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Kindheit im Trümmern

Aus Gaza-Stadt, Chan Junis und Tel Aviv Felix Wellisch und Seham Tantesh (Text), Amjed Tantesh (Fotos)

Mohammad Abu Mohsens Schulweg in Gaza-Stadt beginnt neben einer leeren Artilleriegranate.

So groß wie sein Arm steht sie am Eingang des Hauses an der Wand. Um 9 Uhr nimmt der 12-Jährige seinen Schulranzen, auf den ein Fußball gedruckt ist. Großonkel Ramy Abu Mohsen begleitet ihn hinaus. Vor dem Gebäude führt eine Piste, die einmal eine Straße war, vorbei an dicht gedrängten Zeltlagern zwischen Trümmerbergen und den Ruinen einiger Hochhäuser. Der 43-Jährige, ganz in Schwarz gekleidet, legt seinem Großneffen beim Gehen den Arm um die Schulter.

Seit rund fünf Monaten besucht Mohammad wieder die Schule, anfangs noch im Rollstuhl. Seit Ärzte ihm die Metallplatten aus dem Oberschenkel entfernt haben, kann er wieder gehen. Auf seinem Gesicht und seinen Armen aber hat der Krieg sich eingegraben. Viele kleine Flecken, die auf den ersten Blick wie Sommersprossen aussehen, sind Narben eines israelischen Luftangriffs.

Seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem darauffolgenden Militäreinsatz Israels im Gazastreifen lässt die israelische Armee keine internationale Presse in das Gebiet – trotz wiederholter Beschwerden von Presseorganisationen aus der ganzen Welt. Die taz arbeitet daher mit Kollegen zusammen, die im Gazastreifen leben und im Auftrag der taz vor Ort recherchieren und mit Menschen sprechen.

„Wir hatten schon gepackt, es war am 21. September 2025“, erzählt Mohammad der taz Mitte Mai in Gaza-Stadt. Die Familie wollte am nächsten Morgen nach al-Mawasi im Süden des Gazastreifens fliehen. Israel hatte das Stadtgebiet zum wiederholten Mal zum Kampfgebiet erklärt. Der Süden galt bereits als hoffnungslos überfüllt. Doch in den zwei Jahren seit dem Terrorüberfall der Hamas hatte die israelische Armee zwar mehrfach kurzfristig zur Evakuierung aufgerufen, war dann aber oft ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung in den betroffenen Gebieten vorgerückt.

Weil sein Vater Ashraf, ein Arzt im nahen Al-Schifa-Krankenhaus, seine Patienten nicht im Stich lassen wollte, habe sich ihre Flucht verzögert, sagt Mohammad. Als die Bombe in das Wohnhaus im Al-Sabra-Viertel einschlug, habe er im fünften Stock geschlafen. „Ich bin unter Trümmern aufgewacht und habe geschrien, bis ich ohnmächtig wurde.“

Als er im Krankenhaus wieder zu sich kam, waren sein Vater, seine Mutter und seine beiden kleinen Schwestern tot. Hilfsorganisationen verwenden für Fälle wie Mohammad die Abkürzung WCNSF – Wounded Child, No Surviving Family. Auf mehrfache Nachfragen der taz sagte die israelische Armee, sie habe keine Kenntnis der beschriebenen Vorfälle.

Erst drei Tage später findet sein Großonkel Ramy Abu Mohsen den Jungen im Nasser-Krankenhaus in Chan Junis in Südgaza. „Er konnte nichts sehen, sein Gesicht war verbrannt, Arm und Bein gebrochen, aber er hat meine Stimme erkannt und mich umarmt“, erzählt Abu Mohsen der taz. Der Großonkel, der zu dem Zeitpunkt selbst als Vertriebener in einem Zelt im Süden Gazas lebt, nimmt sich des Jungen an.

Nach einem Monat muss Mohammad das Krankenhaus wegen Überfüllung verlassen und zieht zum Großonkel. In einem Feldlazarett der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen werden seine Verbände gewechselt. „Trotzdem haben sich die Wunden mehrfach entzündet“, sagt Ramy.

