Experte über Männerrechtler: „Zum Teil weit ins rechte Spektrum“

Einer Gruppe Männerrechtler wurden im Bundeshaushalt 400.000 Euro bewilligt. Was sind das für Leute? Antifeminismusexperte Andreas Kemper im Interview.

Vater Mutter und drei Kinder im Herbstwald

Ziemlich rückständig die Haltung, Familie kann nur Ehe zwischen Mann und Frau und deren Kinder sein Foto: Panthermedia/imago

taz: Herr Kemper, der Verein „Forum Soziale Inklusion“ soll 400.000 Euro aus dem Haushalt des Bundesfrauenminsteriums bekommen. Wo liegt das Problem?

Andreas Kemper: Trotz des verharmlosenden Namens sind das Antifeministen, die sich nicht für Gleichstellung einsetzen, sondern für das, was sie Männerrechte nennen. Das beruht auf der Wahrnehmung, dass in unserer Gesellschaft nicht Frauen und LGBTI, sondern Männer strukturell diskriminiert werden. Wenn man sich anschaut, wer wie viel Geld verdient, wer wie viele Vorstandsposten hat, wer wie viel Gewalt ausübt, ist das aber schlicht falsch.

Woran machen Sie fest, dass da Männerrechtler dahinter stecken?

Die ersten beiden Vorsitzenden des Vereins sind Gerd Riedmeier und, soweit ich weiß, Andreas Schmohl. Aktiv ist außerdem Michael Baleanu. Baleanu war bis 2012 Geschäftsführer der heute nicht mehr existenten Männerpartei, für die unsere Demokratie „menschenverachtender Radikalfeminismus“ war, der in seinem „Überwachungswahn schlimmer ist als der Nationalsozialismus“. Schmohl findet man als bayerische Kontaktperson von Manndat, das ist einer der zentralen deutschen Männerrechtsvereine, die die Benachteiligung von Frauen leugnen.

Und Riedmeier?

Riedmeier hat 2015 den Deutschen Genderkongress mitgegründet, der genau wie „Forum Soziale Inklusion“ dem Namen nach erstmal progressiv klingt. Der Untertitel war aber „Gender reloaded“, also etwa „Gender neu bewerten“. Die Verantwortlichen haben öffentlich gemacht, auf wen sie sich beziehen: etwa 70 bis 80 Gruppierungen, die zum Teil weit ins rechte Spektrum reichen. Darunter zum Beispiel die „Demo für alle“, die gegen Sexualaufklärung und Homosexualität mobil macht.

Oder die deutsche Sektion von „Tradition, Family, Property“: Ultrakatholiken, die mitverantwortlich dafür sind, dass es in Polen faktisch nicht mehr möglich ist, eine Schwangerschaft abzubrechen. Auch Wikimannia war darunter, die mit Hatespeech gegen Feministinnen vorgegangen sind und heute wegen Sexismus und Rassismus indiziert sind.

Gibt es Verbindungen zur AfD?

57, ist Publizist, Soziologe sowie Experte für die AfD und Antifeminismus

Beim Genderkongress hat Riedmeier den Einführungsvortrag gehalten, die Begrüßung war von Andreas Kraußer von Manndat. Kraußer hat für Manndat ein Interview mit Hans-Thomas Tillschneider vom faschistischen Flügel der AfD geführt. Darin sagt Tillschneider, Männer und Frauen seien dem Wesen nach verschieden.

Er kündigt an, er werde alle Programme bekämpfen, die Frauen in „Männerberufe“ bringen, spricht sich gegen die Quote aus und dafür, Scheidung rechtlich zu erschweren. Familie sei „die Ehe zwischen Mann und Frau, aus der Kinder hervorgehen, und sonst nichts.“ Zudem war Thomas Fügner zweimal als Redner beim Genderkongress vorgesehen und trat gleichzeitig als AfD-Funktionär bei Pegida auf.

Aus dem Genderkongress ist auch die Interessensgemeinschaft Jungen, Männer, Väter hervorgegangen. Was ist das?

Die IG JMV wurde auch von Gerd Riedmeier gegründet, dem Vorsitzenden des „Forums Soziale Inklusion“. Sie wurde ganz bewusst als Gegenorganisation zum progressiven und profeministischen Bundesforum Männer aufgebaut. Das Bundesforum Männer ist der größte Dachverband für Vereine gleichstellungsorientierter Männerpolitik hierzulande – die IG JMV macht Politik von und für Männerrechtler.

Und sie greift das Bundesforum Männer an: Es setze die falschen Schwerpunkte und wirke „seinen eigenen Interessensgruppen“ entgegen. Das IG JMV will anscheinend die Gelder, die bisher das Bundesforum Männer bekommt. Jetzt hat Riedmüller es zumindest geschafft, für das „Forum Soziale Inklusion“ eine ähnliche Summe zu akqurieren.

Warum diese verschleiernden Namen: Forum Soziale Inklusion, Genderkongress?

Um Raum und Anerkennung in der Politik zu gewinnen: Laut der Mütterrechtsinitiative MIA war Riedmeier schon im Juni diesen Jahres bei einem Gespräch mit Frauenministerin Franziska Giffey dabei. Politik und Wissenschaft sollen getäuscht werden. Jetzt hat Riedmeier viel Geld bekommen. Ein moderates Auftreten ist für so etwas sehr förderlich.

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