Für Wohnraum, Bildung und Renten: Aufruf zu koordinierten Demonstrationen in Europa
Hohe Mieten und steigende Preise: Gewerkschaften und Mietervereine aus sieben europäischen Ländern rufen zu gemeinsamen Protesten im November auf.
afp | Gewerkschaften und Mietervereine aus sieben europäischen Ländern haben zu gemeinsamen Demonstrationen gegen die hohen Lebenshaltungskosten und Wohnraummangel aufgerufen. In einem ungewöhnlichen Schritt kündigten Vertreter von Organisationen aus Belgien, Großbritannien, Spanien, Frankreich, Griechenland, Italien und Portugal am Dienstag in Paris „koordinierte Demonstrationen“ an dem Wochenende vom 20. bis 22. November an. Sie hofften, dass „Millionen“ Menschen auf die Straßen gehen, erklärten sie.
In einem „entscheidenden Moment“ der in Europa herrschenden Kaufkraftkrise „haben wir uns entschlossen, uns abzustimmen, um gemeinsam voranzukommen“, sagte Carme Arcarazo, Sprecherin des Gesamtverbandes spanischer Mietervereine. Die wichtigsten Forderungen seien eine „Garantie des Rechts auf Wohnen“ und „die Kontrolle der Preise für Wohnraum, Lebensmittel und Energie“.
Hinzu kommen allgemeinere soziale und politische Forderungen wie Lohn- und Rentenerhöhungen, „hochwertige öffentliche Dienstleistungen“ wie etwa Bildung und Gesundheitsversorgung.
„Millionenfach werden wir auf die Straßen gehen und zeigen, dass die Völker regieren müssen und nicht die Milliardäre“, sagte Benjamin Ball, einer der Koordinatoren der sogenannten Gelbwesten in Frankreich, der ebenfalls an der Versammlung teilnahm.
In Frankreich hatten in den vergangenen Wochen hunderttausende Menschen gegen gestiegene Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem demonstriert. In Spanien sorgte im September die Zwangsräumung der Wohnung der 87-jährigen Rentnerin Maricarmen Abascal für landesweite Proteste gegen die Wohnungskrise. Die Mieten in Portugal stiegen binnen zehn Jahren um 124 Prozent an. Das ist etwa doppelt so stark wie der EU-Durchschnitt.
Gemeinsam für freie Presse
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen
meistkommentiert