Knapp 20 Minuten zu Fuß sind es bis zur Schule. Mohammad legt wegen seiner Verletzung mehrfach Pausen ein. „Ich gehe zweimal die Woche zur Physiotherapie, mein Bein wird besser, aber ich kann es noch immer nicht wie vorher bewegen“, sagt er.

Vor der Schule warten seine Mitschüler in einer Reihe vor einem Zaun aus Wellblech. Drinnen befinden sich zehn aus Holz gezimmerte Klassenzimmer und ein Büro. Im Hof verdecken Kunstrasen und gepflasterte Wege den staubigen Boden.

Betrieben wird die Schule vom Bildungsministerium, das der Palästinensischen Autonomiebehörde in Ramallah untersteht. De facto hat trotz des brutalen militärischen Vorgehens Israels seit dem 7. Oktober 2023 und laut palästinensischen Angaben mehr als 70.000 Toten weiterhin die Hamas das Sagen in Gaza, zumindest auf jenen 40 Prozent des Küstenstreifens, die nicht von Israels Armee kontrolliert werden.

Auf die Wände ist das Logo der türkischen Hilfsorganisation IHH gedruckt. Unterrichtet wird Englisch, Arabisch, Wissenschaft und Mathematik von 10 Uhr bis 13 Uhr. Für Mohammad ein kostbares Stück Alltag. Laut dem UN-Kinderhilfswerk Unicef haben rund 700.000 Kinder zwischen 4 und 17 Jahren in Gaza in den vergangenen drei Jahren keine Schule mehr besucht. Vier von fünf Schulen wurden demnach von israelischen Angriffen direkt getroffen. 93 Prozent benötigen grundlegende Renovierung oder müssen neu aufgebaut werden. Viele werden zudem bis heute als Notunterkünfte genutzt.

Zweimal meldet sich Mohammad im Unterricht und liest Kärtchen mit englischen Worten an der Tafel vor. Er sei clever, sagt seine Englischlehrerin, aber ruhiger als seine Mitschüler. „Ich habe oft Albträume von der Nacht, als das Haus über mir zusammengebrochen ist“, sagt Mohammad auf dem Weg nach Hause. Dabei wünscht er sich ganz andere Träume: „Ich hoffe immer, meine Eltern im Traum zu sehen.“

Er konnte nichts sehen, sein Gesicht war verbrannt, Arm und Bein gebrochen, aber er hat meine Stimme erkannt und mich umarmt

Ramy Abu Mohsen, Großonkel von Mohammad

„Meine Frau und ich lassen ihn zwischen uns schlafen“, sagt Ramy Abu Mohsen. Das helfe ein wenig gegen seine Angst. Er selbst sei mehrmals zu Beratungsstellen gegangen, um zu lernen, wie er den Jungen unterstützen könne. „Er ist stark, geht gerne zur Schule und spielt Fußball mit den Nachbarn. Aber es ist für ihn nicht einfach zu sehen, wenn mich meine Tochter vor seinen Augen umarmt.“

Gut zehn Kilometer südlich versucht der Leiter der psychiatrischen Abteilung des Al-Aksa-Märtyrer-Krankenhauses in Chan Junis, Arafat Abu Maschajech, Kindern nach traumatischen Kriegserfahrungen zu helfen. „Aber es fehlt an Personal, und es gibt kaum noch Einrichtungen für psychische Gesundheit für die Vielzahl der Fälle“, sagt der Arzt im weißen Kittel, dem die Erschöpfung anzusehen ist. Er habe 12 Mitarbeiter, die derzeit etwa 2.000 Fälle pro Monat bewältigen. Andere müsse er abweisen.

Weit verbreitete Symptome bei Minderjährigen in Gaza seien sozialer Rückzug, Bettnässen, Stottern, ständiges Weinen oder Gereiztheit. Hinzu kämen Albträume und extreme Anhänglichkeit. Das ständige Surren von israelischen Drohnen und Quadrocoptern löse bei manchen Panik aus.

Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO und dem Palästinensischen Gesundheitsministerium fehlen derzeit aufgrund der israelischen Blockade 46 Prozent der unentbehrlichen Arzneimittel. Auch Psychopharmaka seien knapp, sagt Abu Maschajech. „Oft müssen wir Medikamente mitten in der Behandlung wechseln, worauf viele nicht gut reagieren.“ Noch immer seien zudem viele der Kinder unterernährt.

Einer seiner Patienten ist Ahmed Fajid aus al-Bureidsch. Der 11-Jährige liegt auf einem der Betten der Station. Über seinen Bauch zieht sich eine große Narbe. Bei einer Notfalloperation mussten Ärzte einen Großteil seines Darms entfernen, nachdem er in der Nähe der sogenannten Gelben Linie, die das von der Hamas kontrollierte Gebiet vom israelisch besetzten trennt, angeschossen wurde. Er ist sichtbar abgemagert, sein linkes Bein kann er nicht mehr bewegen.

„Ich war am 30. März mit einem Freund auf dem Heimweg, als wir einen Soldaten auf einem Panzer stehen sahen“, erinnert sich Ahmed, dessen Familie nahe der Linie lebt. Sein Freund sei sofort davongerannt, er selbst habe einen Moment gezögert. Als er sich abwandte, habe ihn eine Kugel in den Rücken getroffen. Auf taz-Nachfrage sagte die IDF, ihr lägen keine Informationen zu dem Vorfall vor.

Die israelischen Soldaten haben ihre Stellungen nach der Waffenruhe vergangenen Oktober grob mit gelben Betonquadern markiert. Immer wieder verschieben sie diese weiter in Richtung der noch bewohnten Gebiete. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu will laut Medienberichten die Kontrolle von derzeit 60 auf 70 Prozent des Gebietes ausweiten. Seine rechtsextremen Koalitionspartner fordern offen, den gesamten Gazastreifen einzunehmen und die Bevölkerung zu vertreiben. Die Bevölkerungsdichte auf dem verbleibenden Gebiet wüchse damit auf rund 20.000 Menschen pro Quadratkilometer, etwa fünfmal so viel wie in Berlin.

Die Infrastruktur ist weitgehend zerstört. Regenfälle im Winter lassen unbehandeltes Abwasser in Zeltsiedlungen fließen. Im Sommer finden viele kaum Schutz vor der Hitze. Zwar sieht der „Friedensplan“ von US-Präsident Donald Trump eine palästinensische technokratische Verwaltung für Gaza vor, Israel blockiert jedoch seit Januar die Einreise von deren Mitgliedern. Ein offizieller Grund dafür wird nicht genannt, die Regierung unter Netanjahu hat bisher wenig Bereitschaft gezeigt, die Kontrolle im Nachkriegs-Gaza an eine funktionierende palästinensische Verwaltungsstruktur zu übertragen.

Wiederaufbau findet kaum statt. Die Hamas weigert sich, ihre Waffen niederzulegen, Israel macht keine Anstalten, sich militärisch zurückzuziehen. Der Irankrieg und die Kämpfe zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah in Libanon lassen die humanitäre Katastrophe in Gaza in Vergessenheit geraten.

„In den ersten Tagen war er tapfer und hat viel gelächelt, aber seitdem geht es ihm psychisch schlechter“, sagt Ahmeds Mutter, die ihren Sohn im Krankenhaus besucht. Er verweigere Essen und sei still geworden. „Weil er das Bett nicht verlassen kann und es kaum Spielzeug zu kaufen gibt, habe ich ihm Malstifte und Papier mitgebracht.“

Zweimal pro Woche bekommt Ahmed ein Therapiegespräch. Der Arzt sage ihm dann, dass es ihm bald wieder besser gehen werde. „Aber bisher darf ich noch nicht wieder laufen, und es tut auch im Liegen weh“, sagt er. Eigentlich bräuchte er einen Rollstuhl, sagt Stationsleiter Abu Maschajech, gerade gebe es aber keinen weiteren. Unter eine lange, aber öffentlich nicht einsehbare Liste israelischer Einfuhrbeschränkungen sogenannter Dual-Use-Güter fallen laut einer CNN-Recherche schon seit Kriegsbeginn auch Mobilitätshilfen.

Ich hoffe immer, meine Eltern im Traum zu sehen

Mohammad

Nach der Visite schließt Abu Maschajech die Tür zu Ahmeds Zimmer. „Ehrlich gesagt ist die Arbeit, die wir machen, oft unzureichend, vor allem mit Blick auf die Langzeitfolgen“, sagt er resigniert. Vielen Kindern gehe es nach einigen Wochen in Behandlung im Krankenhaus zwar besser. Gespräche mit der Familie würden helfen, die neue Realität zu akzeptieren. Bettnässen und Albträume würden nachlassen, viele würden wieder beginnen, regelmäßig zu essen.

Um dem Bedarf gerecht zu werden, bräuchte es aber eine massive Ausweitung der psychosozialen Unterstützung. „Angesichts des kollektiven Traumas, das die ganze Gesellschaft betrifft, müssten wir ganz neue Ansätze entwickeln.“ Gereiztheit und Aggression hätten nach Jahren des Lebens in Unsicherheit in der gesamten Bevölkerung zugenommen.

Die Waffenruhe seit Oktober verdient den Namen kaum: Seit ihrem Beginn wurden bei fast täglichen israelischen Luftangriffen und entlang der Gelben Linie fast 1.000 Menschen getötet. Vereinzelt griffen auch Zellen der Hamas und anderer palästinensischer Gruppen israelische Soldaten mit Sprengsätzen und Schusswaffen an.

Tuqa Abu al-Chair ist gerade 18 Jahre alt geworden. Sie war 15, als israelische Soldaten sie mit ihrer Schwester und der Großmutter in ihrem Zuhause in al-Zeitun im Osten von Gaza-Stadt verschleppten. „Es war das Ende meiner Kindheit“, sagt die junge Frau im grünen Pullover heute. Sie sitzt im Wohnzimmer eines Hauses, das die Familie im westlichen al-Zeitun gemietet hat. Das alte Haus liegt unerreichbar hinter der Gelben Linie. Eine Wand fehlt, die Decke wirkt, als könne sie jeden Augenblick zusammenbrechen.

Anfang Dezember 2023 nahm die israelische Armee die Nachbarschaft ein. Fünf Tage lang habe sie sich mit 18 Menschen in einem engen Flur im Haus versteckt, während draußen geschossen wurde, sagt Tuqa. „Als Soldaten die Türe aufrissen, haben wir ge­schrien:­Hier sind Kinder und Frauen! Sie haben trotzdem das Feuer eröffnet“, sagt Tuqa. Ihr dementer Großvater sei in den Kopf und die Brust getroffen worden. Auch zu diesem Vorfall sagte die IDF der taz auf Nachfrage, ihr lägen keine Informationen vor.

Die Soldaten hätten ihren Vater und die Männer festgenommen und sie mit verbundenen Augen gefesselt. „Sie haben mich auf einen Stuhl gesetzt, unter mir auf den Boden geschossen und gefragt, ob ich etwas über bewaffnete Kämpfer weiß.“ Sie sei zusammengebrochen und habe geweint.

