Dritte Welle der Pandemie: Neuer Lockdown in Italien

In dem südeuropäischen Land sind zehn Regionen als „Rote Zonen“ eingestuft worden. Bür­ge­r*in­nen dürfen nur noch mit einer Selbstbescheinigung vor die Tür.

Der Direktor der Corona-Notfallstation im Mellino-Mellini-Krankenhaus in Chiari, Dr. Gabriele Zanolini, betritt die Intensivstation, die mit einem Schild gekennzeichnet is

In vielen Regionen stoßen die Krankenhäuser wieder an ihre Belastungsgrenzen Foto: Luca Bruno/AP/dpa

ROM taz | Ab Montag ist halb Italien wieder im Lockdown, während für die andere Hälfte ein etwas abgeschwächter Teil-Lockdown greift. Die Regierung unter Ministerpräsident Mario Draghi reagiert damit auf den Umstand, dass das Land sich in der dritten Welle der Pandemie befindet.

Die Zahl der Infektionen steigt täglich; für den Freitag wurden etwa 26.000 neue Fälle gemeldet. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt mittlerweile national bei über 200 auf 100.000 Einwohner*innen, erreicht aber flächendeckend im Norden – der erneut wie schon vor einem Jahr am härtesten getroffen ist – Werte von 300 bis 400.

In der Folge hat sich der Druck auf die Krankenhäuser, vorneweg auf die Intensivstationen, vielerorts erhöht: Gegenwärtig befinden sich mehr als 3.000 Menschen mit Covid in Intensivtherapie. Dieser Wert war im Sommer auf 200 gefallen, dann mit der zweiten Welle auf 4.000 hochgeschnellt, im Februar aber auf 2.000 abgesunken. In den letzten drei Wochen jedoch war ein rasanter Zuwachs zu verzeichnen. In vielen Städten wie zum Beispiel in Brescia in der Lombardei oder auch in Bologna stoßen die Hospitäler wieder an ihre Belastungsgrenzen. Noch sind die Todeszahlen stabil, mit gut 300 pro Tag, doch auch hier wird ein weiterer Zuwachs befürchtet. Italien hat in der letzten Woche die Marke von 100.000 Opfern seit Beginn der Pandemie überschritten.

Auch die dritte Welle mit dem Vordringen der Virusvarianten hat in Italien Fahrt aufgenommen: Allein auf die englische Mutante gehen mittlerweile mehr als 50 Prozent der Neuinfektionen zurück. Die Impfkampagne kann den Zuwachs an Neuansteckungen bisher nicht stoppen. Erst 4,7 Millionen Personen haben die erste Dosis erhalten, erst knapp zwei Millionen wurden mit beiden Dosen geimpft. Wie in den anderen EU-Ländern auch sind die zu geringen Vakzin-Lieferungen der Flaschenhals.

Nur mit Selbstbescheinigung vor die Tür

Angesichts dieser sich wieder dramatisch zuspitzenden Situation zog die Regierung jetzt die Notbremse. Zehn Regionen vom Piemont und der Lombardei im Norden über das Latium hin zu den Südregionen Kampanien und Apulien finden sich als „Rote Zonen“ eingestuft. Mehr als zwei Drittel der 60 Millionen Bür­ge­r*in­nen sind damit in einem echten Lockdown. Sie dürfen nur noch mit einer Selbstbescheinigung vor die Tür.

Von der Kita bis zum Gymnasium sind alle Bildungseinrichtungen geschlossen und findet die Beschulung mal wieder vor dem heimischen Computer statt, die Gastronomie darf nur für Abholservice öffnen, und auch die gerade erst geöffneten Museen machen wieder dicht. Geschlossen bleiben auch Geschäfte, die nicht dem lebensnotwendigen Bedarf dienen. Das Haareschneiden muss wieder in Eigenregie erfolgen. Sport dürfen die Menschen vor der Haustür weiter treiben, jedoch nur allein in unmittelbarer Umgebung der Wohnung, während Privatbesuche auch bei Verwandten untersagt sind.

Der Rest von Festlanditalien und Sizilien ist dagegen als „Orange Zone“ eingestuft: Die Menschen dürfen weiter raus, die Geschäfte sind offen, die Restaurants jedoch auch hier zu. Und wie in ganz Italien gilt die nächtliche Ausgangssperre von 22 Uhr bis 5 Uhr. Damit bleibt als Insel der Seligen nur Sardinien, das wegen seiner niedrigen Fallzahlen als „Weiße Zone“ eingestuft ist und mit Bildern von gut besuchten Restaurants den Rest des Landes neidisch macht.

In Reaktion auf die Regierungsmaßnahmen gingen am Wochenende Hunderttausende Menschen auf die Straße – allerdings nicht, um bei Querdenkerdemos mitzulaufen, die in Italien mangels Zuspruch schlicht nicht stattfinden. Stattdessen stürmten sie die Einkaufsmeilen, die Restaurants und Bars, um sich ein letztes Shopping-Erlebnis, eine letzte Pizza, einen letzten Aperol-Spritz vor dem Lockdown zu gönnen.

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