Solidarität in der Klimakrise: Hitze ist keine Privatsache
Immer häufiger steigen die Temperaturen über 30 Grad. Sieben Vorschläge, mit denen wir uns gegenseitig durch die nächste Hitzewelle helfen können.
Foto: Sebastian Wells/Ostkreuz
Hitze ist Stress für den Körper. Je länger und stärker eine Hitzewelle anhält, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit für einen Hitzschlag. Schwitzen reicht dann nicht mehr aus, um den Körper zu kühlen. Besonders gefährdet sind alte und kranke Menschen sowie Kleinkinder, da ihre Körper sich schlechter an hohe Temperaturen anpassen können.
In diesem Sommer sind laut Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) in Deutschland bereits 9.800 Menschen an den Folgen von Hitze gestorben. In der Statistik der Hitzetoten ragt das Jahr 2026 schon jetzt über die Balken der Vorjahre hinaus. Zum Vergleich: Für 2025 geht das RKI von insgesamt 2.600 Hitzetoten aus.
Nach der Hitzewelle im Juni dieses Jahres schlugen deshalb viele Kliniken in Deutschland Alarm. Die Notaufnahmen waren voller dehydrierter Menschen. Das Stuttgarter Robert Bosch Krankenhaus schaffte sogar eine Eismaschine an, um so die Körpertemperatur von überhitzten Patient:innen zu senken. Die Methode: Die Menschen werden zum Abkühlen in einen Leichensack gesteckt, der mit Wasser und Eis gefüllt wird. Das klingt makaber, ist aber gleichzeitig die Realität im Sommer 2026.
Gegen die extremen Temperaturen kann man akut nichts unternehmen. Aber es gibt Wege, wie man gemeinschaftlich besser durch die nächste Hitzewelle kommen kann. Hier sind sieben davon.
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1 Aufeinander achten
2003 erlebte Frankreich einen verheerenden Hitzesommer, 15.000 Menschen starben an den Folgen der Hitze. Danach wurden zwei Faktoren identifiziert, die die vielen Toten begünstigten: Ignoranz und Isolation. Die Franzosen fuhren damals in die Ferien, zurück blieben die Alten, die allein in ihren heißen Wohnungen starben. Seitdem wird Hitze in Frankreich als soziale Aufgabe betrachtet, die gemeinschaftlich angegangen werden muss. In Deutschland muss dieses kollektive Bewusstsein noch wachsen.
An heißen Tagen gilt also einmal mehr: Nach älteren Menschen schauen. Haben sie genug getrunken? Wie fühlen sie sich? Das kann man nicht nur die eigenen Großeltern fragen, sondern auch die alleinlebende Nachbarin, den Mann in der Supermarktschlange, die Frau in der Bahn. Denn im Alter nimmt das Durstgefühl ab, ältere Menschen dehydrieren leichter.
Bei Älteren lässt sich übrigens einfach testen, ob sie zu wenig getrunken haben. Wenn man die Haut an der Hand hochzieht, sie wieder loslässt und sich die Haut nur sehr langsam wieder glättet, ist die Person wahrscheinlich dehydriert oder auf dem Weg dahin.
2 Gemeinsam querlüften
Tagsüber sollten die Fenster zugehängt und geschlossen sein. Aber sobald es abends abgekühlt ist, hilft es, quer durch die Wohnung zu lüften, sodass ein Luftzug entsteht. Wenn alle eigenen Fenster auf der Sonnenseite liegen, kann man bei den Nachbarn um Hilfe bitten und fragen, ob man durch die geöffneten Wohnungstüren lüften kann. So kann sich kühle Luft über den Hausflur austauschen. Und wer in einer Erdgeschosswohnung wohnt, kann den Nachbarn aus dem Dachgeschoss anbieten, sich für ein paar Stunden unten abzukühlen.
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3 An Obdachlose denken
Menschen ohne Obdach sind durch Hitze besonders gefährdet, weil sie ihr permanent ausgeliefert sind und sie nicht immer einfach an Trinkwasser kommen. An heißen Tagen kann man Menschen, die auf der Straße leben, deshalb mit einfachen Dingen unterstützen, etwa einer Wasserflasche, Sonnencreme oder einer Kopfbedeckung. Schläft jemand in der prallen Sonne, sollte man die Person höflich ansprechen und fragen, ob sie Hilfe oder einen Platz im Schatten braucht. Bei Anzeichen eines Hitzschlags – etwa starke Kopfschmerzen, Übelkeit, Verwirrtheit – und wenn die Person einverstanden ist oder sogar nicht mehr ansprechbar, sollte ein Krankenwagen gerufen werden.
4 Kühle Räume anderen zeigen
Für viele Städte gibt es bereits Karten, in denen öffentliche Orte zum Abkühlen eingetragen werden. Alte Kirchengebäude bleiben verlässlich kalt und öffnen ihre Räume oft für alle zum Ausruhen. Auch in Museen kann man teilweise ausharren, ohne ein Ticket kaufen zu müssen. In den Karten werden auch Trinkbrunnen oder schattige Parks markiert. Einer älteren oder obdachlosen Person, die einen kühlen Ort für die Mittagsstunden sucht, kann man mit diesen Karten weiterhelfen.
5 Hitzetelefonnummern verbreiten
Städte wie Köln, Bielefeld, Würzburg und Berlin haben in den Sommermonaten Hitzetelefone eingerichtet – für manche muss man sich allerdings vorab registrieren. Die Nummern können insbesondere ältere Menschen anrufen, wenn sie sich wegen der Hitze Sorgen machen oder Hilfe benötigen. Teilweise werden Hitzepaten zugeteilt, die sich an heißen Tagen um eine ältere Person in der Nachbarschaft kümmern. Sie gehen für sie einkaufen oder fragen nach, ob genug getrunken wurde. Wer die Möglichkeit hat, kann sich als Pate melden.
6 Auf Sport verzichten
Dieser Punkt mag für manche radikal erscheinen, doch auch er ist solidarisch. Denn selbst als junger, fitter und gesunder Mensch sollte man an heißen Tagen keinen anstrengenden Sport machen, insbesondere nicht im Freien. Bei Temperaturen über 30 Grad ist die gewohnte Laufstrecke sehr viel herausfordernder für den Körper. Notaufnahmen sind an heißen Tagen oft überlastet – auf noch mehr überhitzte Personen, die sich beim Sport unnötig verausgabt haben, können Krankenhäuser verzichten. Wer auf sein Training dennoch nicht verzichten kann: sehr früh oder sehr spät joggen gehen, wenn es kühler ist.
7 Erste Hilfe lernen
Wie erkennt man einen Hitzschlag? Wie hilft man bei einem Kreislaufkollaps? Wer sich auf den Ernstfall vorbereiten will, kann sich für einen Erste-Hilfe-Kurs anmelden. Der wird übrigens von den meisten Arbeitgebern übernommen und gilt offiziell als Arbeitszeit, weil jeder Betrieb Ersthelfer:innen braucht.
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