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Konzertempfehlungen für BerlinUnerwartetes in schön

Diese Woche kann man sich musikalisch mit der Ukraine solidarisieren, ungewohnte Kombinationen von Klang und Geräusch oder die „Gurre-Lieder“ hören.

S olidarität mit der Ukraine lässt sich auf die eine oder andere Weise zeigen. So stellt die Konzertreihe Klikerklub in ihrem Programm hierzulande oft unbekannte ukrainische Musiker vor. Am Sonnabend spielt im Hotel Continental unter anderem die Undergroundmusikerin Svitlana Nianio, die schon in den neunziger Jahren in Kyjiwer Bands aktiv war. In ihrer Musik verbindet sie Folktraditionen, Ambient und Mittelalterliches auf fragile Art. Kaputte und verstimmte Instrumente nutzt ihre Kollegin Mechika in ihren ebenfalls eher stillen Songs. Ganz anders Regina Collage, in deren Musik analoge Synthesizer mit 80er-Charme auf Krautrock-Motorik treffen (Hotel Continental, 7. 2., 18.30 Uhr, VVK: 18 Euro, AK: 20 Euro).

Dinge aus ihrem Zusammenhang zu lösen, kann mitunter zu erfreulich unerwarteten Ergebnissen führen. Die Komponistin Dasom Baek etwa nutzt traditionelle koreanische Instrumente wie die Bambusquerflöte Daegeum, um klassische Stile, vor allem die Volksmusik Sanjo, nach ihren Bedürfnissen weiterzuentwickeln. Am Montag trifft sie im Kühlspot Social Club auf die Improvisationsmusikerin Eiko Yamada, die seit den achtziger Jahren die klanglichen Möglichkeiten der Blockflöte erkundet.

Den zweiten Teil dieses Abends bestreiten die Pianistin Anaïs Tuerlinckx und der Klangkünstler Peter Cusack. Erstere nutzt unter anderem das Geräuschpotenzial ihres Tasteninstruments, Letzterer verwendet Field Recordings, mithin Aufnahmen von Umweltgeräuschen, um deren ganz eigene akustische „Ökologie“ herauszuarbeiten. Was nur auf den ersten Blick nach zwei völlig unterschiedlichen Herangehensweisen klingt (Kühlspot Social Club, 9. 2., 20.30 Uhr).

Ein Interesse an der Kombination von Klavier und Geräusch hat auch die Pianistin Kelly Moran. Auf mehreren Alben führte sie vor, wie sich die Scheppersounds des mit Alltagsgegenständen bewehrten Prepared Piano für ruhige Ambient-Studien einsetzen lassen. Auch programmierbare Geräte wie das Disklavier hat sie in ihrer oft traumartig flirrenden Musik ausprobiert. Am Dienstag spielt sie im Silent Green, ergänzt um einen kosmisch informierten Soloauftritt des Gitarristen Franz Bargmann, ansonsten Mitglied der Berliner Krautrock-Revivalisten Camera (Silent Green, 10. 2., 19 Uhr, 26,90 Euro).

Ohne Anspruch auf musikwissenschaftliche Korrektheit ließe sich behaupten, dass die schönste Wagnermusik nicht von ihm selbst stammt, sondern von Arnold Schönberg. Dessen 1911 vollendete „Gurre-Lieder“ stehen in der Tradition des so berühmten wie umstrittenen Spätromantikers, überdrehen diese aber noch einmal in mehrfacher Hinsicht. Sogar Sprechgesang setzt Schönberg in seiner Vertonung eines Gedichtzyklus des dänischen Schriftstellers Jens Peter Jacobsen ein, auch der bombastische Orchester- und Chorapparat lässt sich sehen und hören.

Das Werk kommt nicht zuletzt wegen des hohen Personalaufwands selten zur Aufführung, ist jedoch, um ein Adjektiv des Pianisten Glenn Gould zu klauen, im besten Sinn „kolossal“. Wenn es die Deutsche Oper jetzt am Dienstag in der Philharmonie unter der Leitung ihres scheidenden Generalmusikdirektors Sir Donald Runnicles auf die Bühne bringt, sollte man daher nicht zu lange überlegen (Philharmonie, 10. 2., 20 Uhr, 24–92 Euro).

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Tim Caspar Boehme Kulturredakteur

Jahrgang 1971, arbeitet in der Kulturredaktion der taz. Boehme studierte Philosophie in Hamburg, New York, Frankfurt und Düsseldorf. Sein Buch „Ethik und Genießen. Kant und Lacan“ erschien 2005.
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