Hacker spähten Partei „Die Basis“ aus: Verschwörungsmystiker ganz privat

Hackern ist es gelungen, die „Querdenken “-nahe Partei „Die Basis “ auszuspähen. Betroffen sind hochsensible Daten tausender Mitglieder.

Demonstration gegen die Coronamaßnahmen - Demonstrierende mit Flagge der Pertei "Die Basis"

Demonstration gegen die Coronamaßnahmen Mitte März in Mainz Foto: U. J. Alexander/imago

Der Datensatz gibt unter anderem Aufschluss über Namen, E-Mail-Adresse, Anschrift, Kontodaten, Telefonnummer und Funktion der mehr als 10.000 Mit­glie­de­r. Auch Beitritts- und Geburtsdatum und Höhe des Mitgliedsbeitrags gehen daraus hervor. Die „Basisdemokratische Partei“ ist ein weiterer Versuch der sogenannten Querdenken-Bewegung, ihre inhaltlichen Ziele in einer poli­tischen Partei zu bündeln.

Die Partei hat Strafanzeige gestellt, doch „Anonymous“ weist daraufhin, dass man in diesem Fall nicht einmal von einem Datenhack sprechen könne, schließlich wären die Daten unver­schlüsselt abrufbar gewesen.

Die Ak­ti­vis­t:in­nen haben nach eigenen Angaben zwar ein Programm genutzt, um über einen Zeitraum von fünf Tagen sämtliche Dateien unauffällig herunterzuladen, man hätte diese theoretisch aber genauso gut per Mausklick einzeln herunterladen können. In einer Stellungnahme heißt es seitens „Anonymous Deutschland“: „Selten wurde es uns so leicht gemacht wie in diesem Fall.“ Möglich wurde das, weil der Serverbetreiber die Anzeige des Directory-Index erlaubte, wodurch Daten und Verzeichnisse, in diesem Fall der Ordner „download“, für Dritte einsehbar sind.

Fehler lag bei der Partei

Juristische Schwierigkeiten könnte nun auch die Partei selbst bekommen. Sensible personenbezogene Daten müssen gemäß der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) vor unerlaubtem Zugriff geschützt werden. Das war auf der Webseite der Partei nicht der Fall.

„Anonymous“ ist im Rahmen seiner „OpTinfoil“ (Operation Aluhut) in den vergangenen Monaten schon mehrfach gegen die „Querdenker“ und deren Umfeld vorgegangen. So war bereits die Seite der Vorgängerpartei „Widerstand 2020“ nicht mehr erreichbar. Zudem hatte das Kollektiv aufgedeckt, dass die angegebene Mit­glie­derzahl nicht echt war. Zigtausende Mitglieder waren erfunden.

Die „Basis“-Partei gibt inzwischen an, dass der Fehler bei ihnen liege. Wäre die Sicherheitslücke vorher gefunden worden, hätte sie innerhalb von Minuten geschlossen werden können. In verschiedenen Telegram-Gruppen reagierten viele „Basis“-­Un­ter­stüt­ze­r:innen wütend über die Veröffentlichung ihrer Daten. Ein Anhänger schreibt: „Komme selber aus der IT und bin absolut baff. Das muss ein Amateur aufgesetzt haben.“

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben