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Israel und der Krieg in LibanonVerhandlungen trotz Waffenunruhe

Die Feuerpause in Libanon wird immer brüchiger: Nachdem zwei israelische Soldaten getötet wurden, greift Israel mehrfach aus der Luft an. Wie geht es weiter?

Serena Bilanceri

Aus Tel Aviv

Serena Bilanceri

Israel hat am späteren Mittwoch erneut Ziele im Südlibanon angegriffen. Laut dem libanesischen Gesundheitsministerium zählten die Luftschläge auf die Dörfer Tebnine und Mansouri am Mittwoch zu den schwersten seit zwei Monaten. Laut Medienberichten nahm das Militär unter anderem den Friedhof von Tebnine auf den Hügeln östlich der Stadt Sour ins Visier. Ein Mensch verlor bei dem Angriff sein Leben, zwölf weitere wurden verletzt. Etwa 30 Minuten bevor die Kampfjets am Himmel erschienen, hatten die Ein­woh­ne­r:in­nen von Mansouri einen Befehl zur Flucht der israelischen Armee erhalten.

In der Nacht sowie am Donnerstag, so berichtet es die libanesische Nachrichtenagentur NNA, griff Israel mehrfach aus der Luft an. Mindestens acht Menschen wurden verletzt, unter ihnen Kinder.

Das Militär erklärte, die Luftangriffe seien eine Antwort auf eine „unverfrorene Verletzung der Waffenruhe durch die Hisbollah“. Am Mittwoch waren zwei israelische Reservisten durch eine Explosion in Südlibanon ums Leben gekommen, vier weitere wurden verletzt. Das Militär gab am Donnerstagmorgen ihre Namen bekannt: Major Harel Birenstock und Stabsfeldwebel Tamir Vaknin. Beide waren Teil der Fallschirmjägerbrigade 55, Birenstock als Kommandant, Vaknin als Kampfsoldat.

Birenstock war Ingenieur bei einem großen israelischen Rüstungskonzern, lebte in einer Siedlung im besetzten Westjordanland und hinterlässt eine Ehefrau und vier Kinder. Vaknin lebte in der südlichen Küstenstadt Eilat; von seinem Bruder wird er als humor- und rücksichtsvoller Mensch beschrieben, der seit einiger Zeit mit dem Gedanken gespielt hatte, in die USA auszuwandern.

Laut ersten Rekonstruktionen kamen die Soldaten ums Leben, als sie ein beschädigtes, verlassenes Haus im südlibanesischen Dorf Majdal Zoun betraten, um dort einen Beobachtungspunkt zu erreichen. Dabei detonierte offenbar ein Sprengsatz, riss Teile des Gebäudes sowie die beiden Reservisten mit sich. Unklar ist weiterhin, ob der Sprengsatz vor dem Rückzug der Hisbollah aus dem Dorf platziert wurde, oder ob die Kämpfer das Gebiet nach der Übernahme durch israelische Truppen weiter betreten konnten. Dies könnte ernste Auswirkungen auf die sowieso prekäre Waffenruhe zwischen Israel und Libanon haben.

Verhandlungen trotz brüchiger Waffenruhe

Seit April gilt zwischen den Konfliktparteien eine fragile Feuerpause. Ende Juni hatten die beiden Nachbarländer zusammen mit den USA in Washington ein Sicherheitsabkommen unterschrieben, das den schrittweisen Rückzug israelischer Streitkräfte und den Einzug von Soldaten der staatlichen libanesischen Armee in den Süden Libanons vorsieht. Die Hisbollah, die als nicht staatliche Miliz dort besonders aktiv ist und als „Staat innerhalb des Staates“ gilt, soll ihre Waffen vollständig abgeben. Allerdings weigert sich die Gruppe weiterhin, an direkten Verhandlungen mit Israel teilzunehmen.

Trotz Feuerpause gab es in den vergangenen Monaten Kampfhandlungen auf beiden Seiten. Israelische Sol­da­t:in­nen bleiben im Süden stationiert; mit Luftschlägen und Mörserangriffen wurden immer wieder Dörfer in der Region getroffen. Außerdem werden innerhalb der sogenannten gelben Linie, die Israel derzeit als Besatzungszone ausgerufen hat, weiterhin Gebäude zerstört. Viele Dörfer sind nicht mehr bewohnbar. Auch die Hisbollah hat während der Waffenruhe immer wieder israelische Truppen angegriffen und Raketen abgefeuert.

In dieser Woche verhandelten in Rom libanesische und israelische Un­ter­händ­le­r:in­nen über die Umsetzung des Sicherheitsabkommens. Laut dem saudi-arabischen Medium Asharq geht es dabei vor allem um drei Punkte: Die derzeit von Israel gefangen gehaltenen Libanesen, die Pilotzonen in Südlibanon sowie die militärischen Operationen. Beide Seiten äußerten sich zunächst eher positiv zu den Gesprächen. Am Donnerstagnachmittag meldeten lokale Medien, sie seien zu Ende gegangen. Weitere Details zu ihrem Inhalt stehen noch aus.

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