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Konzertempfehlungen für BerlinAbschied, Reunion und der Klang unterschiedlichster Heimaten

Maxi Pongratz besingt das alltägliche Hin und Her. Und der Kulturraum 90mil zeigt bei seinem langen Farewell, was in schrumpfenden Freiräumen noch so gehen kann.

F rüher sang Maxi Pongratz bei der Heimatsound-Band „Kofelgschroa“. Auch wenn die in den letzten zwei Jahren immerhin zweimal aufgetreten sind, befindet sich das Neue-Volksmusik-Projekt wohl weiter im Zustand des „Dornröschenschlafs“, wie es Pongratz vor Jahren ausdrückte. Dafür beglückt er solo nicht nur mit seinem launig-prägnanten Akkordeonspiel (übrigens das offizielle Instrument des Jahres 2026), sondern zudem mit melancholisch-dadaistischen Alltagsbeobachtungen. Anfang des Jahres erschien sein viertes Album „rum & num“ (24. 4., 20 Uhr, Galiäakirche)

Wieso eigentlich lässt sich die zeitgenössische Musik in Europa so wenig berühren von postmigrantischen Realitäten?

Heimatklänge spielen auch bei „TransTraditionale – Musikfest der globalen Gegenwart“ eine gewisse Rolle. Das Festival findet zum ersten Mal statt, veranstaltet vom Trickster Orchestra. Wieso eigentlich lässt sich die zeitgenössische Musik in Europa so wenig berühren von postmigrantischen Realitäten? Nicht zuletzt deshalb geht es bei dem 3-tägigen Festival darum, wie globale Instrumente und Traditionen den Werkzeugkasten von Improvisation und Komposition bereichern können. Am Samstag etwa treffen mit Cansu Tanrıkulu, Nik Dunston und Tobias Delius nicht nur drei Jazz-Generationen, sondern zudem türkische Vokalexperimente und afro-surrealistische Sounds aufeinander. (24. + 25. 4., ab 17.30 Uhr, 26. 4., ab 14.45 Uhr, Radialsystem)

Zum Wochenstart folgt dann ein bestimmt wunderbarer blast from the past in Gestalt der Geschwister Eleanor und Matthew Friedberger, die ihr Duo The Fiery Furnaces reanimieren. In den nuller Jahren brachten die beiden ein paar tolle, schräg-versponnene Avant-Pop-Alben heraus, die sie damals schon live immer wieder neu interpretierten. Insofern erstaunt nicht, dass die Reunion „weniger eine nostalgische Wiederaufnahme“ sein soll als „eine Fortsetzung ihrer Auseinandersetzung mit Songform, Songkultur, Storytelling und Erinnerung“. Das zumindest verspricht die Ankündigung. (27. 4., 20 Uhr, Kantine Berghain)

Über das lange Erste-Mai-Wochenende geht dann ein bereits letzten Sommer begonnener Abschied auf Raten in die nächste Runde. Der DIY-Kulturraum 90mil, der aktuell ein Bürogebäude in der Nähe der Jannowitzbrücke zwischennutzt, feiert noch einmal zur Frage „Is That All There Is? Part 2“. Ob nicht doch mehr gehen könnte, ist sicher auch ein Kommentar zur kreativen Subkultur der Stadt. Drei Tage präsentiert das Festival ein breites wie experimentierfreudiges Spektrum hier ansässiger Musiker:innen: von Otis Mensah über die Sonic Interventions bis zu Molly Nilsson. In der Tradition der Mayday-Raves geht die Party die ganze Nacht. Und anlässlich des Arbeiterkampftages werden 15 Prozent der Einnahmen des ersten Tages an zwei hiesige Kollektive gespendet, die sich für bessere Arbeitsbedingungen in extraprekären Segmenten des Arbeitsmarkts einsetzen: das Black Sex Worker Collective und Lieferando Workers Collective. (1.–2. 5., 19–12 Uhr, 3. 5., 17–1 Uhr, 90mil)

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