Donnerstag, das israelische Militär angewiesen, „seine Operationen im Libanon auszuweiten“.

Durch israelische Angriffe wurden im Libanon 634 Menschen getötet und 1.586 verletzt, zählt das Gesundheitsministerium. 816.700 Menschen sind in Notunterkünften untergekommen. Viel mehr sind vertrieben und müssen bei Bekannten oder auf der Straße schlafen.

Ist die Hisbollah am Ende?

In der aktuellen Folge des taz-Podcasts „Fernverbindung“ spricht taz-Redakteurin Judith Poppe mit Korrespondentin Julia Neumann über die Folgen des neu ausgebrochene Krieg für die Menschen im Libanon und die politischen Machtkonstellationen im Land.

Drohnenangriff in Beirut

In der Nacht auf Donnerstag überraschte ein Drohnenangriff an der Strandpromenade in Beirut Kriegsvertriebene, die dort in Zelten oder auf Schaumstoffmatratzen schlafen. Der Anschlag traf ein Auto und umstehende Menschen, acht Menschen wurden getötet, zählen libanesische Behörden. Israels Militär äußerte sich nicht zu dem Motiv des Angriffs.

„Ungeachtet der Absicht des ersten Angriffs, eines ist sicher: Es war ein Double-Tap“, sagt Abir Saksouk von „Public Works“. Die Organisation dokumentiert die Anschläge und Einflüsse des Kriegs. „Sie haben abgewartet, bis sich Menschen versammelt hatten, und dann schlugen sie erneut zu.“

Sogenannte Double-Taps sind eine völkerrechtswidrige Kriegsstrategie, in der nach einem Anschlag nochmal angegriffen wird, wenn Menschen zu Hilfe eilen. Israel hatte diese inhumane Methode bereits in Gaza angewendet und nun wieder vermehrt im Libanon.

Seit dem 2. März wurden 14 Rettungssanitäter durch israelische Anschläge getötet, 24 verletzt, zählt das libanesische Gesundheitsministerium. „Orte werden beschossen, während die Sanitäter vor Ort Verwundete evakuieren“, schreibt das libanesische Rote Kreuz. Am Mittwoch meldete die Hilfsorganisation, dass der Rettungssanitäter Youssef Assaf an seinen Verletzungen starb. Ein israelischer Angriff traf ihm am 9. März in dem Dorf Majdal Zoun im Südlibanon, als er nach einem Anschlag dort erste Hilfe leistete.

Ersthelfer und Fotografen verletzt

Einen ähnlichen Angriff gab es am Dienstag auf Ersthelfer in Hanawiya, drei Menschen wurden getötet, darunter ein Rettungssanitäter. Vergangenen Donnerstag wurden zwei Ersthelfer des Roten Kreuzes verletzt. Sie hatten Verwundete nach einem Anschlag in Arnoun al-Schaqif behandelt, als sie ein zweiter Anschlag traf, meldet das Rote Kreuz.

„Die Rettungswagen und ihre Besatzungen waren durch die gut sichtbaren Rot-Kreuz-Embleme an beiden Seiten und die Beleuchtung der Fahrzeuge deutlich erkennbar“, so die Organisation. Sie koordiniere alle Einsätze mit der UN-Mission Unifil, die wiederum mit dem israelischen Militär in Kontakt steht. „Die Behandlung des Rettungsteams stellt eine Fortsetzung der klaren und eklatanten Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht dar“, schreibt das Rote Kreuz. „Das humanitäre Völkerrecht verbietet Angriffe auf Zi­vi­lis­t*in­nen sowie zivile und medizinische Einrichtungen.“

Der Fotojournalist Haitham al-Mousawi wurde am Dienstag am Bein verletzt. Er hatte nach einem Anschlag die Auswirkungen fotografiert, als ihn ein zweiter Anschlag traf, meldet die französische Stelle von Reporter ohne Grenzen. Der Fotograf arbeitet für die Zeitung Al-Akhbar, die ideologisch der Hisbollah nahesteht. Ungehindert ihrer politischen Ansichten gelten Jour­na­lis­t*in­nen als Zivilist*innen.

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