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Rede zur Lage der Union Von der Leyen überspannt den Bogen

Eric Bonse

Kommentar von

Eric Bonse

In ihrer Rede zur Lage der Union lässt die EU-Kommissionspräsidentin viele Fragen offen. Wohin Europa mit ihr steuert, bleibt unklar.

G roße Worte, wenig Taten: Das war immer schon das Problem mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Die Rede zur Lage der Union, die von der Leyen im Europaparlament in Straßburg gehalten hat, machte da keine Ausnahme. Sie war ein Wünsch-dir-was, gab aber keine Orientierung.

Wie ernst die Lage in der EU wirklich ist, verriet die CDU-Politikerin nicht. Europa sei stärker denn je, sagte sie, gleichzeitig sei die Lage aber auch verdammt gefährlich. Was denn nun? Sind wir im Krieg mit Russland, können wir uns gegen Donald Trump wehren? Unklar.

Wohin die Reise geht, blieb auch offen. Man müsse der Ukraine über den Winter helfen, erklärte von der Leyen. Doch wie sie die Hilfe finanzieren will, sagte sie nicht. Kyjiw geht schon jetzt das Geld aus, trotz Milliardenkredit. Muss die EU noch mehr zahlen? Auch unklar.

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Kanada soll das erste assoziierte Mitglied der EU werden, hieß es in Straßburg. Klingt gut – aber Kanada ist kein europäisches Land und niemand weiß, was Assoziierung bedeuten soll. Wird von der Leyen dem kanadischen Premier Carney im Handelsstreit mit Trump helfen? Wieder unklar.

Mit unklaren Aussagen kann man vielleicht Fantasien wecken, aber keine Geopolitik machen. Die EU ist jetzt schon überdehnt und unterfinanziert. Wenn jetzt auch noch Kanada und die Ukraine hinzukommen – Kyjiw wurde ja sogar die Mitgliedschaft versprochen – wird der Bogen überspannt.

Von der Leyen will im Klub der Großen mitspielen, sagt aber nicht, wie das gehen soll. Sie führt sich auf wie die Präsidentin einer Großmacht, entwirft aber keine schlüssige Strategie. Sie will mehr Kompetenzen, legt aber keine Rechenschaft über ihre eigene Arbeit ab.

Das ist mehr als ein Ärgernis, es ist ein riesiges Problem. Schließlich hat die Kommissionschefin bereits andere, unvollendete Baustellen aufgemacht. Im vorigen Jahr versprach sie, Europa unabhängig zu machen – stattdessen ist die EU noch abhängiger von den USA geworden. Auch der „Green Deal“ – von der Leyens erstes großes Versprechen – kommt kaum noch voran, teilweise wird er schon wieder abgewickelt.

Deshalb wirkt das Großmachtgehabe der EU-Präsidentin deplatziert. Von der Leyen fabuliert die EU in immer neue Abenteuer. Wohin das führen soll: unklar.

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Eric Bonse

Eric Bonse EU-Korrespondent

Europäer aus dem Rheinland, EU-Experte wider Willen (es ist kompliziert...). Hat in Hamburg Politikwissenschaft studiert, ging danach als freier Journalist nach Paris und Brüssel. Eric Bonse betreibt den Blog „Lost in EUrope“ (lostineu.eu). Die besten Beiträge erscheinen auch auf seinem taz-Blog
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17 Kommentare

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  • Sikasuu

    Wie ernst die Lage in der EU wirklich ist, verriet die CDU-Politikerin nicht. Europa sei stärker denn je, sagte sie, gleichzeitig sei die Lage aber auch verdammt gefährlich. Was denn nun?



    ----



    Unsere Zensursula gefällt sich an "Sprechblasen" ohne Inhalt!



    Ok, Sie hat CDU Wurzeln, aber muss Sie deshalb den Sauerlandfritz kopieren?



    Inhalte sind Thema, auch wenn "Gefühle" heute, LEIDER, Wahlen entscheiden! :-(

  • zartbitter

    ""-- entwirft aber keine schlüssige Strategie"".



    Nach was sieht es denn aus?"



