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Fußballrasen in KölnDer Wassermangel

Leverkusens Trainer Kasper Hjulmand klagt über einen zu trockenen Rasen. Sein Kollege René Wagner klärt ihn über ein Naturphänomen in Köln auf.

Kaum nass zu kriegen: der Rasen im Stadion des 1. FC Köln Foto: imago

Auf der Suche nach der oder demjenigen, die für den beklagten Missstand wirklich verantwortlich war, brachte Kölns Trainer René Wagner jemanden ins Spiel, die sich an diesem Nachmittag weit über 100 Millionen Kilometer entfernt aufhielt: „Vielleicht war es die Sonne.“ Der Leverkusener Kollege Kasper Hjulmand hatte sich zuvor trotz des 2:1-Auswärtserfolgs über den „Platz ohne Wasser“ beschwert, der das Spiel aus seiner Sicht etwas zu langsam für sein sprintstarkes Team machte.

Und Wagner, der sich einem Manipulationsvorwurf ausgesetzt sah, reagierte zuerst vehement und entschieden. Er unterbrach seinen deutsch sprechenden dänischen Kollegen auf der Pressekonferenz und erklärte ihm auf Englisch: „Wir haben das nicht absichtlich gemacht. Falls das so rübergekommen sein sollte, entschuldigen wir uns, aber das war nicht der Fall. Ich möchte sicherstellen, dass das nicht so stehen bleibt, und daher möchte ich auf Englisch klarstellen: Wir haben das nicht gemacht. Ich finde nicht, dass es fair ist, das so zu sagen.“

Der überraschte Hjulmand war nicht auf eine Konfrontation aus und versuchte zu vermitteln. „Vielleicht wurde gewässert und ist ausgetrocknet.“ Er berief sich auf die Zeugenaussagen seiner Spieler. Dann kam Keller auf die Idee mit der Sonne. Und Hjulmand unterbreitete folgendes Friedensangebot: „Egal was war, es war trocken. Es lag dann nicht daran, dass ihr es nicht gewässert habt.“

Wir halten also fest: Trotz Bewässerung war der Boden im Kölner Stadion trocken. Und das bei Temperaturen im Kölner Raum, die am Samstagnachmittag zwischen angenehmen 17 und 19 Grad schwankten. Die Fußball-Bundesliga hat ein neues, vermutlich regional begrenztes Naturphänomen. Denn im nahen Leverkusen haben sich die Rasenpfleger vergangene Saison den ersten Platz beim „Pitch of the Year“-Award ergattert. Vielleicht reist das Team und deren Trainer deshalb mit besonders hohen Ansprüchen in die Fremde.

Im Arbeitsbuch für Greenkeeping, das eine Expertenkommission der DFL erstellt hat, steht: „Die Beregnung soll grundsätzlich witterungsangepasst und in Abhängigkeit mit den kleinklimatischen Verhältnissen im Stadion durchgeführt werden.“ Diese Verhältnisse scheinen in Köln besonders anspruchsvoll zu sein. Hier brennt der Rasen ganz schnell. Dagegen ist kaum etwas auszurichten.

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