Israelische Angriffe im Südlibanon: Kämpfe um Knotenpunkt von Hisbollah eskalieren
Trotz Waffenruhe greif Israel im Libanon weiter an. Zentral ist dabei ein Tunnelsystem der Hisbollah-Miliz unter einem Hügel bei Ali al-Taher.
Während diplomatische Gespräche zwischen Libanon und Israel stagnieren, setzt Israels Armee ihre Angriffe im Südlibanon gegen eine Hisbollah-Stellung fort. Zentraler Ort ist dabei der Ali-al-Taher-Gebirgsrücken. Er liegt nur 600 Meter über dem Meeresspiegel, bietet aber Aussicht über die Stadt Nabatija und wichtige Routen südlich des Flusses Litani. Das Gebiet bis zum Fluss hält Israel besetzt, ultrarechte Minister fordern, dort völkerrechtswidrig die neue israelische Grenze auszurufen.
Für die Hisbollah ist das Gebiet Nabatija ein wichtiger Knotenpunkt für Waffenlieferungen mit Verbindung zur Bekaa-Ebene Richtung Syrien. Unter dem Hügel hat die von Iran unterstützte Miliz ein Bunker- und Tunnelsystem gebaut. Für Israels Armee würde die Einnahme von Ali al-Taher die Einnahme des gesamten Gebiets und eines strategischen Überwachungspunkts bedeuten. Dort war bis zum Jahr 2000 eine der wichtigsten befestigten Stellungen Israels bei der damaligen Besatzung.
Israel verkündete bereits am 26. Juni, das Gebiet eingenommen zu haben, die Hisbollah widersprach. Zurzeit verstärkt die israelische Armee ihre Angriffe auf Ali al-Taher. Libanesischen Medien zufolge sind dort etwa 40 Kämpfer eingekesselt. Darunter seien Hisbollah-Kämpfer und Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden, berichtet die libanesische Tageszeitung L’Orient-Le Jour.
Demnach nutzte die Armee Roboter und ferngesteuerte Fahrzeuge, um die Tunneleingänge zu lokalisieren. Dann sollen die Soldaten giftiges Gas in den Tunnel geleitet haben. Die Einkesselung würde bedeuten, dass die Hisbollah-Kämpfer nicht nur von Waffen, sondern auch von Essen und Wasser abgeschnitten sind. Libanesische Medien gehen davon aus, dass Israels Armee Ali aö-Taher in Kürze stürmen wird. Solche Berichte, die sich auf libanesische Quellen beziehen, finden sich auch in israelischen Medien.
Eine Anfrage der taz an das israelische Militär dazu blieb bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung unbeantwortet. Premier Benjamin Netanjahu erklärte aber am Sonntag: „Israel ist in den letzten Tagen im Libanon entschlossen vorgegangen und hat Terroristen ausgeschaltet, unter anderem auf dem Ali-al-Taher-Gebirgsrücken.“ Und fuhr fort, er könne keine weiteren Einzelheiten nennen. „Wir befinden uns inmitten einer sehr wichtigen Operation.“
Dass sich Netanjahu mit weiteren Details zurückhält, liegt wohl auch an den bilateralen Verhandlungen. Zwischen Israel und Libanon, mit Vermittlung der USA, sollten derzeit eigentlich Gespräche um eine Friedenslösung für den Südlibanon stattfinden. Doch nun stehen sie still.
Ali al-Taher sei Teil dieser bilateralen Gespräche gewesen, berichtet das saudische Medium Asharq Al-Awsat. Erste Vorschläge sahen vor, dass die israelische Armee aus dem Gebiet um die Beaufort-Burg abziehen soll, um sie von Nabatija fernzuhalten. Israel soll darauf bestanden haben, Ali al-Taher noch zu erreichen. Die Hisbollah soll Vorschläge zur Einrichtung eines sicheren Korridors für ihre Kämpfer, die Einnahme der militärischen Anlage durch Libanons Armee und den Abtransport der Waffen abgelehnt haben.
Warum die Gespräche darüber hinaus stocken: Israels Regierung weigert sich, die völkerrechtswidrige Besatzung von über 60 Dörfern im Südlibanon zu beenden. Die Hisbollah weigert sich, ihre Waffen abzugeben. Libanons Regierung droht, der nächsten Gesprächsrunde in Rom fernzubleiben. Über 30 Dörfer im Südlibanon sind durch israelische Angriffe Berichten zufolge zerstört, mehr als 300.000 Bewohner*innen bleiben vertrieben.
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