Friedensprozess in Afghanistan: Taliban verlängern Feuerpause nicht
Zwar haben die Taliban eine dreitägigge Waffenruhe nicht verlängert. Trotzdem stehen die Zeichen auf Entspannung.
In Afghanistan könnte sich eine Tür zu Friedensgesprächen geöffnet haben, auch wenn die Taliban ihre dreitägige Waffenruhe über das am Sonntag zu Ende gegangene Eid-al-Fitr-Fest nicht verlängern wollten. Talibansprecher Sabiullah Mudschahid teilte am Sonntagnachmittag afghanischen Medienvertretern auf Anfrage mit, die Kampfhandlungen würden am Sonntagabend wiederaufgenommen.
Präsident Aschraf Ghani hingegen hatte zuvor die Waffenruhe einseitig verlängert und weitere humanitäre Maßnahmen angekündigt. Er forderte die Taliban auf, in Friedensgespräche einzutreten, und verwies noch einmal darauf, dass auch „umstrittene Aspekte der ausländischen Präsenz“ – sprich ein Abzug der westlichen Truppen, eine Hauptforderung der Taliban – Gegenstand der Gespräche sein können. Die USA, Nato und EU stehen hinter diesem Angebot.
Bis Sonntag hatten auch die US-Truppen landesweite Waffenstillstände eingehalten, die die afghanischen Regierung und die Taliban über die Festtage verkündet hatten. Auch begrenzte Waffenstillstände gehören zu vertrauensbildenden Maßnahmen, die Friedensgespräche vorbereiten können.
In mehreren Provinzen kam es über die Feiertage zu Treffen zwischen Kämpfern der Regierung und der Taliban sowie der Bevölkerung. Die Beteiligten beteten zum Abschluss des Fastenmonats Ramadan zusammen in Moscheen, reichten sich Blumen und machten Selfies.
Die Taliban ließen afghanische Journalisten von ihnen kontrollierte Gebiete besuchen. In Kabul durften ihre Kämpfer die Stadt betreten, wenn sie zuvor ihre Waffen abgaben. Etliche von ihnen machten davon Gebrauch; manche gingen einfach Eis essen.
Positive Reaktionen auf Waffenruhe
Innenminister Wais Barmak traf sich mit Talibankämpfern aus der Nachbarprovinz Wardak. Er behauptete, er sei dort mit Polizisten auf Patrouille gewesen, dabei auf die Kämpfer getroffen und habe spontan das Treffen verabredet.
Die überwiegend positiven Reaktionen der Bevölkerung auf die Waffenruhe zeigen, dass der öffentliche Druck, den Krieg zu beenden, sehr stark ist. Dazu trug auch eine zivilgesellschaftliche Friedenskarawane bei, die sich nach einem blutigen Anschlag in der Südprovinz Helmand formiert hatte.
Die Gruppe war vor 34 Tagen nach Kabul losmarschiert und zum Eid-Fest in Wardak eingetroffen. Trotz Temperaturen über 35 Grad und des Fastengebots im Ramadan, an das sich die Teilnehmer hielten, und trotz Widerstands lokaler Regierungsvertreter hatten sich der Gruppe unterwegs immer mehr Menschen angeschlossen.
Die Waffenruhe baut auf jahrelangen Kontakten mit den Taliban sowie einem Friedensplan der Regierung von Ende Februar auf. Ausgenommen war der afghanische Ableger des „Islamischen Staates“ (IS). Der verübte am Wochenende zwei Anschläge gegen Friedenstreffen in der östlichen Provinz Nangarhar. Dabei wurden insgesamt mindestens 35 Menschen getötet und über 70 verletzt. Bereits nach dem ersten Anschlag beorderte die Talibanführung alle Kämpfer in ihre Stellungen zurück.
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