Finnland und Lettland: Neuer Sabotageverdacht in der Ostsee
Der Ostseeraum wird zum zentralen Schauplatz der hybriden Kriegsführung Russlands in Europa. Erneut sollen Unterwasserkabel beschädigt worden sein.
Wegen des Vorwurfs, kritische Infrastruktur in der Ostsee angegriffen zu haben, sind in Lettland und Finnland zwei Schiffe festgesetzt worden. Am Sonntag enterte die lettische Staatspolizei ein Schiff im Hafen von Liepāja, inspizierte es und verhörte die Besatzung. Es soll laut lettischer Marine das 65 Kilometer lange Kabel eines privaten Telekom-Anbieters von Šventoji in Litauen nach Liepāja in Lettland beschädigt haben. Ermittler bestätigten diesen Verdacht am Montag allerdings nicht.
Fünf Tage zuvor hatte Finnlands Polizei die Beschlagnahmung des Frachtschiffs „Fitburg“ bekanntgegeben. Es stehe unter Verdacht, auf dem Weg aus dem russischen Sankt Petersburg Richtung Ostsee ein zwischen Helsinki und Estland verlaufendes Unterwasserkabel mit seinem über den Meeresboden geschleiften Anker beschädigt zu haben. Zwei der 14 Besatzungsmitglieder wurden festgenommen, gegen zwei weitere wurden Ausreiseverbote verhängt.
Die russische Botschaft in Helsinki teilte mit, es habe bisher noch niemand von der Besatzung um Hilfe nachgesucht. Das unter der Flagge von St. Vincent und den Grenadinen fahrende Schiff hatte auf der Strecke nach Haifa in Israel laut finnischem Zoll Stahlprodukte aus Russland an Bord.
Seit 2024 kommt es vermehrt zu Angriffen auf die europäische Unterwasser-Infrastruktur. Die Militärdoktrin Russlands sieht Sabotageakte gegen kritische nationale Infrastrukturen als Teil seiner hybriden Kriegsführung. Teil davon ist nach westlichen Geheimdienstberichten die russische „Schattenflotte“: Auf etwa 800 Schiffen, zumeist sehr alt und unversichert, versucht der Kreml die Sanktionen des Westens gegen seine Ölexporte zu umgehen. Dabei kommt es immer wieder zu Sabotageakten an Unterseekabeln; auch Spähdrohnen steigen von diesen Schiffen auf, heißt es.
Die Ostsee wimmelt von Telekommunikations- und Energieinfrastruktur. Hunderte Windkraftanlagen stehen vor den Küsten Dänemarks und Deutschlands, neue entstehen vor Polen. Die Ostseeküste beherbergen zehn LNG-Terminals, zwei weitere befinden sich im Bau. Erdgasleitungen verbinden Finnland und Estland sowie Norwegen und Polen. Kabel säumen den Meeresboden: Anfang 2024 haben Estland, Lettland und Litauen ihre Stromnetze vom russischen Netz getrennt. Von den vier Verbindungen, die sie jetzt mit dem europäischen Netz verbinden, liegen drei am Boden der Ostsee.
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