    =



    Europa braucht in einer zunehmend von geopolitischen Spannungen und wirtschaftlichen Abhängigkeiten geprägten Welt verlässliche Partner - wobei das Comprehensive Economic and Trade Agreement bereits seit 2017 eine real existierende Basis abgibt. Nun geht`s darum die wirtschaftliche Zusammenarbeit zu vertiefen - und darüber hinaus: Deutschland & Kanada haben eine enge Rohstoff-Partnerschaft um die einseitige Abhängigkeit von China zu verringern. Das bedeutet das der europäische Critical Raw Materials Act von Kanada als wichtigen künftigen Partner angesehen wird



    2..Das Strategische Partnerschaftsabkommen (SPA) stärkt den politischen Dialog und die Kooperation etwa bei Menschenrechten, Demokratie, internationaler Sicherheit, nachhaltiger Entwicklung sowie Justiz und Sicherheit.



    3..Kanada wird sich an EU-Programmen beteiligen. - Kanada hat insbesondere Interesse an Horizon Europe



    4.EU und Kanada kooperieren bei Klimaschutz, Energiewende nachhaltigen Technologien. (deutsch-kanadische Digitalallianz)



    5. Seit 2025 gibt es die militärische EU-Kanada-Partnerschaft für Sicherheit und Verteidigung.

  • Bürger L.

    Eine gewisse Orientierungslosigkeit ergibt sich schon aus der Größe und den z.T. widerstrebenden Interesssen innerhalb der EU. Das ist Frau von der Leyen (deren Fan ich weißgott nicht bin) nicht anzulasten.



    Dass die EU als Wirtschaftsgemeinschaft nach Verbündeten sucht, um Abhängigkeiten von anderen Staaten zu minimieren ist vernünftig.

    Ob man die engeren Handelsvereinbarungen dann assoziierte Mitgliedschaft nennt, oder wie auch immer, ist in dem Zusammenhang wohl eher zweitrangig, solange keine direkte Mitgliedschaft angestrebt wird. Schon möglich, dass diese Bezeichnung als Reaktion und Seitenhieb gegen das Verhalten von Herrn Trump zu verstehen ist.

    Ich bin jetzt in dem Alter, dass ich ziemlich sicher davon ausgehe, die Vereinigten Staaten von Europa nicht mehr zu erleben.



    Falls es wider Erwarten in ferner Zukunft doch zur Gründung der VSE kommenn sollte, wird Frau v.d.L. vermutlich nicht gerade als große Wegbereiterin in die Geschichte eingehen.

  • Totti

    Ich glaube, die Abhängigkeit der EU von den USA ist in den letzten zwölf Monaten zurückgegangen und nicht gestiegen, wie vom Kommentator behauptet. Sonst wäre der Krieg in der Ukraine längst in Putins, Trumps und ich fürchte auch Bonses Sinne entschieden.

    • T-Rom

      @Totti:

      Die Abhängigkeit steigt immer weiter.



      Nachdem in den letzten Jahren die Abhängigkeit im Bereich Digitales (Microsoft, Cloud Services, Kommunikation usw) schon stark gestiegen ist, kommt jetzt KI. Da ist die EU dann komplett von den USA abhängig, das ist ein Tsunami der gerade erst beginnt.

  • noname0815

    Ich finde die EU ist zu höherem bestimmt. Also ist die Aufnahme Kanadas nur der nächste logische Schritt. Danke Donald. Ohne dich wäre das alles nicht möglich gewesen.

  • zartbitter

    Trump droht EU mit Handelsstopp bei engerer Partnerschaft mit Kanada --die EU bietet Kanada eine »assoziierte Mitgliedschaft« an. Der US-Präsident nennt den Plan »lächerlich« – und droht Europa mit Handelsbarrieren.



    =



    Donald im Original : »Wenn sie das tun, und ich das auch nur im Geringsten als feindseligen Akt betrachte, werde ich sehr hohe Zölle verhängen oder den Handel mit Europa einstellen.«



    =



    Alles richtig gemacht - von der Leyen - völlig egal wer sich alles merkwürdigerweise auf die Seite von Trump stellt.



    =



    Kanadas Exporte in die EU: Kernfokus sind die 6 strategischen Rohstoffe - unabdingbar für Zukunftstechnologien --- und die Energiewende : Lithium, Graphit, Nickel, Kobalt, Kupfer und Seltene Erden.



    =



    China erpresst die EU genauso wie Russland - damit ist Schluss wenn Kanada seine Rohstoffe in die EU exportiert und damit die Entwicklung von Produkten für die Energiewende in der EU überhaupt erst in bester Qualität und vor allem konkurenzfähig ermöglicht.

