Kommentar Reschke zeigt Haltung : Kampfansage an die Hater
Ein Tagesthemen-Kommentar gegen Fremdenhass verbreitet sich viral im Netz. Dabei enthält er nur, was fällig ist: sagen, was nicht geht.
D ie Fernsehjournalistin Anja Reschke hat etwas Einfaches getan. Sie hat die mediale Plattform der „Tagesthemen“ für einen zuwandererfreundlichen Kommentar genutzt. In zwei Minuten Sendezeit fordert sie etwas im Grunde Selbstverständliches ein: Mund aufmachen, Haltung zeigen, Fremdenfeinden entgegentreten. Sie fragt, wo in diesen Tagen eigentlich der Aufstand der Anständigen bleibt. Gut so.
Das Erstaunliche an diesem Kommentar ist aber nicht die Botschaft, sondern seine Rezeption. Das Video wird hunderttausendfach geteilt und kommentiert. Reschke selbst erklärt am Ende ihres Beitrags, sie freue sich „jetzt schon auf die Kommentare zu diesem Kommentar“. Eine klare Kampfansage an die Hater im Netz.
Tatsächlich ist das, was Reschke anprangert – das immer offenere und empathielosere Zeigen von Menschenverachtung gegenüber Hilfebedürftigen und deren Unterstützern – alles andere als neu. Tag für Tag schreiben und senden Redaktionen gegen den rechten Mob an. Trotzdem beginnt diese Gesellschaft sich Stück für Stück daran zu gewöhnen, dass brave Bürger unter dem Schutz der Meinungsfreiheit immer widerlicher hetzen.
Womöglich gilt es deshalb auch als mutig, derlei offen anzusprechen. Und zwar im Fernsehen, im Netz – also jenen Medien, deren Wirkmacht die der sterbenden Zeitungen bei weitem überstrahlt. Die rechten Trolle werden Reschke dafür niedermachen.
Es ist erstaunlich, wie breit andererseits die Zustimmung für den Kommentar der ARD-Journalistin ist. Wie mutig er gefunden wird. Dabei tut Reschke nur, was fällig ist: sagen, was nicht geht. „Die Hassschreiber müssen kapieren, dass diese Gesellschaft das nicht toleriert“, sagt sie. Ihr Kommentar richtet sich also nicht an die vernagelten Fremdenfeinde. Sondern an jene, die vom rechten Meinungsfuror eingeschüchtert sind. Denn mitunter scheint es, als hätten die Rechten das Feld der öffentlichen Meinung besetzt.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
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