Kaltfront in Kolumbien: Überschwemmungen trotz Trockenzeit
Ungewöhnlich starker Regen sorgt an der kolumbianischen Atlantikküste für Verwüstungen. Dabei kommen einige üble Praktiken zutage.
Überschwemmungen, Erdrutsche, Riesenwellen, Stromausfälle, Straßen und Brücken weg, Müllberge: Seit Ende Januar stehen mehrere Regionen Kolumbiens unter Wasser. Schuld ist eine Kaltfront in der Karibik, die vom Nordpol über den Golf von Mexiko bis nach Kolumbien zieht. Nach Ansicht mancher Forscher verstärkt der Klimawandel die Häufigkeit dieses Phänomens.
Vor diesem Wochenende hatte das kolumbianische Institut für Hydrologie, Meteorologie und Umweltstudien (IDEAM) vor einer zweiten Kaltfront mit noch mehr Regen gewarnt. Der Höhepunkt wird für Sonntag und Montag erwartet: mit bis zu 3 Meter hohen Wellen und einer Windgeschwindigkeit bis über 30 Stundenkilometern.
Rund 43.000 Familien sind nach Bilanz der Nationalen Einheit für Katastrophenrisikomanagement (UNGRD) bislang von den Folgen der Kaltfront betroffen. Mindestens 14 Menschen sind ums Leben gekommen. Bis auf die Orinoco-Gegend ist fast das ganze Land betroffen, sagt Carlos Carillo, Direktor der UNGRD. Dazu kommt: In der Orinoco-Region wüten aktuell Waldbrände. Das Departamento Córdoba an der Karibikküste verzeichnet mit mehr als 33.000 betroffenen Familien die höchste Zahl an Opfern. Eigentlich ist dort gerade Trockenzeit.
Schifffahrt, Tourismus und Fischerei leiden, Ernten sind zerstört, die Preise für Gemüse sind teils massiv gestiegen. Das Meer, reißende Flüsse und Regenfälle zerstörten binnen Stunden, was Menschen in Jahren aufgebaut hatten. Sie versuchen, ihre Habseligkeiten in Schlauchbooten oder Müllsäcken in Sicherheit zu bringen, warten auf Hilfe. In manchen Gegenden zeigen Luftbilder nur noch Baumkronen.
In Mallama, im Departamento Nariño, tötete eine Schlammlawine am Samstag sieben Menschen. Zwei Häuser verschwanden unter der Erdmasse. Damit steigt die Zahl der Todesopfer auf mindestens 14 Menschen.
Nicht nur in der Karibikstadt Santa Marta kamen wegen der Kaltfront üble Praktiken und mangelnde Infrastruktur ans Licht: Stadtverwaltung, Militär, Müllabfuhr und Studierende und Organisationen der Zivilgesellschaft arbeiten seit Tagen daran, 700 Meter Strand von Tonnen von Müll zu befreien. Die Bewohner:innen hatten ihn in den Fluss Manzanares geworfen, der ins Meer mündet – doch die riesigen Wellen spülten ihn zurück an den Strand.
Die Nationale Einheit für Katastrophenrisikomanagement (UNGRD) hat Präsident Gustavo Petro empfohlen, wegen der Kaltfront den wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Notstand auszurufen. Die humanitäre Hilfe ist angelaufen. Zwar soll die Kaltfront ab Montag abklingen. Die Folgen werden das Land aber noch länger beschäftigen.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert