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Kommentar Rente und Steuern Der eine nimmt, der andere gibt

Ulrike Herrmann

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Ulrike Herrmann

Die Sozialdemokraten wissen, wo sie kassieren wollen - bei den Millionengehältern. Und die CDU hat bereits erkannt, wo sich diese Zusatzeinnahmen sinnvoll ausgeben ließen - für Mindestrenten.

Ulrike Herrmann ist Meinungsredakteurin der taz.

Millionengehälter für Manager sind empörend, wenn gleichzeitig die Reallöhne ihrer Angestellten sinken. Trotzdem ist nicht jeder Vorschlag gut, der sich dieser Diskrepanz annimmt. Skurril ist etwa die jüngste SPD-Idee, die Managergehälter zu begrenzen, die die Unternehmen als Kosten bei der Steuer geltend machen können. Nur noch eine Million sollen die Chefs verdienen dürfen.

Die Gegenfrage stellt sich sofort: Und was ist mit Fußballstars oder berühmten Fernsehmoderatoren? Dürfen die auch nur noch eine Million erhalten? Der SPD-Vorschlag zieht die Grenzen so willkürlich, dass er eine Klage beim Bundesverfassungsgericht niemals überstehen dürfte. Zudem ist die SPD-Idee seltsam kompliziert: Man könnte einfach den Spitzensteuersatz anheben, wenn man denn der Meinung ist, dass hohe Gehälter eine soziale Verantwortung nach sich ziehen.

Aber wahrscheinlich zielt die SPD gar nicht auf die Realität, sondern wollte nur Symbolpolitik betreiben. Beim Wahlvolk sollte die Botschaft ankommen, dass auch die Sozialdemokraten sozial sind. Ein gewisser Bedarf für diese Versicherung existiert: Schließlich profiliert sich bei der CDU gerade NRW-Ministerpräsident Rüttgers als das Sozialgewissen der Nation, indem er eine Mindestrente jenseits des Hartz-IV-Satzes fordert.

Allerdings ist auch Rüttgers Initiative nicht ganz frei von Skurrilitäten, denn eine naheliegende Frage hat er bisher lieber nicht beantwortet: Wer soll denn, bitte schön, die Mindestrente finanzieren? Die Rentenkassen selbst werden damit überfordert sein - nur wegen ihrer Kassennot sinken ja die Renten in Zukunft. Letztlich steuert Rüttgers also auf eine Steuererhöhung zu, obwohl das für die CDU ein Unwort ist.

Und so passen die etwas disparaten Debatten bei Union und SPD dann doch zusammen: Die Sozialdemokraten wissen, wo sie kassieren wollen - bei den Millionengehältern. Und die CDU hat bereits erkannt, wo sich diese Zusatzeinnahmen sinnvoll ausgeben ließen - für Mindestrenten. Das wäre doch ein Projekt für den nächsten Koalitionsausschuss.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Ulrike Herrmann

Ulrike Herrmann Wirtschaftsredakteurin

Ulrike ist seit 2000 bei der taz. Nebenher schreibt sie Bücher. Das neueste heißt "Geld als Waffe. Wie die Wirtschaft über Krieg und Frieden entscheidet" und erscheint am 12. März 2026.
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2 Kommentare

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  • HR
    h. rohwer

    bitte nicht in "bloed"-manier.

    es geht darum, steuerlich die horrenden milliongehaelter absetzbar eben nur bis zu ersten million zu begrenzen.

    die unternehmen sollen selber fuer ihre manager aufkommen und sich nicht ueber steuern die personalausgaben refinanzieren.

  • HO
    Horst Ostendorf

    Die stumpf- wie wahnsinnig kreislaufende Nachkriegs-Geschichte, die vor allem eine taktische mit "Wirtschaftswunder" und "sozialen Errungenschaften" für den "Kalten Krieg" war / ist, zeichnet sich als durchgängige / "fusionierende" Regierungs-Geschichte von CDU / CSU und ... ab. Nur wenn es den Konservativen zu heikel war, durfte die SPD mal in Regierung und Reformen machen - fusioniert haben sich in dieser ansonsten spalterischen Entwicklung allerdings nur die Spitzen dieser gesellschaftlichen Dummheit von / in gebildeter Suppenkaspermentalität.