Jüngste Luftangriffe auf die Ukraine: Planmäßig und zielgerichtet
Über Weihnachten hat Russland die Ukraine so schwer angegriffen, wie schon lange nicht mehr. Silvester dürfte das Bomben weitergehen.
G lauben Sie noch an den Weihnachtsmann? Eben. Von ähnlicher Güte ist die jüngste Märchenstunde des Kremls, mit der dieser die massiven Angriffe auf die kritische Infrastruktur in der Ukraine begründet – pünktlich zum Christfest versteht sich. Besagte Objekte unterstützten den militärindustriellen Komplex in der Ukraine, heißt es da, alle Ziele seien erreicht worden.
Wahrscheinlich ist das auch die Rechtfertigung für den Angriff auf den Zentralmarkt in Nikopol mit mehreren Schwerstverletzten an diesem Donnerstag. Die südukrainische Großstadt liegt ohnehin unter russischem Dauerbeschuss. Auch da dürfte sich unter so manchem Gemüsestand wohl noch das eine oder andere Waffendepot finden lassen. Mehr Zynismus geht nicht.
Präsident Wolodymyr Selenskyj hat anlässlich dieser jüngsten Angriffswelle die Frage gestellt, was noch inhumaner sein könnte. Aber würde jemand allen Ernstes von Russland derzeit etwas anderes erwarten? Die gezielte planmäßige Zerstörung von kritischer Infrastruktur ist fester Bestandteil der „Spezialoperation“. Frischfleisch hat Präsident Wladimir Putin offensichtlich noch genug. Hohe Verluste, ob bei den Nordkoreanern im Gebiet Kursk oder den eigenen Leuten: uninteressant. Die Waffenproduktion in Russland, das auf Kriegswirtschaft umgestellt hat, läuft auf Hochtouren. Warum sollte es Moskau mit etwaigen Verhandlungslösungen eilig haben?
Derweil durchleiden die Ukrainer*innen ihren dritten Kriegswinter. Zu Erschöpfung gesellt sich die Angst, ob es nicht doch über den Kopf Kyjiws hinweg, zu einem Diktatfrieden kommen könnte. Die Furcht ist berechtigt. Von einem Konsens der europäischen Staaten kann keine Rede sein. Was von Donald Trump ab dem 20. Januar 2025 zu erwarten ist: unklar.
Klar hingegen ist, dass russische Truppen weiter bomben werden. Als nächstes symbolträchtiges Datum böte sich der 31. Dezember an. Frohes neues Jahr? Für die Menschen in der Ukraine wohl kaum.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert