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Duell um Platz vier in der BundesligaFlüssig und flott

Mit dem Sieg gegen Bayer Leverkusen macht der VfB Stuttgart einen weiteren Schritt Richtung Champions League. Es war ein begeisternder Auftritt.

Aus Stuttgart

Christoph Ruf

Robert Andrich gehörte noch nie zu den Spielern, bei dessen Aussagen man sich als neutraler Zuhörer langweilen musste. Doch was der Leverkusener Kapitän am Sonntag von sich gab, war gleich doppelt spannend. Zum einen als kollektive Kasteiung mit der Neunschwänzigen.

Und zum anderen als vollkommen korrekte Zusammenfassung eines einseitigen Fußballspiels, das seine Leverkusener gerade mit 1:3 in Stuttgart verloren hatten: „Es war von allen zu wenig. Wir sind über 90 Minuten nicht ansatzweise da hingekommen, dass wir Stuttgart schlagen konnten“, sagte Andrich also. Und: „Heute war ein Sinnbild unserer Saison. Sobald es eng und brenzlig wird, schaffen wir es nicht, als Mannschaft zusammenzustehen.“

So und nicht anders war es an diesem Samstagnachmittag zu beobachten gewesen, an dessen Ende aus dem Dreikampf um den vierten Champions-League-Rang ein Zweikampf geworden ist. Leverkusen tut jedenfalls gut daran, nach diesem 1:3 für die kommende Spielzeit mit der Europa League zu planen, während Hoffenheim und Stuttgart am kommenden Samstag unter sich ausmachen, wer neben RB Leipzig, den Bayern und dem BVB künftig in der Königsklasse antritt.

Dabei hatte es eigentlich gut angefangen für Leverkusen, das nach wenigen Sekunden durch Aleix Garcia in Führung ging. Danach kam allerdings nicht mehr viel von den behäbigen Gästen. Die trafen allerdings zu allem Unglück auch noch auf eine Stuttgarter Elf, die nicht in ihrer für diese Saison beachtlich guten Normalform spielte – sondern noch besser.

Flüssig und flott liefen die Kombinationen, und allein der entfesselte Ermedin Demirovic hätte vier, fünf weitere Tore schießen können. Zum frühen Ausgleich reichte es dennoch für den Bosnier (5.), dem Trainer Sebastian Hoeneß entgegen seinen Gewohnheiten ein Sonderlob zuteil werden ließ: „Medo hat ein überragendes Spiel gemacht, hat gearbeitet wie eine Wildsau und war in allen Aspekten des Spiels top.“

Maximilian Mittelstädt (45.+7) per Elfmeter und Deniz Undav mit energisch eingesprungenem Außenrist-Kick (58.) besorgten den Rest, nachdem Chris Führich, Jamie Leweling und vor allem Angelo Stiller eine andere Sportart betrieben hatten als die seltsam sediert wirkenden Gäste mit ihren tapsigen Verteidigern Jarell Quansah und Edmond Tapsoba, den sein Trainer Kaspar Hjulmand erstaunlicherweise nicht auswechselte.

In einer Konstellation, in der drei punktgleiche Mannschaften auf Sieg spielen mussten, weil sie die Gewissheit einte, dass Platz fünf heuer nicht für die Champions League reicht, hatte Stuttgart genau das getan. Leverkusen hingegen untermauerte eindrucksvoll den Eindruck der vergangenen Monate: Fußballerisch, in Sachen Spielwitz und Tempo, klafft eine Lücke zwischen den Rheinländern einerseits und Hoffenheim sowie Stuttgart andererseits.

Und es klafft eine noch viel größere zwischen dem Leverkusen der Gegenwart und dem unter Xabi Alonso. Komfortabler hat es da der VfB, der vergangene Woche in Hoffenheim einen glücklichen Punkt holte, aber im Kraichgau zu keiner Phase des Spiels so unterlegen war wie Leverkusen am Samstag das ganze Spiel über. „Besser kann es heute nicht laufen. Es war genau das, was wir gebraucht haben“, sagte dann auch ein bestens gelaunter Deniz Undav, der mittlerweile in eigener Sache so ausdrucksstark nichts sagt („Ich weiß, was sie an mir haben und was ich an ihnen habe“), dass man sich eine Vertragsverlängerung glatt vorstellen könnte.

Zu den Spielern, denen Trainer Hoeneß attestierte, sie seien „über sich hinausgewachsen“, zählte Undav jedenfalls ebenso wie die meisten anderen Feldspieler. Nur Keeper Alexander Nübel entzog sich jeder Beobachtung. Leverkusen wollte einfach nichts mehr von ihm.

Der VfB sollte nun am kommenden Samstag in Frankfurt tunlichst nicht verlieren, um Leverkusen (zu Hause gegen den HSV) nicht doch noch herankommen zu lassen. Wirklich hilfreich wäre indes nur ein Sieg, ansonsten könnte Hoffenheim mit einem simplen Dreier in Mönchengladbach noch am VfB vorbeiziehen.

Stuttgarts Fans träumen schon davon, den Bayern im Pokalfinale die Lederhosen ausziehen zu können

Angesichts von so viel potenzieller Dramatik am kommenden Spieltag überraschte es dann auch ein wenig, dass die Cannstatter Kurve bei den Feierlichkeiten nach dem Spiel schon zwei Wochen vorausdachte – und mit dem Wunsch, man möge den Bayern die Lederhosen ausziehen, den Pokalsieg einforderte.

Ob er eine ähnliche Prioritätensetzung wie seine Fankurve habe und den Pokalsieg dem Liga-Erfolg vorziehe, wurde Hoeneß daraufhin gefragt. Und war angemessen irritiert: „Warum muss ich mich jetzt festlegen? Verstehe ich nicht.“ Selbstredend wolle man beide Finalspiele, das in Frankfurt und das in Berlin, gewinnen.

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