Konzernfusion auf dem Wohnungsmarkt: Wohnen bleibt Renditeobjekt
Die umstrittene Deutsche Wohnen geht im Immobilienkonzern Vonovia auf. Trotz einiger Kompromisse bleibt die Hauptmisere bestehen.
E s war eine nahezu perfekte Inszenierung. Zusammen mit Michael Müller, dem Regierenden SPD-Bürgermeister von Berlin, präsentierten die beiden Chefs der zwei Dax-Wohnungskonzerne Vonovia – größter Vermieter in der Bundesrepublik – und Deutsche Wohnen – zweitgrößter Vermieter – ihre Fusionspläne.
Vonovia will mit der besonders in Berlin umstrittenen Deutschen Wohnen zusammengehen. Damit entsteht ein Immobilienriese mit 550.000 Wohnungen. Von „gemeinsamen Interessen“ war die Rede (Müller); der Vonovia-Chef will den MieterInnen gar „die Angst nehmen“ und sprach selbstkritisch von Mietsteigerungen, die MieterInnen überfordert hätten.
Mit der Deutschen Wohnen wird ein Unternehmensname verschwinden, der zum Synomym für rein renditeorientierte Vermietung schlechthin geworden ist. Vonovia verfolgt als börsennotierter Konzern natürlich die gleichen Interessen – aber er ist kein Hassobjekt, wie es für viele MieterInnen und AktivistInnen die Deutsche Wohnen ist.
Vonovia hält seine Wohnungen eher in mittelgroßen Städten, die bislang nicht so stark von exorbitanten Mietsteigerungen betroffen sind wie Berlin oder München. Die beiden Dax-Konzerne wollen dem Land Berlin die Fusion unter anderem durch Mietbegrenzungen in den nächsten Jahren schmackhaft machen. Müller wiederum will der Berliner Enteignungsinitiative, die Wohnungen großer Unternehmen gegen Entschädigung in Gemeineigentum überführen will, den Wind aus den Segeln nehmen. Und die Deutsche Wohnen hat erkannt, dass sie ihr Imageproblem nicht mehr lösen kann.
Die Gesten an die MieterInnen ändern nichts daran, dass Wohnen in Ballungsräumen zu erträglichen Preisen in den vergangenen 20 Jahren in erster Linie kein soziales Anrecht mehr ist, sondern zu einem renditeorientierten Investitionsobjekt verkommen ist. Die Politik im Bund und in den Ländern trägt dafür eine zentrale Verantwortung: Sozialer Wohnungsbau ist immer mehr zurückgeschraubt worden.
Und Vonovia und Deutsche Wohnen sind nicht in Geheimlaboren böser KapitalistInnen entstanden, sondern das Ergebnis von Privatisierungsentscheidungen der Politik. Vonovia entstand einst durch die Übernahme der Wohnsiedlungen der ehemaligen staatlichen Bundesbahn, und die Deutsche Wohnen ist groß geworden durch den Verkauf einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft in Berlin.
Nur zur Erinnerung: Zu den größten Aktionären beider Konzerne gehören der Vermögensverwalter Blackrock und der staatliche norwegische Ölfonds – weitere Großaktionäre sind Pensionsfonds und internationale Investmentgesellschaften. Deren Ziel ist langfristige Rendite und sonst nichts. Das Grundproblem, dass das massenhafte Aufkaufen von Mietwohnungen lukrativer ist als Investitionen in andere Branchen, bleibt. Es reicht nicht, nette Kompromissformeln mit Dax-Vorständen zu schließen.
Die Bundestagswahl ist eine gute Gelegenheit, für wirklich verbindliche Maßnahmen zu trommeln – wie etwa einen bundesweiten Mietendeckel.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert