piwik no script img

Israel und die HisbollahKein Aufatmen im Libanon – stattdessen noch mehr Krieg

Julia Neumann

Kommentar von

Julia Neumann

Netanjahu will seine Militäroffensive in Libanon weiterführen. Libanesen haben zu Recht Angst, dass diese bis zu den israelischen Wahlen andauert.

Die israelischen Luftangriffe auf Beirut, Libanon, gehen weiter Foto: Hassan Ammar/AP/dpa

D ie ganze Welt atmet nach dem Waffenstillstandsdeal zwischen den USA und Iran auf. Nur nicht Libanon. Denn Israel möchte das Abkommen mit Blick auf Iran berücksichtigen – aber in Libanon ignorieren. Obwohl Pakistan als Waffenstillstandsvermittler sagt, der Deal gelte auch für Libanon. Das ist fatal, denn es gibt keine eigene diplomatische Initiative für einen Libanon-Israel-Deal.

Während die Hisbollah Raketenangriffe eingestellt hat, geht die israelische Offensive in Libanon weiter. In der Nacht auf Mittwoch war die israelische Überwachungsdrohne in Beirut so laut wie selten, am Mittag vibrierte die Erde der libanesischen Hauptstadt mal wieder wegen der israelischen Bombardierung.

Ein Déjà-vu: Auch am 27. November 2024 trat ein Waffenstillstand in Kraft, ausgehandelt zwischen Israels und Libanons Regierung. Die Hisbollah schoss keine Rakete mehr ab, Israel griff in Libanon trotzdem täglich an. Überwachungsdrohnen surrten am Himmel über Libanon, Soldaten besetzten fünf Punkte militärisch, israelische Panzer rollten sporadisch im Südlibanon ein. Ein Komitee aus libanesischem Militär, Vertretern der USA, Frankreich und der UN-Mission Unifil sollte Verstöße überwachen, war aber unfähig, die über 10.000 gezählten Verstöße zu ahnden oder verhindern.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten, linken Meinungsspektrums.

Die Verhandlungen über einen Waffenstillstand in Iran waren die einzige Hoffnung für einen Waffenstillstand zwischen der Hisbollah und Israel. Bisher hatte Iran als größter Finanzier der Hisbollah darauf bestanden, dass ein USA-Iran-Abkommen auch Libanon mit einschließt. Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verwies darauf, dass das Iran-USA-Abkommen auch für Libanon gelte. Die libanesische Regierung hatte Israel direkte Gespräche angeboten, die Israel bisher abgelehnt hat.

Denn dem wegen Kriegsverbrechen mit Haftbefehl gesuchten Benjamin Netanjahu drohen seine rechtsextremen Minister, die Koalition auseinanderfliegen zu lassen. Die Menschen in Libanon haben zu Recht Angst, dass der Krieg nicht endet. Zumindest so lange nicht, bis es in Israel Wahlen gibt. Die sind erst für Herbst angesetzt.

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Julia Neumann
Korrespondentin Libanon
Auslandskorrespondentin für Westasien mit Sitz in Beirut. Hat 2013/14 bei der taz volontiert, Journalismus sowie Geschichte und Soziologie Westasiens studiert. Sie berichtet aus dem Libanon, Syrien, Iran und Irak, vor allem über Kultur und Gesellschaft, Gender und Fragen der sozialen Gerechtigkeit. Für das taz Wasserprojekt recherchierte sie im Libanon, Jordanien und Ägypten zu Entwicklungsgeldern.
Mehr zum Thema

0 Kommentare

  • Noch keine Kommentare vorhanden.
    Starten Sie jetzt eine spannende Diskussion!