Später habe ein Soldat sie alleine in den Keller gebracht und sie für zwei Stunden zu entführten israelischen Geiseln und bewaffneten palästinensischen Gruppen befragt. „Als ich nichts gesagt habe, hat er gedroht, mich zu vergewaltigen.“

Am nächsten Morgen, dem 9. Dezember, seien sie auf Lastwagen über die Grenze gebracht worden. Nachdem man sie von ihrer Großmutter und der Schwester getrennt und ihr Telefon und Schmuck abgenommen habe, sei sie nach Jerusalem gebracht worden. Dort habe sie mehrere Stunden in der Kälte stehen müssen, bevor man sie ins Anatot-Gefangenenlager im israelisch besetzten Westjordanland gebracht habe. „Es war dreckig und voller Insekten dort und das Licht wurde niemals ausgeschaltet.“

Ein Bericht mehrerer israelischer Menschenrechtsorganisationen wie Acri und Hamoked von Dezember 2024 beschreibt ähnliche Zustände: „Die Haftbedingungen im Anatot-Camp sind illegal und kommen Folter gleich.“

Es folgt laut Tuqa eine 55-tägige Odyssee durch ein weiteres Gefängnis bei Haifa und das berüchtigte Gefangenenlager Sde Teiman in der Wüste Negev. Tuqa ist die jüngste Gefangene, andere Mädchen seien 16 oder 17 Jahre alt gewesen, sagt sie. Schläge, Schlafentzug und kaum Nahrung beschreibt sie als Alltag.

Die Armee hat Sde Teiman mittlerweile nach wiederholten Foltervorwürfen geschlossen. Nach dem 7. Oktober 2023 wurden dort zeitweise bis zu 4.000 Palästinenser festgehalten, viele ohne offizielle Anklage. Auch israelische Soldaten haben gegenüber mehreren Medien Vorwürfe erhoben. Laut der New York Times sei damit „geprahlt worden, Gefangene zu schlagen“. Mehrere Reservisten sollen sogar einen Insassen vor laufenden Überwachungskameras vergewaltigt haben.

Das Verfahren gegen die Soldaten wurde im März wegen „Verfahrensschwierigkeiten“ eingestellt. Laut einem Bericht der israelischen Menschenrechtsorganisation Physicians for Human Rights im vergangenen November starben zwischen Oktober 2023 und August 2025 mindestens 94 palästinensische Gefangene in israelischen Gefängnissen.

In Sde Teiman wurden weibliche Gefangene laut Tuqa gezwungen, über Stunden zu knien, ohne sich zu bewegen oder miteinander zu sprechen. Aus dem benachbarten Trakt der männlichen Gefangenen habe sie Schreie gehört. „Mein erster Gedanke war stets: Vielleicht ist es mein Vater oder mein Bruder“, sagt sie.

Nach 55 Tagen wurde das Mädchen zusammen mit ihrer Großmutter und Schwester über den Grenzübergang Kerem Schalom gebracht und freigelassen. „Die Aussicht, meine Mutter wiederzusehen, hat mir im Gefängnis Kraft gegeben, aber dann musste ich ohne sie zurückkehren.“

Ein Jahr lang blieb es zu gefährlich, aus Südgaza zum Rest der Familie in den Norden zu gelangen. Tuqa und ihre Schwester schlugen sich anschließend mit der Großmutter dorthin durch. „Wir mussten uns bei Ausgabestellen um Essen und Wasser bemühen, niemand von uns hatte Geld.“

Heute ist die Familie wieder vereint. Tuqa steht im Hof des neuen Zuhauses und kümmert sich um ihre kleinen Geschwister und eine junge Bananenstaude, die dort zwischen Trümmern wächst. Dass ihre älteren Geschwister ihr Studium aufgeben mussten, weil ihr Vater ohne Arbeit die Studiengebühren nicht mehr bezahlen kann, bereitet ihr Sorge. Die meisten Universitäten im Gaza-Streifen haben den Betrieb wieder aufgenommen, die Studierenden nehmen online an den Seminaren teil. Die Arbeitslosigkeit liegt laut Schätzungen bei 80 Prozent.

Trotzdem lädt sich Tuqa in einem nahegelegenen Café Studienmaterial und Lehrvideos herunter, liest und lernt, wenn sie Zeit findet. Ihren eigenen Traum, erst die Schule zu beenden und dann Krankenschwester zu werden, will sie nicht aufgeben.

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