Hamburgs neue Synagoge rückt näher: Aufgabe erfüllt

107.000 Un­ter­s­tüt­ze­r:in­nen für eine neue Synagoge: Bornplatz-Initiative meldet Erfolg – und beendet ihre Aktivitäten.

Mit einem Transparent "Die Bornplatz-Synagoge kommt"S stehen Unterstützer:innen vor dem Reichstagsgebäude in Belin

Wir fahren nach Berlin: Bornplatz-Unterstützer:innen vor dem Reichstag, November 2020 Foto: Kay Nietfeld/dpa

HAMBURG taz | Auch die Krone war wieder dabei. Zu ihrem vorletzten Termin lud am Mittwoch die Initiative für den Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge ins Eimsbüttel-Haus. Sie übergab ihren Abschlussbericht an den Senat und die Jüdische Gemeinde – diese beiden seien nun, so Initiativengründer Daniel Sheffer, die maßgeblichen Akteure für den Neubau am historischen Ort. Die Kampagne hingegen, die der Unternehmer selbst gegründet hatte: Sie sei nun nicht mehr nötig.

Mit auf dem Podium stand, eben, jene Torahkrone aus der 1938 zerstörten und 1939 abgetragenen „Neuen Synagoge“. 82 Jahre nach der Reichspogromnacht, am 9. November 2020, war das silberne Objekt zurückgekehrt, symbolisch wenigstens, in sein einstiges Zuhause. Es war der Auftakt der Kampagne, die nun nicht von ungefähr am Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau endete.

Für den Bau, gegen den Hass

Eine Gedenkveranstaltung im Hamburger Lohsepark, da wo einst am Hannoverschen Bahnhof die Deportationszüge Richtung Osten abfuhren: Das war am späten Mittwochvormittag die allerletzte Sache, die im Rahmen der Kampagne noch auf die Beine gestellt wurde. Und neben dem Ja zum Wiederaufbau der Synagoge formulierte sie seit November ausdrücklich auch ein „Nein zu Antisemitismus“.

Dafür nun derart viel Unterstützung zu erfahren, „das ist keine Selbstverständlichkeit“, sagte Sheffer – aber auch, dass kein Gebäude allein den Antisemitismus bekämpfen werde: Wer da hasse und hetzte, das seien ja auch lebendige Menschen.

Der nun vorgestellte Bericht ist aus Sicht der Initiative eine Erfolgsgeschichte: 107.000 Un­ter­s­tüt­ze­r:in­nen haben sich zum Synagogenprojekt bekannt, manche per Unterschrift, aber viele auch durch andere Formen der Interaktion: Klicks, Zuschriften, Tweets, Likes, E-Mails und Telefonanrufe.

Anhand erfasster IP-Adressen wissen die Macher:innen, dass die Unterstützung wesentlich aus Hamburg kam, aber überraschend oft auch aus dem unmittelbaren Umland. Zur Kenntnis genommen, nicht nur medial, wurde die Kampagne aber noch mal weit darüber hinaus: Berichte erschienen auch in Großbritannien, den USA und Israel.

Breit aufgestellter Beistand

107.000-facher Rückhalt: Damit wurde das selbstgesteckte Ziel von 100.000 Unterschriften übertroffen – nicht um spektakulär viel, aber immerhin. Sheffer sprach mehrfach vom breiten, überparteilichen und -konfessionellen Rückhalt: Einstimmig hatte die Bürgerschaft vor knapp einem Jahr, im Februar 2020, den Weg frei gemacht für das Projekt. Inzwischen ist auch das Geld für den Bau in Sicht: Je 65 Millionen Euro haben der Bundestag und die Hansestadt zugesagt.

Dieser Tage endlich ist auch eine schon im November angekündigte Machbarkeitsstudie ausgeschrieben worden: Im Spätsommer wird mit Ergebnissen gerechnet. Erst dann, so Sheffer, könne auch die Diskussion ums Wie des Wiederaufbaus wirklich geführt werden: etwa darum, wie die neuen Synagoge aussehen soll – und wem sie offen steht.

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