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Krieg im LibanonKein Stein mehr auf dem anderen

Israel und Libanon verhandeln über die Entwaffnung der Hisbollah-Miliz und den israelischen Abzug aus dem Libanon – währenddessen eskaliert die Lage.

Julia Neumann

Aus Beirut

Julia Neumann

Der Architekt Tarek Mazraani hat in seinem Heimatdorf Hula geholfen, hunderte Häuser zu bauen. Auch traditionelle Werkzeuge von Bauern, alte Bücher und Fotografien hat er zusammengetragen und daraus ein Heimatmuseum errichtet, um die Geschichte des Dorfs im Südlibanon zu dokumentieren. Nun ist alles weg. „Mein Haus ist weg, das ganze Dorf zerstört“, sagt er.

Der aktuelle Waffenstillstand zwischen Libanon und Israel gilt offiziell seit Mitte Juni. Das bilaterale Abkommen sieht vor, dass Israel die Besatzung beendet und die Hisbollah entwaffnet wird. Die Hisbollah war an dem Deal jedoch nicht beteiligt und sträubt sich gegen die Entwaffnung. Israels Regierung möchte weiter den Südlibanon besetzen und dort alle Infrastruktur für eine „Pufferzone“ zerstören.

Für die Be­woh­ne­r*in­nen der Region ist der Krieg also nicht vorbei. „Täglich werden Häuser zerstört, Gebäude mit Sprengfallen versehen und gesprengt, bewaffnete Soldaten patrouillieren, verbrennen landwirtschaftliche Flächen“, erzählt Mazraani. Das geschehe entlang des gesamten Grenzstreifens. „Die Zerstörung ist systematisch, geplant und vorsätzlich – die Zerstörung aller öffentlichen Plätze und Gebäude, religiöser Einrichtungen, der großen Wasserreservoirs, die das gesamte Dorf mit Wasser versorgen, Gemeindezentren, Schulen, Krankenhäuser, Kliniken. Die Dörfer wurden dem Erdboden gleichgemacht, ihre Wahrzeichen zerstört. Kein Stein steht mehr auf dem anderen.“

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Die israelische Armee besetzt über 600 Quadratkilometer im Südlibanon – fast 60 Dörfer. Mehr als 360.000 Menschen wurden laut UN-Nothilfebüro Ocha vertrieben. Auch Tarek Mazraani ist seit drei Jahren vertrieben, musste wegen des Kriegs mehrfach seine Unterkunft wechseln. „Niemand darf zurückkehren“, sagt er. „Jeder, der es versucht, wird getötet. Am Dorfrand werden Minen vergraben. Vor einiger Zeit gingen einige junge Männer hinaus, Zivilisten, die sich umschauen wollten. Die Israelis eröffneten das Feuer, töteten vier von ihnen. Ihre Körper wurden 20 Tage später im Tal gefunden.“ Derzeit würden Checkpoints errichtet. „Als wollten sie eine langfristige Besatzung aufrechterhalten.“

Anhaltende Lufangriffe

Extremisten in Israels Regierung möchten Israels Nordgrenze zum Litani-Fluss vorverlegen, 30 Kilometer ins Landesinnere des Libanon. Im Mai erklärte der rechtsextreme Minister für Nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, Israel habe einen „Siedlungsplan für den Libanon“. Dabei sind beide Länder derzeit in historischen bilateralen Gesprächen. Von Dienstag bis Donnerstag sprachen die in den USA akkreditierten Bot­schaf­te­r*in­nen beider Länder über die schrittweise Umsetzung des Juni-Abkommens. In einer „Pilotzone“ in Zawtar al-Gharbiyah hat sich das libanesische Militär stationiert, das israelische Militär hat sich zurückgezogen, Be­woh­ne­r*in­nen sind zurückgekehrt. Diese Woche sollte es um weitere Pilotzonen gehen, aus denen Israel abziehen soll.

Das israelische Militär hatte zuvor seine Angriffe eskaliert und Häuser in mehreren Städten abgerissen. Im Dorf Jarun zündete die Armee ein Feuer an und brannte laut Gemeindeverwaltung 1,2 Quadratkilometer Olivenhaine nieder. Libanesische Medien berichten, die israelische Armee wolle weitere Gebiete einnehmen, darunter den strategisch wichtigen Ali-Taher-Hügel und das Dorf al-Mansouri.

Dort hätte ein Sprengsatz fast die Verhandlungen gesprengt. Israelische Militärfahrzeuge patrouillierten durch al-Mansouri. Dabei detonierte ein wohl von der Hisbollah versteckter Sprengsatz und tötete zwei Soldaten. Das meldete das israelische Militär am Donnerstag. Israels Militär erließ eine Zwangsvertreibungswarnung für das Dorf und flog Luftangriffe.

Medienberichten zufolge forderte die libanesische Delegation daraufhin, die Drohung gegen die Be­woh­ne­r*in­nen von Mansouri zurückzunehmen. Die USA sollen interveniert und die Sitzung am Donnerstag vorzeitig beendet haben. Sie sprachen getrennt mit beiden Seiten.

Tarek Mazraani aus Hula hat mittlerweile eine Bürgerinitiative gegründet, die sich für die Rückkehr der Be­woh­ne­r*in­nen des Südlibanons einsetzt. Diese fordern den Stopp der Gespräche mit Israel – solange die „systematische und tägliche Zerstörung, Bombardierung und Vernichtung von Dörfern“ weitergehe.

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