  • Andreas Flaig

    "Bekannt wurde vor allem sein Ausspruch, er habe sie anfangs für „lediglich unfähig und ein bisschen kriminell“ gehalten, inzwischen wisse er aber, dass sie auch „beeindruckend moralfrei“ sei. Sein wiederkehrendes Resümee lautet daher „Europa nicht den Leyens überlassen“

    www.berliner-zeitu...-der-leyen-2236182

  • warum_denkt_keiner_nach?

    Ich frage mich schon, welcher Teil von Kanada in Europa liegt.

    Statt sich ernsthaft mit den sehr großen Problemen IN der EU zu beschäftigen, denkt vdL über Expansion nach 😢

    • Machiavelli

      @warum_denkt_keiner_nach?:

      EU definiert sich kulturell als europäisch nicht geographisch.

      • warum_denkt_keiner_nach?

        @Machiavelli:

        Aha. Kulturell europäisch. Was soll das sein? Es gibt zum Glück in Europa viele verschiedene Kulturen. Ein Einheitsbrei wäre schlimm.

        • Machiavelli

          @warum_denkt_keiner_nach?:

          Zypern liegt jedenfalls in Asien zählt aber kulturell zu Europa und ist in der EU. Es gibt genauso europäische kultur wie es deutsche Kultur gibt, oder arabische Kultur, chinesische und indische. Kulturen existieren auf verschiedenen ebene und können zu größeren Gruppen gehören ohne ihre individuelle Identität zu verlieren.

          • warum_denkt_keiner_nach?

            @Machiavelli:

            Zypern liegt ja wenigstens am unmittelbaren Rand. Und auch dort gehört nur ein Teil zur EU.

            Was Sie mit "europäischer Kultur" scheinbar meinen, ist der europäische Kulturkreis. Ist etwas anderes und zu dem gehören natürlich dann auch die europäischen Staaten, die nicht zur EU gehören.

            Es ist problematisch, Kulturen zu einer Art Einheitskultur zusammenzufassen. Das erzeugt Einheitlichkeit, die Individualität verdeckt. Also bitte nicht.

            Selbst die gern (besonders von Rechts) beschworene "deutsche Kultur" ist ein fragwürdiges Konstrukt. Eine Reise quer durchs Land zeigt das deutlich.

    • Perkele

      @warum_denkt_keiner_nach?:

      Das ist eine Einschätzung, die weit an der Realität vorbeigeht. Selbstverständlich sind die Beziehungen zu den USA und Kanada für die EU wichtig - in der derzeitigen Situation SEHR wichtig. Allerdings traue ich der Dame in keiner Weise zu, dass sie eine vernünftige Lösung schafft. Sie hat weder ein Konzept, noch die Standfestigkeit eine klare Linie durchzuziehen. Sie ist eine Versagerin und ja, sie hat dadurch viele Probleme innerhalb der EU schleifen lassen - aus politischen Gründen aber auch weil sie nicht verstanden hat um was es geht.

      • warum_denkt_keiner_nach?

        @Perkele:

        Die Reaktion aus den USA zeigt deutlich, was man dort von einer Ausdehnung der EU auf den amerikanischen Kontinent hält. Nichts.

        Wenn man also die Beziehungen zu den beiden Nordamerikanischen Staaten für wichtig hält, sollte man sie lassen, wie sie sind. Veränderungen bringen nur Ärger. Und Ärger gibt es auch so schon genug...

  • T-Rom

    Wenn man es mit der EU ernst meint - insbesondere in der aktuellen globalen Lage - und der EU eine wichtige Rolle wünscht und höhere Akzeptanz bei den Bürgern: Dann muss man den Posten an der Spitze der Kommission schleunigst neu besetzen.



    von der Leyen steht genau für das, was die EU Bürger nicht wollen und weshalb die EU an Akzeptanz und Relevanz verliert.

  • Gerald Müller

    Was soll man denn von einer Frau erwarten die sich als Vverteidigungsministerin nicht mit Drohnen oder Artillerie oder der Schlagkraft der Truppe beschäftigt hat sondern mit der Gestaltung der Inneneinrichtung von Kasernen und der Entwicklung von schwangerentauglichen Panzern? Damals wie heute war unklar wohin das führen soll. Nein, nicht ganz. Damals wie heute war klar dass der Kurs nirgendwohin führt.