Gedenken an Coronatote in Italien: „Ein Symbol des Schmerzes“
Ein Jahr, nachdem die Bilder von Leichentransporten aus Bergamo um die Welt gingen, erinnert Italiens Regierungschef Mario Draghi an die Toten.

Angereist war er, um in einer kleinen Zeremonie den neuen „Wald des Gedenkens“ einzuweihen, der direkt gegenüber dem Ospedale Sacco entstehen soll, dem Krankenhaus, in dem vor einem Jahr Dutzende Patient*innen eingeliefert wurden und in dem viele von ihnen starben. Es war eine Zeremonie unter freiem Himmel, unter Pandemiebedingungen. Nur eine kleine Schar von Personen konnte ihr beiwohnen, Bergamo und ganz Italien waren auf die TV-Direktübertragung der RAI angewiesen.
Neben Draghi sprachen der Bürgermeister Giorgio Gori und eine Krankenschwester des Ospedale Sacco. Sie alle erinnerten an die tragischen Tage und Wochen vor einem Jahr, als die Pandemie die Stadt und die umliegende Provinz überrollte. Gori erinnerte daran, dass wohl kein anderer Ort in Italien den gleichen Tribut an die Seuche zahlte. Auf etwa eine Million Einwohner*innen der Provinz Bergamo kamen allein in der ersten Welle im Frühjahr 2020 über 6.000 Todesopfer.
Und Draghi bilanzierte: „In dieser Stadt gibt es niemanden, der nicht einen Verwandten oder Bekannten hätte, der vom Virus getroffen wurde“. In seiner Rede bemühte er sich jedoch auch, im Angesicht der dritten Welle und des dritten Lockdown Zuversicht zu verbreiten: „Dies ist ein Tag voller Trauer und voller Hoffnung. Der Staat ist präsent und wird präsent sein“.

Drohung an Unternehmen, die nicht liefern
Die Hoffnung speist sich vor allem aus der Impfkampagne, die mit steigender Intensität fortgesetzt werden soll, unabhängig davon, ob der Stopp der AstraZeneca-Vakzine bleibt oder nicht. Italien hofft auf eine deutliche Beschleunigung im April, nachdem bisher die Impfzahlen prozentual zur Bevölkerung ähnlich niedrig liegen wie in Deutschland.
Drohende Worte fand der Regierungschef dann auch noch für jene Firmen, die mit ihren Lieferungen im Verzug sind: „Die Unternehmen, die die Verträge nicht einhalten“, müssten mit „einschneidenden Entscheidungen“ der Regierung rechnen. So hatte Italien vor einigen Tagen schon einen Exportstopp für in Italien produzierte AstraZeneca-Impfdosen verhängt.
Vor allem aber erinnerte er an die vielen Opfer, nannte einige von ihnen – Polizist*innen, Pfarrer, Krankenpfleger*innen, Dorfbürgermeister*innen – beim Namen. Um an sie zu erinnern, pflanzte er den ersten Baum des Gedenkwaldes und versprach, eine „Welt wieder aufzubauen, wie sie sie für ihre Kinder und Enkel erträumten“.
40.000 mal Danke!
40.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Was uns besonders macht? Sie, unsere Leser*innen. Sie wissen: Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Wir suchen auch weiterhin Unterstützung: suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus – schon mit 5 Euro im Monat! Jetzt unterstützen
meistkommentiert
Macrons Krisengipfel
Und Trump lacht sich eins
Krisentreffen nach Sicherheitskonferenz
Macron sortiert seine Truppen
Maßnahmenkatalog vor der Bundestagswahl
Grünen-Spitze will „Bildungswende“
+++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++
USA und Russland besetzen ihre Botschaften wieder regulär
Gentrifizierung in Großstädten
Meckern auf hohem Niveau
Verlierer der Wahlrechtsreform
Siegerin muss draußen bleiben