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Gerüchte um Papst-RücktrittNoch nicht ganz fertig

Kommentar von

Daniela Ordowski

Die Gerüchte um einen Rücktritt von Papst Franziskus sind nicht das Entscheidende. Wichtiger ist, wie die Kirche mit Macht und Machtverteilung umgeht.

Nicht mehr so richtig fit: Papst Franziskus Foto: Riccardo De Luca

D ie Tür zum Rücktritt steht offen. Das ist eine ganz normale Option“ sagte Papst Franziskus und befeuerte damit und mit seinem Besuch in L’Aquila, der Ernennung von 20 neuen Kardinälen sowie der Einberufung aller Kardinäle der Weltkirche nach Rom die Gerüchte um seinen Rücktritt. In der Amtszeit von Papst Franziskus ist nun die Mehrheit der Kardinäle durch ihn ernannt worden. Damit hat er ein indirektes Mittel, um eine Nachfolge in seinem Sinne sicherzustellen.

„Eine ganz normale Option“ sei der Rücktritt. Das ist eine Haltung, die wünschenswert und notwendig wäre für diese Kirche. Wer sich nicht mehr imstande fühlt, das Amt auszuführen, kann es niederlegen. Vielleicht ist dieser Papst aber für noch größere Überraschungen gut und nutzt die Einberufung der Kardinäle, um alle Amtsträger zukünftig ganz selbstverständlich ihr Amt niederlegen oder gar ablehnen zu lassen, so wie er selbst es auch gern getan hätte.

Oft steht Papst Franziskus zwischen den Fronten, möchte Kleriker nicht alleinig mitreden lassen und erklärt gleichzeitig den Forderungen nach Demokratisierung eine Absage. Entschlossene Reformen und eine entschiedene Haltung gegen Missbrauch haben sich viele erwartet und wurden enttäuscht. Vielleicht ist endlich ein ernst gemeintes Handeln in der Vorbereitung, und das Volk Gottes wird zukünftig in echter Synodalität auch in Entscheidungen einbezogen.

Papst Franziskus, der mit vielen wichtigen Impulsen Veränderungen angestoßen hat, konnte bislang die grundlegenden und so wichtigen Veränderungen nicht voranbringen. In einem System, so starr wie die katholische Kirche, würde kein Wechsel an der Spitze alleine die Veränderungen bringen. Viel relevanter als die Spekulation um den möglichen Rücktritt ist doch die Frage, wie diese Kirche mit Macht, Verantwortung und Machtabgabe umgehen könnte. Und Papst Franziskus könnte auch ohne Rücktritt der Papst der großen Überraschungen werden, den wir uns gewünscht haben.

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4 Kommentare

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  • 1G
    17900 (Profil gelöscht)

    Vielleicht macht der Papst eine "bella figura". Dennoch ist er völlig auf dem Holzweg und der Chef einer verbrecherischen Organisation.



    Im Namen der Kirche wurde geraubt, geplündert, vergewaltigt, gefoltert, getötet.



    Es gibt kein Paradies, keine Hölle, kein Fegefeuer - mit diesem Unsinn haben sich die Kirchenfürsten in der Vergangenheit extrem bereichert. "Gott will es".



    Alles bekannt und trotzdem rennen die Leute bis heute in die Kirche?

  • Hoffen auf Reformen in der katholischen Kirche ist wie hoffen, dass Gott alles gut macht.

  • Wenn ich mich recht besinne war Papst Benedikt XVI der erste Papst in der Geschichte, der sein Amt zurückgegeben hat.



    Scheint's, dass diese Option jetzt hoffähig wird.

    • 1G
      17900 (Profil gelöscht)

      @Bolzkopf:

      Stimmt nicht! Es gab noch einen.