piwik no script img

Kolumne B-NoteWenn Blicke töten könnten

Jan Feddersen
Kolumne
von Jan Feddersen

Kristina Vogel, Thüringerin mit kirgisischen Wurzeln, gewinnt Gold. Weil die Bahnradfahrerin ihre Gegnerin schon vor dem Start hypnotisiert.

Ü berliefert wird von ihr fortan nur, dass sie, Kristina Vogel, 25, Kind kirgisischer Einwanderer und in Thüringen beheimatet, das Radsprintfinale im zweiten Lauf mit vier Tausendstel Sekunden Vorsprung gewonnen hat.

Die Wahrheit ist aber: Die Sportlerin gewann das Gold nicht während des Rennens selbst, sondern vor dem Start. Bei dem guckte sie ihrer favorisierten Rivalin Rebecca James absichtsvoll, weil unnötig direkt ins Gesicht. Signalisierend, in etwa: Darling, you can read it from my face – ich heute, nicht du! Oder: Sweetheart, dich koch ich ab, jetzt gleich! Vielleicht auch: Dich rauch ich doch schon morgens in der Pfeife zu Asche, Liebes.

Es war der bitchigste Blick der Olympischen Spiele, das war Selbstvertrauen mit hohem Einschüchterungsvermögen. Gold im Stehen auf dem Rad nicht andeutend, sondern vorbestimmend.

Zwei Rennen wirkte die Britin lahmer als sonst – Vogel hatte die Sache eben schon vorab klargemacht. Das verdient starke Erwähnung, weil: Welche Sportlerin gibt ihrem Siegwillen schon so viel Zucker?

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Jan Feddersen

Jan Feddersen Redakteur für besondere Aufgaben

Einst: Postbote, Möbelverkäufer, Versicherungskartensortierer, Verlagskaufmann in spe, Zeitungsausträger, Autor und Säzzer verschiedener linker Medien, etwa "Arbeiterkampf" und "Moderne Zeiten", Volo bei der taz in Hamburg - seit 1996 in Berlin bei der taz, Meinungs- und Inlandsredaktion, Wochenendmagazin taz mag, schließlich Kurator des taz lab und der taz Talks.. Interessen: Vergangenheitspolitik seit 1945, Popularkulturen aller Arten, politische Analyse zu LGBTI*-Fragen sowie zu Fragen der Mittelschichtskritik. RB Leipzig-Fan. Und er ist seit 2011 mit dem in Hamburg lebenden Historiker Rainer Nicolaysen in einer Eingetragenen Lebenspartnerschaft, seit 2018 mit ihm verheiratet. Lebensmotto: Da geht noch was!
Mehr zum Thema

4 Kommentare

 / 
  • Wenn wenigstens ein Bild des "Bösen Blicks" dabei wäre, könnte ich ja noch was lernen.

  • Lieber Jan, jetzt verrate uns noch, wie du den "bitchigsten Blick der Olympischen Spiele" durch das vollverspiegelte Visier erkannt hast. Oder hat dir gar nur die Imagination einen Streich gespielt?

  • Unnötiger Artikel ????? Ich schau dir in die Augen, Jan

  • & - wer sonst hier seinem Affen?;))