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Internationale Luftfahrtausstellung ILABundesregierung will hoch hinaus

Kanzler Merz hat bei der Luftverkehrsmesse ILA bei Berlin die neue nationale Luftfahrtstrategie vorgestellt. Das Klima komme dabei zu kurz, kritisieren Verbände.

Nanja Boenisch

Aus Schönefeld

Nanja Boenisch

Die Bundesregierung möchte der klimaschädlichen Luftfahrt in Deutschland zu Wachstum verhelfen. Das machte sie am Mittwoch mit ihrer neuen Luftfahrtstrategie deutlich, die Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zum Start der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung ILA im brandenburgischen Schönefeld vorstellte.

Als Merz am Mittwochmittag dort eintrifft, ist der Himmel über dem Messegelände nahe dem Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) grau. Regenschauer treiben die vielen Be­su­che­r:in­nen immer wieder in eine der drei Ausstellungshallen zu den Themen zivile Luftfahrt, militärische Luftfahrt und Raumfahrt.

Draußen auf dem nassen, windigen Flugfeld sind große Passagierflugzeuge, ein Airbus A350-1000 und kleinere militärische Fluggeräte wie das Kampfflugzeug Eurofighter Typhoon ausgestellt. Bisweilen schallt das ohrenbetäubende Röhren von Triebwerken über das Gelände bis hinein in die Hallen, wenn eine Maschine für eine Flugshow startet.

Mit der Luftfahrtstrategie nun wollen der Kanzler und seine Mi­nis­te­r:in­nen „Deutschland zu einem führenden Standort für eine nachhaltige, sichere und wettbewerbsfähige Luftfahrt“ machen. Das teilte die Bundesregierung mit, nachdem das Kabinett die Strategie am Mittwochvormittag noch vor Merz' Besuch auf der ILA abgesegnet hatte. Der Entwurf, über den das Kabinett abgestimmt hat, liegt der taz vor.

Verbände und Grüne machen Gegenvorschlag

Demnach steckt sich der Bund vier Ziele für die deutsche Luftfahrt: Er will sie dabei unterstützen, „ökonomisch und technologisch wettbewerbsfähig“ zu sein. Die Luftverkehrsbranche solle Deutschlands Souveränität und Verteidigungsfähigkeit sichern, mit zivilen und militärischen Sicherheitstechnologien. Die Regierung will die Luftfahrt „mit strukturellen Reformen und einer Verbesserung der allgemeinen Rahmenbedingungen“ fördern, um Lieferketten zu sichern und wirtschaftliche „Resilienz“ zu stärken. Und sie will die Luftfahrt klimaschonender und umweltverträglicher machen, etwa indem sie die Herstellung nachhaltiger Flugkraftstoffe (Sustainable Aviation Fuels, kurz: SAF) hochfährt.

So verweist die Bundesregierung in ihrer Strategie zum Beispiel darauf, dass sie eine Forschungsanlage für SAF in Leuna in Sachsen-Anhalt mit insgesamt rund 277 Millionen Euro fördert. Die Maßnahme ist allerdings nicht neu, Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) überreichte den Förderbescheid schon im November 2025. Darüber hinaus wird in dem Strategiepapier eine Förderung für SAF-Produzenten in Höhe von 2 Milliarden Euro über den Bundeshaushalt 2026 genannt.

Noch ist die SAF-Herstellung aufwendig und teuer, nachhaltige Flugkraftstoffe sind deshalb nur begrenzt verfügbar. Um das ändern zu können, seien die 2 Milliarden Euro Förderung „ein wichtiger erster Schritt“, sagt Siegfried Knecht, Vorstand der Initiative für Flugkraftstoffe aus regenerativen Energien (Aireg) am Stand der Aireg auf der Luftfahrtmesse. Um die Mengen SAF zu liefern, die langfristig für einen nachhaltigen Luftverkehr benötigt werden, reiche die Förderung aber nicht aus.

Wachstum des Luftverkehrs bedeutet mehr Lärm und mehr gesundheitsschädliche Schadstoffe

Werner Kindsmüller, Bundesvereinigung gegen Fluglärm

„Der Hochlauf erneuerbar erzeugter synthetischer Flugkraftstoffe wird nicht ausreichend ambitioniert angepackt“, kritisiert auch Anja Köhne, Referentin für klimaneutralen Flugverkehr bei Germanwatch. Die Umweltorganisation bemängelt gemeinsam mit der Bundesvereinigung gegen Fluglärm (BVF) und dem Verkehrsklub VCD: Die Luftfahrtstrategie beschwöre vor allem Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit des Luftverkehrs, „ohne ausreichende Antworten auf die Herausforderungen des Klima-, Gesundheits- und Ressourcenschutzes zu geben“.

„Wachstum des Luftverkehrs bedeutet mehr Lärm und mehr gesundheitsschädliche Schadstoffe“, sagt Werner Kindsmüller, Präsident der BVF. „Gleichzeitig werden die besonders klimaschädlichen Nicht-CO2-Effekte des Luftverkehrs weiterhin vernachlässigt“, ergänzt Köhne von Germanwatch.

Um Verbesserungen aufzuzeigen, haben die Verbände ihrerseits Leitlinien für den deutschen Luftverkehr ausgearbeitet. Darin fordern sie die Bundesregierung unter anderem auf, einen konkreten Handlungsplan für klimaneutrales Fliegen bis spätestens 2050 vorzulegen und die Reduktion des klimaschädlichen Fliegens weiter voranzutreiben, indem Reisen auf die Schiene verlagert werden.

Ein weiterer Gegenvorschlag zur Luftfahrtstrategie der Bundesregierung kommt aus der Opposition: Tarek Al-Wazir (Grüne), Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Bundestag, macht sich in einem Autorenpapier zum Beispiel dafür stark, Premiumtickets, Privatjets und Langstreckenflüge stärker zu besteuern. Oder Einnahmen aus der Luftverkehrsteuer in nachhaltige Flugkraftstoffe zu investieren – ein Vorschlag, den auch Aireg-Vorstand Knecht auf der ILA macht, als der Himmel über dem Messegelände am Nachmittag wieder etwas aufgeklart ist.

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