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Gewalt im WestjordanlandSoldaten erschießen palästinensische Familie

Am Rande einer Militärrazzia sind vier Palästinenser von israelischen Soldaten getötet worden. Auch Siedler haben am Wochenende wieder einen tödlichen Angriff verübt.

dpa/taz | Israelische Soldaten haben im Norden des besetzten Westjordanlands das Feuer auf ein Fahrzeug eröffnet und dabei vier Mitglieder einer palästinensischen Familie getötet. Es handele sich dabei um die Eltern sowie zwei Kinder im Alter von fünf und sieben Jahren, teilte das Gesundheitsministerium der Palästinensischen Autonomiebehörde mit. Zwei weitere Kinder im Alter von acht und elf seien bei dem Vorfall im Ort Tammun verletzt worden. Mehrere der Familienmitglieder hätten Schussverletzungen am Kopf erlitten.

In einer Mitteilung der israelischen Polizei hieß es, Polizeikräfte sowie Soldaten seien zu einer Razzia in Tammun unterwegs gewesen. Ziel sei die Festnahme von Personen gewesen, „die im Verdacht stehen, an terroristischen Aktivitäten gegen Sicherheitskräfte beteiligt zu sein“.

Während des Einsatzes habe ein Fahrzeug in Richtung der Einsatzkräfte beschleunigt. Diese hätten sich bedroht gefühlt und das Feuer eröffnet. Vier Palästinenser in dem Fahrzeug seien getötet worden. Die Umstände des Vorfalls würden von den zuständigen Stellen untersucht.

Nach lokalen Angaben war die Familie auf dem Rückweg aus der Stadt Jenin, wo sie Kleidung für das bald anstehende Zuckerfest zum Ende des Ramadan gekauft hatten. Laut palästinensischen Medienberichten hatte der Vater der Familie keine bekannten Verbindungen zu Terrororganisationen.

Nach Angaben des Palästinensischen Roten Halbmonds hätten die israelischen Truppen sie nach dem Angriff daran gehindert, den Getroffenen zu helfen. Erst nach einiger Zeit hätten sie die vier Toten bergen und die beiden Verletzten versorgen können.

Siedler schießen in palästinensischem Dorf um sich

Bei neuen Angriffen radikaler israelischer Siedler im besetzten Westjordanland sind nach einem Bericht der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa ein Palästinenser erschossen und mehrere verletzt worden. Bewaffnete Siedler hätten den palästinensischen Ort Kusra nördlich von Jerusalem angegriffen, einen 25-Jährigen erschossen, zwei weitere angeschossen und den Vater des Getöteten verprügelt.

Zuvor hatten Siedler zwei Palästinenser bei dem Ort Kisan südlich von Bethlehem ebenfalls im Westjordanland angeschossen, andere geschlagen und etwa 100 Schafe gestohlen, meldete Wafa weiter.

Bereits nach dem 7. Oktober 2023 – und nochmals verstärkt seit Beginn des Kriegs in Iran – haben die seit Jahren anhaltenden Angriffe israelischer Siedler deutlich zugenommen. Fast täglich kommt es zu Übergriffen. Auch ihr Gebrauch von Schusswaffen hat zugenommen, immer öfter werden Palästinenser verletzt und getötet. Seit Jahresbeginn wurden sieben Palästinenser von Siedlern umgebracht.

Das israelische Militär selbst zählte im Jahr 2025 insgesamt 867 Fälle von Siedlergewalt – etwa 2,4 Fälle pro Tag. Und nicht alle Fälle werden seitens der betroffenen Palästinenser an israelischen Stellen zur Anzeige gebracht. Die Vereinten Nationen zählen sogar etwa sieben Angriffe pro Tag.

Die Strafverfolgung durch die israelische Justiz ist außerdem unzureichend: Nur selten werden die mutmaßlichen Täter angeklagt, noch seltener verurteilt. Laut der israelischen Menschenrechtsorganisation Yesh Din verbleiben etwa 94 Prozent aller Anzeigen ohne Anklage.

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