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KI-Chatbots vs. SuchmaschinenWie lange willst du noch suchen?

Statt mit Google mühselig Quellen zu suchen, beantworten KI-Chatbots Fragen im Handumdrehen. Läuten sie das Ende der Suchmaschinen ein?

i wie Information: Jede Suche beginnt mit einer Frage Foto: Grundler/imago

Etwas im Internet suchen – dafür hat sich nicht grundlos der Begriff „googeln“ etabliert. Heute mischt künstliche Intelligenz die Digitalindustrie auf und könnte radikal verändern, wie wir uns im Netz zurechtfinden. Vier Typen machen deutlich, in welche Richtung sich die Welt der Suchmaschinen entwickelt. Hier ist der Überblick über die wichtigsten Entwicklungen und was sie für die Nut­ze­r:in­nen bedeuten.

Der Titelverteidiger: Google läuft dem Trend voraus

Sie gleicht der Oberfläche eines Sees bei maximal leichtem Wind, so stabil liegt sie da, eine blaue Linie. Der Analysedienst Statcounter weist mit ihr in einem Diagramm den Anteil von Google am weltweiten Suchmaschinenmarkt aus. Seit Beginn der Zahlenreihe im Jahr 2009 hat sich daran nicht viel geändert: Google bringt es auf um die 90 Prozent, mal einen Tick mehr, mal einen weniger. Die Differenzen könnten auch Messungenauigkeiten sein.

Jedenfalls: Seit dem Aufkommen von KI-Chatbots wie ChatGPT im Jahr 2022 ist in diesen Daten kein merkbarer Rückgang zu verzeichnen. Obwohl diese Tools radikal verändern, wie Menschen nach Informationen suchen. Doch tut Google viel, um seine Vormachtstellung zu halten.

Wenn gerade alle auf künstliche Intelligenz setzen, dann kommt diese auch in die Google-Suche. Die sichtbarste Veränderung führte das Unternehmen im vergangenen Herbst ein. In der Suchmaske, neben den Möglichkeiten der Sprach- und Bildersuche, erschien ein weiterer Button: „KI-Modus“. Der macht die Suchmaschine zu einem KI-Chatbot. Nut­ze­r:in­nen geben hier keine Suchwörter mehr ein, sondern schlicht ihre Fragen – und erhalten ausformulierte Antworten.

Für Google könnte sich das auszahlen: Wenn Menschen in ihrem KI-Chat bleiben, anstatt direkt auf den nächstbesten Link zu klicken, kann der Konzern ihnen mehr Werbung präsentieren. Damit ist Google weiter als OpenAI, dem Unternehmen hinter ChatGPT, das von einer stabilen Einnahmequelle noch weit entfernt ist.

Die Gesprächspartner: Chatbots fordern zum Fragen auf

Jede Suche beginnt mit einer Frage. Etwa: Wo ist am neuen Wohnort eine Hausarztpraxis, die noch neue Pa­ti­en­t:in­nen aufnimmt? Suchen Zugezogene darauf Antworten im Netz, müssen sie bislang umdenken, ihre Frage in Schlagwörter verwandeln: Mainz, Hausarzt, Neupatienten. Über Jahrzehnte haben Suchmaschinen ihren Nut­ze­r:in­nen das antrainiert. Nun versuchen KI-Chatbots, dies wieder rückgängig zu machen.

Bei Anbietern wie ChatGPT, Perplexity, Mistral, Googles Gemini, Microsofts Copilot, Consensus oder Apertus, um nur eine Auswahl zu nennen, geben Nut­ze­r:in­nen also ihre Frage ein – und erhalten eine Antwort in ganzen Sätzen, statt einer Linkliste. Manche der Anbieter haben sich spezialisiert, Consensus und Perplexity im wissenschaftlichen Bereich, Copilot in Verbindung mit Windows und Apertus punktet als Open-Source-Entwicklung aus der Schweiz.

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Zwar präsentieren die Anbieter auch die Links zu ihren Quellen – manche sehr dezent, andere deutlicher –, doch zeigt sich eines klar: Den Nut­ze­r:in­nen wird es leicht gemacht, die Botantworten als gegeben zu akzeptieren und nicht weiter nachzuforschen. Dabei liefern Chatbots ständig falsche Informationen und berufen sich auf nicht existente Quellen.

Verlage und andere Anbieter von Inhalten im Netz fürchten zudem, dass künftig immer weniger Menschen den Weg auf ihre Seiten finden werden. Aus gutem Grund: Am Ende einer Antwort bieten Chatbots die Möglichkeiten, weiterzufragen, damit Nutzende möglichst lange dranbleiben.

Die Invasiven: Agenten können Ihr Leben regeln

Was, wenn Nut­ze­r:in­nen gar nicht mehr selbst suchen müssten? Als der Entwickler Nick Davidov kürzlich den Computer seiner Frau aufräumen sollte, beauftragte er den KI-Agenten Claude Cowork. Dieser gehört zu einer recht jungen Spielart von künstlicher Intelligenz, die komplexe Aufgaben erledigen kann, wie Webseiten erstellen oder eben PCs aufräumen.

Dafür benötigen sie Berechtigungen, etwa Zugriff auf Ordner sowie Lösch- und Schreibrechte. Davidovs KI-Agent jedenfalls machte einen Fehler – und löschte kurzerhand einen guten Teil der Fotos von dessen Frau: Erinnerungsbilder, Urlaubsfotos – weg.

Es sind spektakuläre Fälle wie dieser, mit denen die Technologie derzeit Schlagzeilen macht. Dennoch nimmt ihre Verbreitung zu. Menschen nutzen sie für die Feierabendplanung, zur Kommunikation mit Unternehmen oder für ihre Einkäufe. KI-Agenten nehmen den Nut­ze­r:in­nen dabei zahlreiche Entscheidungen ab, für die sie sonst eine Suchmaschine verwendet hätten: Wo kaufe ich am besten einen Gebrauchtwagen? Was ist der günstigste Flug am Tag X nach Y und wie ist das Wetter dort? Welches Restaurant eignet sich für ein romantisches Dinner zu zweit?

Doch ergeben sich aus ihrer Nutzung zahlreiche Risiken, allen voran die Haftungsfrage: Wer zahlt, wenn der KI-Agent das falsche Auto kauft, das Konto leerräumt oder gegen Gesetze verstößt? Bei den Fotos von Davidovs Frau ist es immerhin gut ausgegangen: Der Entwickler konnte mit einer Recovery-Funktion die meisten wieder herstellen.

Die Unabhängigen: Ecosia will eine Alternative sein

Wenn Po­li­ti­ke­r:in­nen in den vergangenen Jahren über die europäische Technologiebranche sprachen, dann forderten sie stets: Das nächste Google müsse aus Europa kommen. Googles Suchmaschine stand dabei als Chiffre für eine bahnbrechende technologische Entwicklung. Ein europäisches Google ist noch nicht in Sicht. Dabei bräuchte es das heute mehr denn je.

Europas digitale Infrastruktur ist in weiten Teilen von den USA abhängig. Trumps zweite Amtszeit verschärft die Lage. Er könnte, so die wachsende Befürchtung in Europa, die Dienste der Tech-Konzerne hierzulande aus politischen oder ökonomischen Gründen einschränken oder verbieten. Nut­ze­r:in­nen sind zudem den Standards und Algorithmen der Tech-Unternehmen ausgeliefert und kommen nicht umhin, sie mit ihren Daten zu trainieren.

Aber es tut sich auch etwas: Ein eigener Suchindex soll der digitalen Unabhängigkeit von den USA einen Schub geben. Ähnlich einem Katalog aller Inhalte im Internet bildet ein Suchindex die Basis einer jeden Suchmaschine. Einen solchen Index baut die deutsche Suchmaschine Ecosia derzeit gemeinsam mit ihrem französischen Partner Qwant auf. Bei Qwant kommen die französischen Ergebnisse bereits aus dem eigenen Index, bei Ecosia sollen in diesen Wochen die ersten Ergebnisse auf Deutsch ebenfalls aus der eigenen Sammlung folgen.

Wer also in Zukunft Google, Microsofts Bing oder ChatGPT nicht mit den eigenen Gedanken und Daten füttern will, hat so eine Alternative.

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