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Homophobie beim WM-Spiel in MexikoDie Sache mit dem Schrei

Mexikanische Fans fallen im Spiel gegen Ecuador mit homophobem Gebrüll auf. Ein altes Problem, das auch eine Kampagne vor der WM nicht beseitigen kann.

Schon wieder konnte es nicht verhindert werden. Kann das denn wahr sein? Weit über ein Jahrzehnt geht das nun so. Im Interesse des mexikanischen Nationalteams wäre es gewiss gewesen, dass nach dem 2:0-Triumph gegen Ecuador und dem Einzug ins Achtelfinale weltweit nur über die große Fußballparty im Land gesprochen worden wäre. Aber da waren wieder diese hässlichen Störgeräusche.

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Die taz bei der Fußball-WM

Der Ball ist rund und die taz ist ihm dicht auf den Fersen. Unsere Reporterin Alina Schwermer ist auf einem Roadtrip (meist) per Bus und berichtet in Reportagen und in ihrem Blog – manchmal auch aus den Stadien, aber noch viel öfter über alles drumherum. Alle Spiele werden von ausgeschlafenen tazler:innen für Sie hier in „Alle Spiele“ kurz zusammengefasst. Dann gibt es das ganz geheime Tagebuch von Fifa-Dingsbums Gianni Infantino. Und alles andere rund um die WM finden Sie hier.

Auf dem Portal der mexikanischen Zeitung La Razón kann man sie nachhören. Mit ohrenbetäubenden Pfiffen wurde der Anlauf von Hernán Galíndez, dem Torhüter Ecuadors, zum Abstoß begleitet, und als er den Ball trat, war der Schrei „puto“ (ins Deutsche am ehesten mit dem Wort „Stricher“ zu übersetzen) überdeutlich zu vernehmen. In mexikanischen Stadien scheint diese homophobe Fanfolkore eben einfach dazuzugehören – allen Strafen zum Trotz.

Die Puto-Rufe waren schon bei der WM 2014 in Brasilien zu hören, Manuel Neuer wurde bei der WM 2018 in Moskau von mexikanischen Fans entsprechend geschmäht. Das gleiche Schicksal ereilte gegnerische Torhüter bei der WM 2022 in Katar, bei allen anderen möglichen Wettbewerben und in Freundschaftsspielen.

Der mexikanische Fußballverband dürfte die Übersicht verloren haben, wie viele Geldstrafen er dafür schon entrichten musste. Allein für die Vorfälle bei der letzten WM 2022 waren es 114.000 US-Dollar. Sogar Geisterspiele wurden dem Verband schon auferlegt. Erst vergangenen Mai, beim mexikanischen WM-Testspiel gegen Ghana, hatte die Fifa wieder einmal Sanktionen wegen dieser Rufe verhängt und Teilbereiche im Stadion von Puebla für Zuschauer gesperrt.

Fußballlegende Hugo Sánchez meldet sich zu Wort

Die verzweifelte Angst, als Co-Gastgeber dieser WM erneut verhaltensauffällig zu werden, war groß, weshalb trotz zahlloser fruchtloser Kampagnen in der Vergangenheit, zum Beispiel „Ruft was ihr wollt – aber nichts, was uns aus dem Spiel nimmt“, vom Fußballverband wieder eine neue ins Leben gerufen wurde. Neben dem derzeitigen Nationaltrainer Javier Aguirre meldete sich dabei auch Mexikos größte Fußballlegende Hugo Sánchez zu Wort.

„La Ola Sí, El Grito No“ heißt die aktuelle Kampagne, was so viel bedeutet wie: „Ja zur La-Ola-Welle, Nein zum Schrei“. Wie die Partie gegen Ecuador zeigte, ist auch diese erfolglos geblieben. Dass einfach nur von dem Schrei und nicht von Homophobie die Rede ist, beschreibt möglicherweise ein Grundproblem. Es besteht eine Scheu, die Dinge beim Namen zu nennen.

In Mexiko streiten viele Menschen ab, dass das Wort „puto“ eine eindeutig homophobe Note hat. Obwohl es im derben Alltagssprachgebrauch auch gleichbedeutend für „Feigling“ genutzt wird, ist allerdings die herabwürdigende sexuelle Herkunft des Wortes nicht zu leugnen.

Freilich ist Homophobie und Sexismus unter Fans kein exklusiv mexikanisches Problem. Bei der WM 2018 verhängte die Fifa auch gegen Argentinien, Peru und Uruguay Strafen, die mit explizit diskriminierenden Gesängen auffielen. Homophobe und sexistische Beschimpfungen gehören ebenfalls zum deutschen Fußballalltag, auch wenn sie im Profibereich eher selten orchestriert vorgetragen werden. Der letzte massive Vorfall trug sich im März 2025 beim Drittligaspiel zwischen Verl und Rot-Weiss Essen zu. Die Gästefans beschimpften die Schiedsrichterin Fabienne Michel als „Hure“ und sangen: „Die Blonde wird gef***, olé, olé.“

Interessant wird nun zu sehen sein, wie die Fifa auf die Vorfälle beim Spiel in Mexiko-Stadt reagiert. Nach seinem eigenen Regelwerk, dem sogenannten Drei-Stufen-Verfahren, hätte das Schiedsrichterteam nach den „Puto“-Rufen die Partie unterbrechen müssen und der Stadionsprecher oder die Stadionsprecherin das Publikum auffordern müssen, mit den Schmähungen aufzuhören. Hätte all das nichts genutzt, hätte die Partie in einem letzten Schritt abgebrochen werden müssen.

Möglicherweise haben die mexikanischen Fans ihre homophobe Folklore im Bewusstsein möglicher strengerer Strafen bewusst dosiert vorgetragen. Von weiteren Rufen dieser Art im Verlaufe der Partie wurde jedenfalls nicht berichtet. Es war wahrlich kein Fußballfesttag am Dienstag in Mexiko-Stadt.

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