Konzertempfehlungen für Berlin: Frickelnde Frequenzen in der Tiefsee
Soundreisen und akustische Parcours: Die nächste Woche wird für Musikliebhaber:innen ereignisreich. Und die Postrocker „Tortoise“ spielen zu Ostern.
F utter für Freunde der Abstraktion. Im Ausland startet mit Frictive Frequencies eine Reihe, die sich nicht nur für aufreibende Klangwelten interessiert, sondern auch für den Kontext ihrer Entstehung: Zum Auftakt machen Flötistin Marina Cyrino, Klangkünstler Régis Lemberthe und die bassaffine Elektroakustikerin Cate Hops nicht nur Musik, sondern diskutieren auch über DIY-Praktiken und andere Themen. (Ausland, 28. März, 20 Uhr).
Zudem geht die MaerzMusik auf die Zielgerade. Am Samstag treffen sich unter dem utopistischen Titel „No Nation Left But the Imagination“ der Elektroniktüftler Jan St. Werner (Mouse on Mars) und der nigerianische Schriftsteller Louis Chude-Sokei, um das dialogische Projekt „Music for Commons Sensed“ fortzuführen. Chude-Sokei bekam viel Resonanz für seine Autobiografie „Floating in a Most Peculiar Way“ und forscht unter anderem zu diasporischen Kulturen. (Radialsystem, 28. März, 20.30 Uhr).
Im Anschluss folgt mit „Noise Is a Queer Space“ ein installativer Parcours. Auch für den Sonntag darf man sich parcoursartiges vorstellen. Schließlich spielt die Konzertinstallation „I AM ALL EARS“ nicht nur auf der Hauptbühne der Berliner Festspiele, sondern an unterschiedlichsten Ecken des immer wieder tollen Gebäudes (29. März, Zeitfenster zwischen 15 und 21 Uhr, Haus der Berliner Festspiele).
Auch für den Sonntag gibt es dank Anda Kryeziu alias YAAND eine spannende Alternativveranstaltung. Die aus dem Kosovo stammende Komponistin, die an der hiesigen Hanns-Eisler-Schule Elektroakustische Musik studierte, stellt ihre EP „Body in Space“ vor. Bei der verschmilzt Electronica mit Ambient, auch Noise und Hyperpop-steckt drin (29. März, 20.30 Uhr, Studio db)
Reise in Tiefseewelten
Deutlich mehr Spektakel ist beim Klassik-meets-Pop-Pianisten Sofiane Pamart zu erwarten – war er es doch, der bei Eröffnung der Pariser Olympischen Spiele „Imagine“ am brennenden Piano interpretierte. Pamarts viertes Soloalbum, das er präsentieren wird, trägt den Titel „Movie“. Das Skript dieses „Films“ schöpft jedoch allein Leben aus Hip-Hop und modeaffinem Pianisten, der in Frankreich Stadien füllt. (31. März, 20 Uhr, Philharmonie, Ticketlink).
Einen Live-Soundtrack in ungewöhnlichem Setting schafft dagegen die Elektronikkünstlerin Laurel Halo, die nach einem Jahre in Berlin wieder in Los Angeles lebt. Inspiriert sind ihre elektroakustischen Kompositionen vom Film „Midnight“, einer Reise in Tiefseewelten von Julian Charrière, die hier Berlin-Premiere feiert – präsentiert von der Analogue Foundation (2. April, 20 Uhr, Saal Zenner, Ticketlink)
Weil die nächste Ausgabe dieser Kolumne feiertagsbedingt ausfällt, noch ein Ausblick auf die Woche nach Ostern. Da werden die großartigen Tortoise ihr tolles Album „Touch“, bei dem Vertrautheit auf Verfremdungseffekte tritt, ein zweites Mal hier präsentieren – der Auftritt der Chicagoer Postrock-Band im Januar war ja ratzfatz ausverkauft. (8. April, 20 Uhr, Columbia Theater, Ticketlink)
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