Köln in der Frauenbundesliga: Tore und Jeföhl
Aufbauarbeit, Umschaltspiel und ein gutes Klima im Team. Warum die Frauen des 1. FC Köln ihre bislang beste Erstligasaison spielen.
Der 1. FC Köln spielt in der Bundesliga der Frauen seine beste Erstligasaison jemals, mit doppelt so vielen Punkten wie im Vorjahr. Dabei gab es zuletzt sogar eine Ergebniskrise. Vier Niederlagen und ein Remis aus fünf Spielen im Frühjahr, manch Fan hoffte vor der Flaute schon auf Europa. Stattdessen brachte ein Sieg gegen Nürnberg Erleichterung. Gegen Eintracht Frankfurt am vergangenen Samstag stand nach Führungstor durch Marina Hegering am Ende eine erneute Niederlage: 1:2. Köln zahlt gerade Lehrgeld.
Trainerin Britta Carlson übernahm Anfang 2025, als der FC im Tabellenkeller steckte. In der Rückrunde 2024/25 stabilisierte sie die Abwehr. Im Sommer folgte der zwischenzeitlichen Interims-Bundestrainerin und langjährigen Co-Trainerin der DFB-Frauen dann Ex-Nationalspielerin Marina Hegering an den Rhein. Wie wichtig die Innenverteidigerin ist, zeigte sich, als sie zwischenzeitlich verletzt ausfiel.
Aber auch strukturell hat sich Kölns Abwehr verbessert, bislang 30 Gegentore statt der 51 in der Vorsaison sind deutlich. Nach mehreren Saisons mit Verletzungssorgen auf der Position hat auch Torhüterin Irina Fuchs daran Anteil. Sie wurde eigentlich als Talent für die Zukunft geholt, durch weitere Ausfälle aber direkt in die Rolle der Stammtorhüterin katapultiert. Für die Offensive kam die Isländerin Sandra Jessen, mit zehn Bundesliga-Toren und drei Vorlagen Top-Scorerin des FC und die erste Mutter im Kölner Kader, auch das Zeichen einer Weiterentwicklung im Verein. Dass die fünf sieglosen Spiele parallel zu 520 Minuten ohne Jessen-Tor verliefen: sicherlich kein Zufall. Gegen Nürnberg brachten ihre Vorlage auf Laura Dohnhauser und Jessens eigenes Kopfballtor den Sieg. Die Chancenverwertung war in den Wochen zuvor einer der Hauptgründe für die ausbleibenden Ergebnisse gewesen, ein anderer das Verhalten bei eigenem Ballbesitz, denn das Passspiel ist zu ungenau.
Celina Degen, 1. FC Köln
Taktisch setzt Carlson auf hohes Pressing und schnelles Umschaltspiel. Konsequent umgesetzt ist das erfolgreich. Wenn wie gegen Frankfurt eine Führung passiv abgesichert werden soll, wird es eng. Logisch also, dass Köln gegen die Top-Teams der Liga oft gut aussieht, gegen Klubs aus dem Mittelfeld der Tabelle punktet, aber bei Spielen gegen abstiegsgefährdete Vereine Probleme bekommt. Dann müssen die Kölnerinnen selbst das Spiel machen, was ihnen nicht liegt. Der Entwicklungsschritt dahin, das zu ändern, wird Zeit brauchen.
Diese Aufbauarbeit soll fortgesetzt werden, im Winter bekam Carlson einen neuen Vertrag. Sie und der Verein haben zudem offenbar ein positives Klima geschaffen: Neben Co-Trainerin Jacqueline Dünker verlängerten seitdem bereits acht Spielerinnen, darunter viele Leistungsträgerinnen wie Laura Vogt, das knallhart grätschende Eigengewächs im Mittelfeld. Oder Verteidigerin Celina Degen: „Wir haben einen riesigen Schritt in unserer Entwicklung gemacht. In meiner Zeit hier hatten wir natürlich auch sportlich schwierige Zeiten, aber ich habe das Gefühl, dass wir jetzt die Früchte dafür ernten, dass wir in den vergangenen Jahren hart gearbeitet haben“, sagte sie zu ihrer Verlängerung. Auch andere betonen die Entwicklung, den Zusammenhalt und wie gut sie sich aktuell beim FC fühlen. Torjägerin Jessen sagte sogar, sie habe sich „in Köln verliebt“. Jeck, was willst du mehr.
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