Influencer bei der WM: Spektakel mit Haltung
Darren Watkins Jr. erreicht mit seinen Videos Millionen Menschen. Bei seiner Tour durch die WM-Stadien wird er Ziel rassistischer Beleidigungen.
IShowSpeed, bürgerlich Darren Watkins Jr., gehört zu den bekanntesten Streamern der Welt. Zurzeit begleitet er die Fußballweltmeisterschaft und zieht weit über das Spielgeschehen hinaus Aufmerksamkeit auf sich. Wenn er live geht, verfolgen ihn meist zwischen 20.000 und 130.000 Zuschauer gleichzeitig. Auf Youtube folgen ihm rund 57 Millionen Menschen, auf Tiktok etwa 53 Millionen.
Der Ball ist rund und die taz ist ihm dicht auf den Fersen. Unsere Reporterin Alina Schwermer ist auf einem Roadtrip (meist) per Bus und berichtet in Reportagen und in ihrem Blog – manchmal auch aus den Stadien, aber noch viel öfter über alles drumherum. Alle Spiele werden von ausgeschlafenen tazler:innen für Sie hier in „Alle Spiele“ kurz zusammengefasst. Dann gibt es das ganz geheime Tagebuch von Fifa-Dingsbums Gianni Infantino. Und alles andere rund um die WM finden Sie hier.
Immer wieder tauchen prominente Gäste wie Paul Pogba, Zlatan Ibrahimović oder Usain Bolt in seinen Livestreams auf. Auch Bastian Schweinsteiger reagierte bereits in seiner Instagram-Story auf ihn. Im Rahmen der Champions League lud der US-Sender CBS Watkins als Gast in die Expertenrunde mit Thierry Henry, Jamie Carragher und Micah Richards ein.
Watkins polarisiert und zieht so die Blicke auf sich. Seine Kunstfigur „Speed“ lebt von überdrehter, energiegeladener Präsenz. Auf seinen Reisen sorgt er regelmäßig für virale Momente. In Berlin probierte er einen Döner, machte nach dem ersten Bissen einen Rückwärtssalto, stellte sich vor das Schloss Bellevue, diskutierte mit einem Sicherheitsbeamten und behauptete, er wolle den deutschen Bundespräsidenten treffen.
In Albanien traf er Ministerpräsident Edi Rama, nannte ihn „Bro“ und bellte in dessen Büro. Mittlerweile hat er knapp die Hälfte aller Länder der Welt bereist. Er schreit, bellt und springt durch die Welt. Wie unterhaltsam, muss jeder selbst entscheiden.
Idol Cristiano Ronaldo
Natürlich ist Watkins auch bei der WM in Nordamerika unterwegs. Dort spielt sein großes Idol Cristiano Ronaldo. Schon vor drei Jahren begegnete er dem Portugiesen persönlich und fiel vor ihm auf die Knie. Während des Turniers besucht er alle Spiele Ronaldos. Gleichzeitig schaut er sich auch die Partien von dessen Rivalen Lionel Messi an – allerdings stets im Trikot des jeweiligen Gegners. Über jeden Rückschlag Messis freut er sich demonstrativ. Es ist durchaus lustig anzusehen, wie Watkins bei jeder Aktion gegen Messi lautstark jubelt, nur um kurz darauf von dessen Klasse eines Besseren belehrt zu werden.
Doch bisweilen ist einfach Schluss mit lustig. Watkins wurde Ziel rassistischer Anfeindungen. Sowohl beim Sechzehntelfinale als auch beim Achtelfinale Argentiniens beleidigten ihn Fans, die Trikots der argentinischen Auswahl trugen, rassistisch. Die Fifa ermittelt bereits. So überdreht und chaotisch seine Kunstfigur oft wirkt – im Umgang mit Rassismus setzt Watkins ein bemerkenswertes Zeichen. In diesen Momenten bleibt er ruhig, dokumentiert die Vorfälle und entlarvt so die Täter.
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