Krieg in der Ukraine: „Weihnachtsgrüße“ aus Moskau
Russische Truppen greifen erneut Energieanlagen in mehreren ukrainischen Städten an. Auch Tote und Verletzte sind zu beklagen.

Energieminister German Galuschtschenko sagte, Russland greife „den Energiesektor erneut massiv an“, es würden daher Maßnahmen zur Begrenzung des Stromverbrauchs ergriffen. Im ganzen Land wurden entsprechende Notfallpläne umgesetzt. Der Energieversorger DTEK, der in der Ukraine unter anderem Öl- und Gaskraftwerke betreibt, meldete schwere Beschädigungen an der Ausrüstung von Wärmekraftwerken. „In diesem Jahr ist dies der 13. massive Angriff auf den ukrainischen Energiesektor und der 10. massive Angriff auf die Energiebetriebe des Unternehmens, heißt es in einer Pressemitteilung des DTEK.
In Charkiw, Dnipro, Krementschug, Krywyj Rih und anderen Städten des Landes waren zahlreiche Explosionen zu hören. Charkiw, sei „einem massiven Raketenangriff ausgesetzt. Es fliegen immer noch ballistische Raketen auf die Stadt zu“, schrieb Bürgermeister Ihor Terekhov am Mittwoch morgen auf der Social-Media-Plattform Telegram. Der Gouverneur von Dnipropetrowsk, Serhij Lysak, berichtete, die Provinz habe „seit dem Morgen unter schweren Angriffen“ gelitten, russische Streitkräfte hätten versucht, das Energiesystem der Region zu zerstören. Eine Person sei getötet worden.
Moskau schweigt
Bereits in der Nacht zu Mittwoch war es zu einer Reihe von Raketenangriffen auf Charkiw gekommen, zwei Verletztewurden ins Krankenhaus gebracht, teilte das ukrainische Innenministerium mit. In der Stadt seien mehrere Brände ausgebrochen, Wohngebäude, zivile Infrastruktur und Autos beschädigt worden. Die Regionalverwaltung meldete mindestens sechs Verletzte.
Ebenfalls in der Nacht zu Mittwoch meldete die ukrainische Luftwaffe den Start einer Gruppe russischer strategischer Tu-95MS-Bomber, am Morgen wurden Starts von Marschflugkörpern vom Typ Kalibr vom Schwarzen Meer aus registriert. Moskau äußerte sich zunächst nicht zu den Angriffen auf den ukrainischen Energiesektor.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj meldete sich auf Telegram zu Wort. „Jeder russische Großangriff erfordert Zeit zur Vorbereitung. Dies ist nie eine spontane Entscheidung. „Das ist eine bewusste Wahl nicht nur der Ziele, sondern auch der Zeit und des Datums“, schrieb er. Russlands Präsident Wladimir Putin habe „Weihnachten bewusst für einen Angriff gewählt“.
„Was könnte unmenschlicher sein? Mehr als 70 Raketen, darunter auch ballistische, und mehr als hundert Angriffsdrohnen. Ziele sind unsere Energieanlagen. Sie kämpfen weiterhin für einen Stromausfall in der Ukraine“, so Selenskyj. Ihm zufolge seien mehr als 50 Raketen und „ein erheblicher Teil der Drohnen“ abgeschossen. Leider gebe es auch Treffer“, in mehreren Regionen komme es zu Stromausfällen.
Tote im Gebiet Kursk
Schon bei einer ähnlichen Angriffswelle auf die Ukraine am 13. Dezember haben russische Truppen mehr als 90 Raketen und mehr als 200 Drohnen eingesetzt. Ukrainischen Angaben zufolge seien 81 Raketen jedoch abgeschossen worden.
Auch in der russischen Region Kursk, die zu Teilen von ukrainischen Truppen besetzt ist, gab es weitere Opfer. In der Stadt Lgow sind bei einem ukrainischen Artillerieangriff vier Menschen getötet und fünf verletzt worden, teilt der amtierende Gouverneur Alexander Chinschtein auf Telegram mit.
„Ein fünfstöckiges Wohngebäude, zwei einstöckige Wohngebäude und ein einstöckiger Schönheitssalon wurden schwer beschädigt“, erklärte er. Durch die Druckwelle seien Fenster in benachbarten Privathäusern zerbrochen sowie mindestens zwölf Autos beschädigt worden. Auch ein kleiner Abschnitt einer Gasleitung sei durch die Explosion zerstört worden. In der vergangene Woche wurden nach russischen Angaben bei einem ukrainischen Raketenangriff auf Rylsk, eine andere Stadt in dem an die Ukraine grenzenden Gebiet Kursk, fünf Menschen getötet worden.
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