Fast-Fashion-Händler Shein: Schlechter Börsenstart
Der für seine billige Kleidung bekannte Online-Händler Shein legt ein schwaches Börsendebüt in Hongkong hin. Das Geschäftsmodell stößt auf Gegenwind.
Foto: Go Nakamura/Reuters
afp Der Online-Modehändler Shein ist bei seinem lange erwarteten Börsendebüt in Hongkong nur auf verhaltenes Interesse der Anleger gestoßen. Das für seine extrem niedrigen Preise und die schnell produzierte Kleidung bekannte Unternehmen verzeichnete bei seinem Gang aufs Parkett am Dienstag deutliche Kursverluste. Zeitweilig sackte die Aktie um rund 10 Prozent ab.
Das in China gegründete Unternehmen, das seinen Hauptsitz inzwischen in Singapur hat, wollte ursprünglich in New York oder London an die Börse gehen, was jedoch an regulatorischen Hürden scheiterte. Mit dem Aktiendebüt in Hongkong zielte Shein nun darauf ab, sich umgerechnet rund 1,5 Milliarden Euro an frischem Kapital zu beschaffen.
Insgesamt wird Shein damit auf rund 22,6 Milliarden Euro taxiert – deutlich weniger als noch vor vier Jahren, als das Unternehmen bei einer Finanzierungsrunde mit fast 100 Milliarden Dollar (derzeit gut 86 Milliarden Euro) bewertet worden war.
Analysten verwiesen auf das zuletzt langsamere Wachstum des Modehändlers. Zudem hat das Unternehmen auch mit zunehmendem Gegenwind für sein Geschäftsmodell zu kämpfen: Branchenexperte Ken Pucker von der Tufts University in den USA verwies auf „neu eingeführte Steuern und Zölle“ und höhere Hürden „in den Bereichen Nachhaltigkeit, Datenschutz und Urheberrecht sowie Wettbewerb“.
Für 2025 hatte Shein einen Jahresüberschuss von 2,06 Milliarden Dollar ausgewiesen. Zuletzt schlug jedoch ein Quartalsverlust von 99 Millionen Dollar zu Buche, nachdem die USA für Kleidersendungen die Befreiung von Einfuhrzöllen aufgehoben hatten.
In einem ähnlichen Schritt führte die EU Anfang Juli einen Zoll von 3 Euro pro Artikel für Sendungen aus Ländern außerhalb der EU mit einem Wert von weniger als 150 Euro ein, womit Brüssel die wachsende Paketflut eindämmen will. Und in Frankreich treten ab Dienstag neue Regeln für Wegwerfmode in Kraft, um „Ultra-Fast-Fashion“-Artikel deutlich zu verteuern. Angesichts dieser Entwicklungen werde „die nahe Zukunft von Shein von negativem Wachstum geprägt sein“, erklärte der E-Commerce-Experte Juozas Kaziukenas der AFP.
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