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Klimakrise und WeidelandReiche sind mitgemeint

Kommentar von

Tim Feldmann

Bis zum Jahr 2100 könnte die Hälfte der weltweiten Weideflächen verschwinden. Nicht nur die Nahrungsversorgung der Ärmeren ist dadurch gefährdet.

Nicht nur in Afrika verschwinden Graslandschaften für Weidetiere Foto: Nico Smit/Zoonar.com/imago

Z wei Drittel der Weideflächen Afrikas drohen wegen des Klimawandels zu verschwinden. Und wieder sind vor allem jene betroffen, die am wenigsten für die Erderwärmung können. Aber es wäre naiv zu glauben, dass schwindende Weideflächen nur die Menschen in Afrika träfen. Auch die europäische Mittelschicht sitzt mit in der Tinte: Eine Studie, an der das Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung beteiligt war, prognostiziert nun den Verlust der Hälfte aller Weideflächen weltweit. Da sollte nicht nur der Ziege das Gras im ersten Magen stecken bleiben.

Die aktuelle Studie benennt das Problem sehr deutlich: Nicht nur in Afrika verschwinden Graslandschaften für Weidetiere, sondern eben weltweit die Hälfte aller Weideflächen. Dadurch werden nicht nur die Bauern ihrer finanziellen Lebensgrundlage beraubt, ebenso ist die Versorgung mit Nahrungsmitteln gefährdet. In Zahlen ausgedrückt sind – Stand jetzt – weit über hundert Millionen Menschen betroffen, deren Existenz auf der Viehhaltung fußt.

Die Zahl der Weidetiere, deren Weiden Wüste werden, geht in die Milliarde. Nicht nur bahnt sich mit dieser Prognose eine Flucht von Menschen in andere Regionen und Länder enormen und ungeahnten Ausmaßes an. Gleichwohl steht die globale Ernährungssicherheit auf dem Spiel, wenn eine der wichtigsten Säulen der globalen Nahrungsmittelproduktion kollabiert.

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Auch wenn viele Menschen Katastrophenmeldungen wie diese nicht mehr hören und lesen können und ebenso Appelle an die eigene Lebensführung leid sind – es bleibt dabei: Klimakrise und Artensterben sind existenzielle Bedrohungen. Klar ist auch: Die Betroffenen, das sind nicht länger nur die Menschen des globalen Südens.

Die behütete Mittelschicht Mitteleuropas muss erkennen: Wird der Schalter nicht umgelegt, bleibt eine gesicherte Ernährung auf lange Sicht nicht selbstverständlich. Ökologische Krisen stellen gerade die Gewissheiten früherer Generationen infrage. Wenn schon vieles zusammenbricht, wie wäre es dann mit etwas Aufbruchstimmung und konsequenter Krisenprävention?

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1 Kommentar

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  • Bevor jetzt ein Veganer kommt und meint, wir brauchen keine Tiere zu essen:



    Weidelandschaft, die verschwindet, steht weder davor noch danach als Ackerland zur Verfügung. Weidetierhaltung außerhalb von Europa macht Flächen nutzbar, die sich für den Anbau von Getreide oder Gemüse nicht eignen.



    Bevor jetzt aber ein Fleischesser mir allzu heftig zustimmt:



    Diese Entwicklung macht es erst recht zu einem Wahnsinn, Tiere, die als Nahrung gezüchtet werden, mit Nahrung zu versorgen, die auf Ackerland produziert wird.



    Wir brauchen die Weideflächen UND den gesamten Ertrag der Ackerflächen um die Versorgung der Menschen sicherzustellen. Wir können es uns nicht länger leisten, Rinder und Schweine mit Mais und Soja zu füttern.